Rock Kills Kid - Are you nervous?

Rock Kills Kid- Are you nervous?

Fearless / Reprise / Warner
VÖ: 02.03.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ganz in Gedanken

Ach, wie nervig doch die heutige Zeit ist! Keine Jobzusage ohne Auslandsaufenthalt, kein bleibender Eindruck ohne Travellerstories und kein Abend ohne plappernde Rastas mit Weltenbummlererlebnissen. Zuhausebleiber mögen dabei leicht in Depressionen verfallen. Aber schön, dass es auch Leute wie Jeff Tucker gibt. Das Orange-County-Landei verbrachte seine erste Zeit im fremden Los Angeles zurückgezogen im Musikstudio. Alleine, er mied Mensch, Öffentlichkeit und - bedingt durch die spärliche Raumaustattung - säubernde Duschen, vertiefte sich aber dafür in Liedkonstruktionen seiner grenzwertig betitelten Band Rock Kills Kid.

Heraus kam "Are you nervous?" und soll das damalige Leben in der Isolation dokumentieren. Doch so trist scheint es dort nicht gewesen zu sein, denn von staubiger Enge ist auf dem Album nichts zu spüren. Vielleicht widmete er sich ja dem intensivem Studium von Reisebüchern, vielleicht lauschte er auch nur einer breiten Vielfalt an Musik-CDs, aber sein Hirn ging in jedem Fall auf ganz große Reise. Zuerst auf die britische Insel zu Musikpapst Bono Vox, denn die Parallelen zu dessen Stimme und Sound sind unüberhörbar. Mehr nach U2 klingen wohl nur noch U2. Knallig, vor Pathos strahlend und immer direkt in die Beine. So shaket die Single "Paralyzed", und der Rest des Albums steht ihr in nichts nach.

Der Meister entließ den Zögling sicherlich zufrieden aus seinen Hallen, und gab noch eine zusätzliche Prise Britpop und Glam mit auf dem Weg. Und die Adresse einer dieser derzeit heftig angesagten Tanzbars, denn wenn man schonmal in der Gegend sei, führe daran kein Weg vorbei. Also die Nase dort ganz tief hineingesteckt, und etwas von den umherspukenden rock'n'rolligen Riffs mit herausgesaugt. Ganz zu schweigen vom Surfbeat, der im Abschlusstrack "Raise your hands" tönt. Gut gefiel Tucker dies alles, wenn da nicht die biedere Lebensart der meisten Inselbewohner gewesen wäre. Das verträgt sich natürlich schlecht mit der lockeren amerikanischen Mentalität, weswegen es flugs zurück in die Staaten ging. Und dort gleich mitten hinein ins Herz der strahlenden Unterhaltungsindustrie: Las Vegas nämlich. Neben münzenschluckenden Spielautomaten fand er jede Menge faltiger Frackträger sowie übersprudelnden Pomp, der Stücken wie "Midnight" das Flair der ganz großen Galas verpasst und in "Life's a bitch" den Synthie dicke Achtziger-Elektroklötzchen spucken lässt.

Doch schließlich strebte Tucker wohl doch wieder die Rückkehr in das Real Life an, wie das ruhige "Back to life" schön erzählt. Gut so. Denn wie bekannt bringt ja dauerhafte Duschabstinenz ernsthafte hygienische Probleme mit sich. Und eingesperrt im heimischen Studio würde "Are you nervous?" womöglich weiterhin ein unbekanntes Dasein unter fauligen Pizzaschachteln und wirren Kritzeleien fristen. Es wäre schade drum.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • Paralyzed
  • Hideaway
  • Back to life

Tracklist

  1. Paralyzed
  2. Hideaway
  3. Midnight
  4. Are you nervous?
  5. Back to life
  6. Life's a bitch
  7. Run like hell
  8. Don't want to stay
  9. Hope song
  10. Raise your hands

