Busdriver - Roadkill overcoat

Busdriver- Roadkill overcoat

Epitaph / SPV
VÖ: 16.02.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Quasselstrippe

Die Regeln sind denkbar einfach: Nach 20 Uhr wird nur noch vorne eingestiegen, Schwarzfahren kostet 40 Euro, und wer den Walkman zu laut hat, fliegt sowieso raus. Was aber, muss man doch fragen, soll das "Nicht mit dem Busfahrer sprechen!"-Verbot bringen, wenn der Mann am Steuer sowieso keine fünf Sekunden lang die Klappe halten kann? Wäre es nicht ohnehin besser, der Kerl behielte mal die Straße vor sich ein bisschen genauer im Auge, statt seinen epileptischen Rumfuchtel-Rap so nahe an unseren Ohren abzubrennen? Und gibt es noch einen Ausweg aus diesem metaphorischen Totalschaden-Rezensions-Aufhänger mit jetzt schon zwei Toten und drei Verletzten?

Ein neuer Absatz ist wie ein neues Leben. Und die Vinyl-Version des neuen Busdriver-Albums "Roadkill overcoat" sieht, bei all der überdrehten Hektik, die das Album ausstrahlt und die jeden Plattenspieler sprengt, nach dem ersten Abspielen wohl wirklich so zerfleddert aus wie der fusselige Bettvorleger vom Albumcover. Der Mann, der den damals gerade aufgelösten Unicorns vor vielen Monden als Teil von Th' Corn Gangg ein zweites HipHop-Leben schenkte, muss hier miterleben, wie ihm die eigene Musik wie ein schlechter Haarschnitt über den Kopf hinauswächst. Und natürlich - der unterstützt das, wo er kann. Schon "Casting agents and cowgirls" feuert in zehn Musikrichtungen gleichzeitig, während Busdriver Alltagsfloskeln zum Zungenbrecher hochjazzt. Und "Less yes's, more no's" wird von ähnlichem Schabernack ergriffen, rammt ihn aber mit presslufthämmernden Drumbeats gleich wieder in den Boden. Es ist vielleicht nicht im Sinne des Erfinders, aber dazu kann man doch nur "ja" sagen.

In diesem Tempo geht das natürlich nicht lange gut. Die zweite Hälfte von "Roadkill overcoat" legt mehr Wert auf Fokus und Übersichtlichkeit, die Hände nicht mehr auf alle erreichbaren Herdplatten und endet in "The dream catcher's mitt" bei Akustikgitarre und nahezu klassischem Storytelling. Rotzfahnenschwenker wie das Minimal-Georgel von "The troglodyte wins" sollten weiterhin einen guten Psychiater auf der Kurzwahltaste abspeichern. Der Eindruck aber, dass Busdrivers Schandmaul von zu viel Geradlinigkeit schnell unterfordert wird, lässt sich auch vom mehrstöckigen Gespenter-HipHop aus "Ethereal driftwood" nicht mehr ausradieren. "So bad, it makes medicine sick", um da lose mit Muhammad Ali, dem allerersten Battle-Rapper, zu sprechen. Gerade deshalb sollte Busdriver gar nicht erst daran denken, die frisch verschriebenen Tranquilizer regelmäßig einzuwerfen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Casting agents and cowgirls
  • Less yes's, more no's
  • Secret skin

Tracklist

  1. Casting agents and cowgirls
  2. Less yes's, more no's
  3. Kill your employer (Recreational paranoia is the sport of now)
  4. Ethereal driftwood
  5. Secret skin
  6. Sun shower
  7. Go slow (feat. Bianca Casady)
  8. The troglodyte wins
  9. Pompous posies! Your party's no fun
  10. (Bloody paw on the) Killfloor
  11. Mr. Mistake (Bested by the whisper chasm)
  12. Dream catcher's mitt

Gesamtspielzeit: 43:22 min.

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  • Busdriver (2 Beiträge / Letzter am 09.08.2011 - 22:03 Uhr)