Mt. - Lethologica

Mt.- Lethologica

Motive Sounds / Indigo
VÖ: 23.02.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Laut malen

Ben Maxwells und Laura Harrisons Grenzverwehungen zwischen den ungleichen Stiefschwestern Post- und Mathrock haben bereits ihre Vorgängerband Ctrlaltdelete zum Systemkollaps gebracht. Nach diversen, nervenaufreibenden Umbesetzungen in der Originalband drückten die beiden schließlich selbst die Escape-Taste und schufen sich als Mt. einen neuen Arbeitsplatz. Gebracht hat das wenig, denn auch auf "Lethologica" malen sie ihre Reißbrettzeichnungen in Rhythmus-, Ton- und Auftaktverschiebung altbewährt mit kräftigen Farben aus und brechen immer wieder die eigene Harmonieseligkeit auf, ohne sie jedoch ganz vergessen zu machen.

Mt. halten die Gitarre dazu meist im halb- bis dreiviertelverzerrtem Affengriff und orientieren sich an einem Bass- und Schlagzeugsound, der die Melodien über den steifen Buckel abrollen lässt. Sich selbst umknotend, knöchern und megatonnenschwer werden hier mindestens ebenso viele Dumbos aus dem Äther wie Luftlöcher geschlagen und all die Traurigkeiten, die aus den Gitarrenfiguren herauswuchern, mit der scharfen Kante rasiert.

Selbst die zwei eindeutig nach vorne strebenden Kurzminüter des Albums klettern in einem Geäst aus grollenden Frequenzen und Soundverschleppungen umher. Mitten hinein setzt es dann mit der groben Nadel gestochene Kraftmeiereien. So gönnt sich "Between now and then" zum Ende einen kurzen Popoklaps, der auf durchaus hymnische Weise tief im Allerwertesten des eigentlich friedvoll gemeinten Songs stecken bleibt. Und auch "Worms and coffee" poltert irgendwann in ein unbändiges, ultrarockendes Stakkato, das man so zuletzt vielleicht von den frühen June Of 44 um die Ohren geblasen bekommen hat.

Zu solcher Referenz versteht es sich dann wohl von selbst, dass die Hälfte der Songs auf "Lethologica" vom Hörer eher den langen Atem einfordern. Den jedoch beweisen Mt. auch selbst, mit stets schroff herausgetretenen, zugleich jedoch wohl arrangierten Takt- und Geschwindigkeitswechseln. Die Taschentuchzerreißprobe "Add obvious errors" etwa nimmt im Mittelteil ordentlich Fahrt auf, um schließlich in simplen Bassdrum-Vierteln stecken zu bleiben und fortan auf den wieder hochgepitchten Schluss zu hüpfen. Ebenso gibt sich "Decline into shadows" keineswegs mit dem tiefen Brummen zufrieden, in das sich die Grundakkorde pulverisieren. Vielmehr bricht der Song mehrmals in sich zusammen, trudelt, schlingert und findet wieder zu sich selbst.

Damit erteilen Mt. Lehrstunden in musikalischer Ökonomie und was ihr die Stange hält. Lediglich mit "Sense of wonder still intact" gönnen sie sich ein paar Längen. Allerdings haben sie sich zu diesem Zeitpunkt bereits ein Album lang hörbar abgerackert und niedergekämpft. Dass es nach dieser Anstrengung eher rumort, statt, wie zuvor, an allen Ecken zu knattern und zu zünden, ist verständlich. Und bleibt nur ein kleiner Makel in einem ansonsten wahrlich wuchtigen, musikalischen Koloss, in dem kilometerhohe Melodietürme vom dazwischen donnernden Beat zwar nicht zum Einsturz gebracht, aber doch immer wieder zu ganz untypischer Konzentration gepeitscht werden. Um nicht zu sagen: Strg+Strg+Strg+Strg+Strg+Strg+Strg ...

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Add obvious errors
  • Between now and then
  • Worms and coffee

Tracklist

  1. The labour of progress
  2. Add obvious errors
  3. Between now and then
  4. Decline into shadows
  5. Worms and coffee
  6. Too many escape Darwin's attention
  7. Sense of wonder still intact

Gesamtspielzeit: 47:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Pelo
2009-04-16 17:28:31 Uhr
Mt. - Teach Children How To Think, Not What To Think [2009] [EP]

01. Pencil Drawings of Animals
02. Yes, I Can Solve A Rubik's Cube, But I Can't Very Well Solve All Your Problems Now. Can I?
03. Brokeback Mt.
04. Lecture On Nothing
05. Remembered Differently (Bonus Disc)
06. The Unbearable Lifeless Sean Bean(Bonus Disc)

Großartige EP! :)
Pelo
2007-02-23 14:12:57 Uhr
Jaaa, 7/10 passt schon, wundert mich das es hier rezensiert wurde.
Vorgängerband ctrlaltdelte gefällt mir aber besser, aber das ist auch net schlecht...
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