Mika - Life in cartoon motion

Mika- Life in cartoon motion

Casablanca / Universal
VÖ: 23.03.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Villa Kunterbunt

"Good Lord, what a wanker!", schimpfte Queen-Gitarrist Brian May kürzlich in aller Öffentlichkeit. Damit meinte er allerdings nicht den jungen Mann, der aussieht wie Mogli aus dem Dschungelbuch und der im Vereinigten Königreich für den neuen Freddie Mercury gehalten wird. Sondern einen Redakteur der Zeitung "The Guardian", der Mika in Grund und Boden rezensiert hatte. Wer diesem mopsfidelen Regenbogenpop tatsächlich etwas zuleide tun kann, der muss sein Gemüt schon mit Sonnenschutzfaktor 200 eingecremt haben. Immerhin hält "Grace Kelly" - die Nummer-Eins-Single, die den Scissor Sisters nach "I don't feel like dancin'" hätte einfallen müssen - die Briten schon seit Wochen bei Laune, während sie darauf warten, dass Prince William und seine Kate endlich ihre Verlobung bekannt geben. Oder wenigstens Pete Doherty und seine Kate endlich ihre Entlobung verkünden.

Wenn man dem 23-jährigen Michael Holbrook Penniman, der Einfachheit halber Mika genannt, überhaupt etwas anlasten kann, dann ist es - neben seiner schamlosen Falsett-Freudigkeit - höchstens seine umfangreiche Zitatesammlung. "Life in cartoon motion" ist nicht bloß ein bemerkenswertes Debütalbum, es ist auch ein launiges Pop-Quiz. In jedem Song verstecken sich mindestens zwei musikhistorische Referenzen: "Relax (Take it easy)" hat sich ein wenig bei Frankie Goes To Hollywood bedient und die Refrain-Melodie von Cutting Crews "(I just) Died in your arms" stibitzt, "Any other world" zaubert "Eleanor Rigby"-Streicher aus dem Hut und rät "smile like you mean it", während "Stuck in the middle" das "Laura"-Melodica-Motiv der Scissor Sisters auf dem Piano imitiert und in einer Bee-Gees-Blaupause "Stayin' alive" antäuscht.

"Lollipop" veranstaltet eine fantastische Motown-Party in der Villa Kunterbunt - da fällt die Durchschnittlichkeit von "My interpretation" und "Happy ending" um so mehr auf. Dafür setzt "Love today" fachmännisch den Dancefloor in Brand und legt das engste Falsett-Korsett an, das auf dem Glamour-Grabbeltisch zu finden war. "Billy Brown" hopst über die Klaviertasten, als sei er gerade auf dem Weg zur "Penny Lane". Und dann ist da noch "Big girl (You are beautiful)", diese sympathische Gospel-Disco-Hommage an etwas kräftigere Frauen. Bei Queen hieß das vor dreißig Jahren etwas weniger charmant "Fat-bottomed girls". Wie bereits erwähnt: Die Elster schleppt kiloweise Diebesgut mit sich herum - aber stürzt erstaunlicherweise trotzdem nicht ab.

Die Musik war ja schließlich auch stark genug, um dem in Beirut geborenen Mika seine Außenseiterrolle in der Schule erträglich zu machen. Er bekam klassischen Gesangsunterricht, schaffte es als holdes Knäblein sogar für einige Produktionen ins Ensemble des Londoner "Royal Opera House", brachte sich selbst das Klavierspielen bei, sang und komponierte im Teenie-Alter Werbejingles für "British Airways" und "Orbit"-Kaugummi - und bombardierte bereits als Zwölfjähriger Plattenfirmen mit seinen Demos. Mika ist vielleicht ein Trickdieb, aber kein Hochstapler. Nicht ohne Grund wurde er im "New Music Poll 2007" der BBC zum vielversprechendsten Newcomer des Jahres gekürt. Wenn man's sich recht überlegt, ist Mika einer dieser Typen, bei denen man schwören könnte, dass sich ein besonders fantasievoller Promoter seine Biografie ausgedacht hat. Aber andererseits ist das alles doch: zu schön, um nicht wahr zu sein.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Grace Kelly
  • Lollipop
  • Big girl (You are beautiful)

Tracklist

  1. Grace Kelly
  2. Lollipop
  3. My interpretation
  4. Love today
  5. Relax (Take it easy)
  6. Any other world
  7. Billy Brown
  8. Big girl (You are beautiful)
  9. Stuck in the middle
  10. Happy ending

Gesamtspielzeit: 44:23 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Moku
2008-01-14 19:20:07 Uhr
Mir geht er, es, äh, auf die Eier. Aber das will er, äh, es ja wohl auch.
The MACHINA of God
2008-01-14 19:16:20 Uhr
@qwertz:
Nee, ich mein das ernst. Ich liebe den Song. Großartig!
Piepi
2008-01-14 19:14:07 Uhr
Alleine diese "Little bit of love" Stimmen ... Oh man... Dieser Song ist wirklich mal stark. Diese Stimme, dieser Chor... Super³ :)
Piepi
2008-01-14 19:12:07 Uhr
Scheiße, nach Grace Kelly dachte ich, dass ich ihn ohne Vorbehalte hassen kann und dann haut der jetzt "Happy Ending" raus... Scheiße, so würde sich das anhören wenn Sigur Ros mit Queen zusammenspielen um DEN perfekten Popsong zu schaffen. Verdammt toller Song, vielleicht höre ich ins Album ja auch noch einmal rein
Mixtape
2008-01-07 17:12:10 Uhr
Unter den Top 5 ist er auf jeden Fall.
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