Radical Face - Ghost

Radical Face- Ghost

Morr / Indigo
VÖ: 02.03.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Klabautermann

Das Universum von Ben Coopers Radical Face macht sich ganz klein, ist aber riesengroß. Cooper, ansonsten mit Alex Kane unter der Flagge Electric President unterwegs, scheint ständig bemüht, die Ansprüche seiner Musik möglichst zu beschwichtigen. Doch was auch immer umgeht auf der Galeone "Ghost", es scheint die leisen Momente ebenso zu mögen, wie die ganz großen Gesten. Cooper, als Kapitän allein an Bord, richtet sich beim Wegdriften nach der Sternenkarte. Seine Suche nach dem Heim wird so zur Heimsuchung.

Bereits "Welcome home" steuert nur scheinbar den sicheren Hafen an. So ist, wenn das schlichte Anfangsriff zu Sturmlispeln und Windspiel-Gedängel in die Kajüte weht, eine erste Hühnerschwarte als Willkommensgruß zwar garantiert. Dann aber schraubt sich der Song in einen derart weihevollen Refrain hoch, dass der Hautkompass gar nicht mehr weiß, in welche Himmelsrichtung er zuerst ausschlagen soll. Gleich darauf stellen "Glory" und "Let the river in" mit Vehemenz fest, dass das nicht etwa als Ausrutscher gemeint war. Denn auch in der seichten Strömung dieser Songs lassen sich tausende Hände gen Himmel recken. Piano und Akustikgitarre ergeben eine an sich schon lichte Staffage, die von Glockenspielen, Pfiffen, Handclaps, Banjos und Schifferklavieren noch weiter aufgerissen wird, das Schlagzeug streichelt die Toms und die Snare, irgendwas krispelt und marschiert beständig im Hintergrund, brandet an die Außenwände der Songs und vermag sie doch nicht ganz zu durchdringen. Wenn dann die Satzgesänge nicht mehr hinreichen, kielholt Cooper sie in Keyboard- und Streicheruntiefen, um ganz zum Schluss noch die E-Gitarre zu hissen. Arrr!, kann man da nur sagen.

Auch die folgenden Songs deklinieren ihre Harmonien stets bis in die hinterletzten Falten eines immensen Instrumentariums aus. Ob Heimwegabgekommenheitsverzweiflung wie in "Winter is coming" oder Fernweh wie in "Homesick", ob sich "Wrapped in piano strings" selbst zum Brummkreisel macht oder sich "The strangest things" in dicke Melancholie verpackt: An Filigranität wird hier wahrlich nichts vergessen. Krähen, Möwen und allerlei anderes Getier kreist hoch über dem stets das Weite suchenden Blick der Songs. Darunter aber knarzt und knackt es verdächtig nach alten Holzplanken, und man wartet förmlich darauf, dass Cooper doch irgendwann durch den Boden seines Wohlfühlteppichs kracht.

So ist dieser "Ghost" doch eher der Klabautermann. Als gute Seele und zu allerlei Schabernack aufgelegt, klopft und poltert er im Nebenan und wird erst zu einem Problem, wenn er das sinkende Schiff verlässt. Um genau das zu verhindern, schickt Cooper jeden seiner Songs bis an die vorderste Plankenspitze und stochert mit dem Krummschwert so lange nach, bis er alles preisgibt, was in ihm steckt. Manchmal wird Garn gesponnen, um sich aus der Affäre zu ziehen. Meist aber wird der Schatz gehoben. Und in Gold gebadet.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Welcome home
  • Glory
  • Wrapped in piano strings

Tracklist

  1. Asleep on a train
  2. Welcome home
  3. Let the river in
  4. Glory
  5. The strangest things
  6. Wrapped in piano strings
  7. Along the road
  8. Haunted
  9. Winter is coming
  10. Sleepwalking
  11. Homesick

Gesamtspielzeit: 47:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
The Triumph of Our Tired Eyes
2011-09-27 11:09:40 Uhr
dito! Das wird ein Fest!
Freyfrau
2011-09-27 10:52:43 Uhr
Yippieh!!! Wie lange ich darauf gewartet habe, immer diese Verströstungen. Der Kerl ist einfach ein verdammtes Genie...
bee
2011-09-27 10:43:10 Uhr
upcoming Album: Radical Face - The Family Tree The Roots - kann nach erstem Eindruck sehr sehr viel!
Flo
2010-04-12 10:52:32 Uhr
Er ist jetzt ein schlechter mensch und man merkt im nachhinein auch, wie sich der kommerz in ghost gefressen hat.

Finde es unfassbar, dass er jetzt mit seiner Musik auch noch Geld verdienen will. Scheinheiliger Typ ;(
mr.pink
2010-04-12 00:35:06 Uhr
na und?
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