Tasteless - The sea

Tasteless- The sea

Strange Ways / Indigo
VÖ: 23.03.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mer de noms

So besonders schmeichelhaft ist der Bandname ja nicht, den die Schweizer da gewählt haben. Andererseits vielleicht gerade Ausdruck des eigenen Selbstvertrauens. Geschmacklos und fad ist auf "The sea" jedenfalls nichts. Das Album, welches sich im eigenen Titel bereits zu beschreiben wagt, überrascht allein schon durch seine Existenz. Denn ausgerechnet mit einem Fünfer aus der kantonalen Stadt Fribourg war nun wirklich nicht zu rechnen. Dabei ist dies schon Album Nummer zwei. Und verdient Aufmerksamkeit. Gleich zu Anfang machen Tasteless alles klar. Im Intro geht es zunächst ruhig her, das Cello, das sich durch die gesamte Albumlänge zieht und dieser Band eine eigene Note verleiht, ahnt nichts Böses, als plötzlich von irgendwoher ein martialisches Geschrei einsetzt, wie man es sonst nur in skandinavischen Landen vermuten würde. Doch bereits im ersten echten Song darf wieder aufgeatmet werden. "Leave" macht klar, dass Tasteless nichts mit grunzwütigen Berserkern am Hut haben.

Sänger Mario Weiss passt dabei mit seiner klaren Akademie-Stimme zu den Songs, wie der Deckel auf den Topf. Und nie rückt das Cello aus dem Mittelpunkt, da dürfen die Gitarren noch so laut scheppern. Wenn "In memory of" losbricht, fühlt man sich an A Perfect Circle erinnert. Und zum Schluss hat sich der Eindruck verfestigt. Und da ist es ja doch wieder, das Geschrei. Fast schon emoesk krachen die Shouts aus dem Hintergrund hervor. Nein, misslungen ist die dargebotene Melange aus Härte, Melodiegewalt und einem Schuss Theatralik gewiss nicht. Allerdings beginnt man schnell zu erkennen, wohin Tasteless vielleicht etwas zu viel geschielt haben. Weiss mag ein toller Sänger sein, so richtig oft hilft ihm das aber auch nicht, sich von Matthew Bellamy von Muse klanglich zu unterscheiden. Und die mussten ohnehin das eine oder andere Mal Pate stehen. Wie vieles andere auch, das nicht unbedingt vor härteren Tönen zurückschreckt. Wo "The sea" nämlich am besten ist, ist es auch gleichzeitig wenig eigenständig. Daran ändert auch das besagte, durchaus individuelle und gut eingesetzte Cello nichts.

Aber das Quintett macht es sich auch nicht unbedingt leicht. Wer die Gratwanderung zwischen Tiefe, Härte und natürlich immer noch Pop schaffen will, muss schon besonders früh aufstehen, um nicht vor Wände zu laufen, an denen bereits Bands wie Seachange oder Aereogramme ihre Duftmarken hinterlassen haben. "Distant", der vermutlich härteste Song des Albums, kracht einfach mal durch die oben genannten Wände durch und lässt ein Riffgewitter niederfahren, das es in sich hat. "Trust" muss zwar in Seattle kräftig Zoll löhnen, schafft es aber ebenfalls mit knackiger Härte zu fegen.

Wenn der Titeltrack in seinem furiosen Finale eine gesamte Armada samt Besatzung in die unendlichen Tiefen hinunterreisst, dann ist das schon ein Blickfang. Mit so einem tollen Krach könnten auch ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead etwas anfangen. Und "WWF" geht so gut nach vorne los, dass es fast vergisst, sich beim Stoner-Rock zu verbeugen. Nicht erst beim Solo hätte Josh Homme seinen Spaß. Aber da hat man es ja wieder. Zu oft ist man versucht, dieses Album als Collage aus vielen ausgeschnittenen Einzelteilen zu verstehen. Immerhin: Geschmack haben sie.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Leave
  • WWF

Tracklist

  1. Intro
  2. Leave
  3. In memory of
  4. The harp & whistle
  5. Goodbyes
  6. The right place
  7. Stranger
  8. Trust
  9. Down
  10. Distant
  11. WWF
  12. The sea

Gesamtspielzeit: 44:08 min.

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