Ich Jetzt Täglich - Allee Sorgenlos

Ich Jetzt Täglich- Allee Sorgenlos

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VÖ: 23.02.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Z.E.N.I.T.

Die Sache ist die: Ich Jetzt Täglich haben sich den feinsten Bandnamen zurechtgelegt, der mit Hilfe der deutschen Sprache geschaffen werden kann. Eine Kombination, ein Code, ein Kalauer. Und dies kommt nicht von ungefähr, denn die vier Männer sind unter anderem die Guten. Die Streber. Aber auch: Die Gewitzten. Denn das Spiel mit der Sprache betreibt nicht nur Sänger Lutz Nikolaus Kratzer auf hohem Niveau, auch die Artikulation des Hauptanliegens entfesselt sich von den üblichen Grenzen der deutschen Popmusik.

Das quirlige Debüt "Stilfragen" von 2004, das die Glückseligkeit im Kleinformat erstrebte, die Verspieltheit und Naivität der unbekümmerten Jugendlichkeit erhaschte, scheint überboten werden zu wollen. Denn was der Vierer nun drei Jahre später auf "Allee Sorgenlos" präsentiert, ist Feinarbeit, die Gravität der Leichtigkeit. Verspielte Ernsthaftigkeit. Eine Katachrese zum Anfassen. Gluckernde Elektronik paart sich mit einem schnellen Schlagzeug-Beat, schleppende Gitarren treffen auf kleine Keyboard-Melodien. Kratzers Gesang auf zärtliche Geigen-Klänge. Bildbrüche im 4/4-Takt.

Während das tolle Debüt von Klein, Kratzers Projekt, die Melancholie der Seele kitzelte, Kurzfilmprojekte der Band auf 3Sat dargeboten und die deutschsprachigen Areale Europas mit Konzerten beglückt wurden, entstand "Allee Sorgenlos". Das Album mit den Hits "Wem gehört die Stadt", "Geh", oder eben "Allee Sorgenlos". Die Platte, die den Alltag aufknackt. Und so gut ist, wie mindestens seit Wochen keine deutschsprachige Popplatte mehr. Ich Jetzt Täglich buchstabieren Zenit.

In den ungestümen Momenten erinnern Ich Jetzt Täglich an Pendikel, in den bedachten an Kettcar, in den melancholischen an die Paul Dimmer Band. Die lyrischen Darbietungen bauen auf Beobachtungen, wie sie ein Sven Regener verarbeitet. "Allee Sorgenlos" treibt in den Weiten eines nicht vollends erfassbaren Indie-Pops, bietet in jedem Song eine neue Alternative zum bereits Gezeigten. Kein Song biedert sich an, Ich Jetzt Täglich lassen sich nichts aus der Nase ziehen. Mit diesem Album schickt das Quartett einen verträumten Begleiter für die kommenden Jahreszeiten, der die Leere füllt: "Wir liegen hier herum / Und starren in die Leere / Plankton treibt / Entgegen der Schwere." Und das sind wir.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Wem gehört die Stadt
  • Grund
  • In 27 und noch ein paar Tagen werden wir wieder Ostern haben

Tracklist

  1. Yeah
  2. Wem gehört die Stadt
  3. Immer
  4. Gegenüber
  5. Ja und amen
  6. Geh
  7. Alle Sorgenlos
  8. Grund
  9. Unser Thema
  10. Schmerzfrei
  11. In 27 und noch ein paar Tagen werden wir wieder Ostern haben
  12. Sag Bescheid

Gesamtspielzeit: 41:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Tschengis
2007-02-15 20:18:58 Uhr
Hatten wir "die Guten" nicht mit auf die rote Liste gesetzt? :)
noplacespecial
2007-02-15 20:15:27 Uhr
muss/KANN man das verstehen?

"Die Sache ist die: Ich Jetzt Täglich haben sich den feinsten Bandnamen zurechtgelegt, der mit Hilfe der deutschen Sprache geschaffen werden kann. Eine Kombination, ein Code, ein Kalauer. Und dies kommt nicht von ungefähr, denn die vier Männer sind unter anderem die Guten. Die Streber. Aber auch: Die Gewitzten."
gerd
2007-01-23 23:48:38 Uhr
Am 9.2. erscheint die 2. CD der Hamburger. Hat schon jemand ins Album reinhören können?
Bin gespannt. Mochte "Stilfragen" sehr.
Und der Bandname ist sowieso unschlagbar.
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