Rosie Thomas - These friends of mine

Rosie Thomas- These friends of mine

Nettwerk / Soulfood
VÖ: 23.03.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Folk-WG

Als Rosie Thomas und Sufjan Stevens am ersten April des vergangenen Jahres ihren Werbetrommlern bei Pitchforkmedia zusteckten, ein gemeinsames Kind zu erwarten, wurde die Sache schnell als Aprilscherz der gehobenen Sorte entlarvt. Sehr charmant, ja, ja, ganz lustig, da haben sie schon recht. Die Sache ist nur die: So sehr als Witz war das scheinbar doch nicht gemeint. Es war wohl eher die verschwurbelte Durch-die-Blume-Art von Thomas und Stevens, mit der sie schon mal durchblicken lassen wollten, dass sie da tatsächlich eine hübsche Gemeinschaftsarbeit im Ofen haben.

"These friends of mine" nahm erste Formen an, als Thomas sich über einen längeren Zeitraum in Stevens' New Yorker Appartement einmietete, um auf ein paar neue Tricks für ihre selbst erklärte Mission - die Unterhaltung der Menschen - zu kommen. Songs schrieb sie zunächst eher beiläufig, hin und wieder unterstützt von Stevens und einem weiteren gemeinsamen Freund, dem Songwriter Denison Witmer aus Philadelphia. Es waren spartanische Lieder, die dabei umstandsbedingt entstanden, meist nur auf Thomas' wandelbare Stimme und schummrige Akustikgitarre zugeschnitten. Es waren aber auch Lieder, die bald schon den Alltag aller Beteiligten bestimmten und immer mehr Aufmerksamkeit einforderten. Solange, bis sich schließlich ein Album abzeichnete.

Es ist Rosie Thomas' drittes und auch ihr schönstes bisher. Stevens und Witmer beschränken sich auf zurückhaltende Nebenrollen, steuern ab und zu mal ein Instrument bei, singen außerweltliche Background-Vocals und sind sonst vor allem zu Scherzen aufgelegt. "Why waste more time, take 297", sagt einer der beiden am Anfang des betroffenen, Uhren anhaltenden Songs, zählt dann zu früh ein für Thomas' Geschmack und kontert mit einem garstigen "You're not playing in tempo anway." Thomas greift die Vorlage auf, sagt "I never do", alle lachen und haben doch gerade die Wahrheit über "These friends of mine" verraten. Eine Bauchsache, kein Album, das Wert auf große Genauigkeit legen würde. Eine Platte, deren zaghaft optimistische Grundstimmung aus völliger Zwanglosigkeit entstanden ist.

Auch die Coverversionen, R.E.M.s "The one I love" und Fleetwood Macs "Songbird", legen solche Gedanken nahe. Thomas stibitzte sie aus den jeweiligen Repertoires ihrer Gehilfen und stutzte sie zusammen, bis sie reinpassten in ihren Liederband, nicht mehr auffielen zwischen der Streicherglasur von "Much farther to go" und der vollständig wundervollen Beach-Boys-Hommage des Titelstücks. Freunde und New York sind die Themen, um die diese Songs kreisen, aus losen Impressionen und einfachen Alltagsgeschichten zusammengeknüpft. Die Folk-WG war Drachensteigen? Dann schreibt sie einen Song darüber. Thomas' ausführliche Linernotes legen nicht nur diesen Gemeinschaftsausflug offen, sie machen tatsächlich nachvollziehbar, wie Freundschaft und gegenseitiges Vertrauen zur Triebfeder eines ganzen Albums werden können. Es bleibt nur zu hoffen, dass John de Mol niemals Wind von dieser Sache kriegt. Er würde sicherlich herzbefreites Realityfernsehen daraus machen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • If this city never sleeps
  • Why waste more time?
  • Much farther to go
  • These friends of mine

Tracklist

  1. If this city never sleeps
  2. Why waste more time?
  3. The one I love
  4. Much farther to go
  5. Paper doll
  6. Kite song
  7. Songbird
  8. All the way to New York City
  9. Say hello
  10. These friends of mine

Gesamtspielzeit: 32:58 min.

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realDonaldTrump

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2017-05-12 09:22:38 Uhr
We finally agree on something Rosie.
Dän
2007-03-14 19:06:02 Uhr
Jip, Rezi nächstes Mal.
philmuc
2007-03-14 18:43:39 Uhr
Cd erscheint am 23. März 2007 ...
Armin
2007-02-01 12:43:27 Uhr
Was ich vielleicht interessant sein könnte, ist dass ihre humorige Seite ein Ventil in ihrem Alter Ego "Sheila" gefunden hat.

Videos hierzu:
http://youtube.com/watch?v=KVggNGVGGq0

harz5
2007-01-17 15:05:02 Uhr
was die kinder von heut für kohle übrig haben
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