Gesamtspielzeit: 37:33 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
fm1
2007-03-05 10:39:23 Uhr
Hmm, ganz schön viele 80er Einflüsse, aber schon interessant. Gibt wohl doch ein Revival, siehe auch Mute Math...
Und zu U2: Häh? Da hör ich aber nicht viele Ähnlichkeiten.
7th Seeker
2007-03-04 12:22:10 Uhr
Na also, 7/10 geht voll in Ordnung.
7th Seeker
2007-02-24 15:35:06 Uhr
Ist denn eine rezi zu erwarten???
Armin
2007-02-23 23:41:47 Uhr

ROCK KILLS KID - Are You Nervous?
CD, VÖ 02.03.2007
U2 und The Cure, gemischt mit Joy Division, The Smiths und Echo and The Bunnymen, gepfeffert mit einer kaum spürbaren Prise Discovaganz - kann sich hier jemand vorstellen, wie das klingen würde? Wahrscheinlich gar nicht mal schlecht. Und mit einem saftigen Schuss modernem Alternative-Rock und Neopop drin hat man dann ein angenehm und herzhaft schwingendes Pop-Konglomerat mit viel Melodie und Gefühl. ROCK KILLS KID heißt das kalifornische Quintett, das mit prägnanten Basslinien, unprätentiösen Rhythmus-Gitarren, auf das Wesentliche konzentrierten Drums und zuweilen eleganten Streicher-Arrangements aufwartet und nun ein herrlich unspektakuläres Pop-Album vorlegt, das sich am ehesten noch mit den Killers vergleichen lässt. Ansonsten: Kein Gepose, kein hysterisches Next-Big-Thing-Geeiere, kein weiterer Bloc Party-Klon. Stattdessen: ROCK KILLS KID.

"Die meisten meiner Songs haben eigentlich dasselbe Thema," erklärt Gründer und Kopf der Band Jeff Tucker. "Es geht fast immer darum, wie ich mit der Isolation klar komme. Denn ich war wirklich allein, und ich meine allein. Ich ging nie raus, die Leute nannten mich 'Einsiedler', und ich hatte eine Menge Zeit, herauszufinden, wer ich war. Darum geht's übrigens auch in der ersten Single Paralyzed - festzustecken und nicht in der Lage zu sein, auch nur einen Schritt zu tun."

Drei Jahre lang tat Tucker nichts als Komponieren. "Ich hatte sonst nichts zu tun, Schreiben wurde mein Lebensinhalt. Ich gewöhnte mich dran. Dann wurde ich süchtig." Nach zwei Jahren hatte er etwa 150 Songs geschrieben. ROCK KILLS KID war immer noch der Bandname, aber das Line-up blieb variabel. Mitglieder kamen und gingen, bis Bassmann Shawn Dailey und Keyboarder Reed Calhoun von einer Band namens Bright Life dazu kamen. Drummer Ian Hendrickson stieß über eine Annonce dazu und Gitarrist Sean Stopnik kam, nachdem seine Band Stairwell sich aufgelöst hatte. "Stopnik ist eine echte Bereicherung," so Tucker. "Er ist der einzige mit so etwas wie Verantwortungsgefühl. Ohne ihn würden wir nicht mal unsere Schuhe geschnürt kriegen."

Schließlich gingen die Fünf mit Producer Mark Trombino (Jimmy Eat World, Blink 182) ins Hollywood Sound Studio in Los Angeles, um Are You Nervous? aufzunehmen, das mit seinen gleitenden und in Hall eingewobenen Gitarren, New Wave-Synthesizern und geraden Rhythmen gut zu den Killers und Interpol in die Plattensammlung passt. Songs wie Paralyzed, Hideaway und das clubfreundliche Midnight sind dunkelnde, atmosphärische und durchaus einnehmende Stücke. Wenn man sich einen jungen Bono und etwas rauere The Cure vorstellt, liegt man da schon richtig.


7th Seeker
2007-02-23 19:20:15 Uhr
Ich würd der Platte wohl 7,5/10 Punkten geben. Sie könnte etwas länger sein und "Life's a bitch" finde ich ziemlich schwach, sonst ziemlich gut gelungen.
Und für mich klingen die nicht allzu sehr nach U2.
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