The Apples In Stereo - New magnetic wonder

The Apples In Stereo- New magnetic wonder

Simian / Yep Roc / Cargo
VÖ: 16.02.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

+/-

Großzügig über den Daumen gepeilt: Es sollte kaum länger als fünf Minuten dauern, Platten wie die der Apples In Stereo aufzunehmen. Nichts dran außer Hooks und hinführenden Bridges, alles Gitarre, Bass und Bubblegum. Keine durchkreuzten Songstrukturen, keine Zeit zum Nachdenken. Unter den Elephant-6-Kommunaden aus Athens schienen sie immer die mit der anspruchslosesten Musik zu sein. Tatsächlich hat Bandbeherrscher Robert Schneider es aber nur besonders gut raus, das Schwierige einfach, das Komplizierte offensichtlich klingen zu lassen. In Wahrheit ist Mathe das Größte für diesen Typen, im Vorfeld von "New magnetic wonder" soll er angeblich so lange mit Einsen, Nullen und Algorithmen jongliert haben, bis ihm das Ausklamüsern einer völlig neuen Musikskala gelungen war. Man kann damit jetzt nie da gewesene Akkorde und so Kram spielen. Es weiß nur noch keiner genau, wie.

Klar wird dabei höchstens: Man braucht sich nicht zu wundern, wenn die Apples In Stereo fünf Jahre für ein Album brauchen, das nach fünf Minuten Arbeit klingt. Man sollte nicht alles glauben, was man hört, fühlt und erzählt kriegt. Bis zu 96 Tonspuren wurden hier gleichzeitig verbraucht. Bis kurz vor den Nervenzusammenbruch hat Schneider seine theoretischen und praktischen Musikversuche getrieben, um dann herauszufinden, dass sich die Platte in seinem Kopf schlichtweg nicht ins echte Leben überführen lässt. "New magnetic wonder" geht vielleicht deshalb so trotzig mit dem furiosen "Can you feel it?" los, das nur aus Refrains besteht. Es ist vielleicht deshalb eine völlig bescheuerte, konsequent vorgestrige Rockplatte geworden. Hoffentlich bereut sie nicht eine Sekunde der fulminanten Show, die sie dabei abzieht.

Viele der Musiker die man unterdessen auf "New magnetic wonder" hört, sind mittlerweile raus aus der Band oder haben nie richtig dazugehört. Ein paar Mal spielt der große, legendär schwierige Jeff Mangum (= Neutral Milk Hotel) Schlagzeug, klatscht in die Hände oder singt unidentifizierbar im Hintergrund. Es kann aber kaum an ihm gelegen haben, dass Schneider bis in die Außenbezirke seines Verstandes vordringen musste, um die schönsten Phoenix- ("Same old drag") und Magnetic-Fields-Songs ("Play tough") seit sieben bzw. acht Jahren zu schreiben. Und es ist sowieso eher die Olivia-Tremor-, denn Neutral-Milk-Hotel-Schule, nach der das Album mit elf Interludes zerschnibbelt und ins Stocken gebracht wird. Gut für den Schwierigkeitsgrad. Schlecht für unseren Laufrhythmus.

Mit Seitenstechen biegt man also in die zweite Albumhälfte ein, die zunehmend psychedelischeres Hippiezeug in Szene setzt. "7 stars" frühstückt noch eben den besten Energizer-Refrain seit Ewigkeiten ab, mit "Open eyes" sind wir dann so weit, dass die Songs nach Oasis, circa "Be here now", klingen. Wie das nun wieder passieren konnte, soll Schneiders kleines Geheimnis bleiben. Es leitet einen jedenfalls fürsorglich rüber zu den vier Teilen von "Beautiful machine", seinem ganz persönlichen "Smile", wegen dem "New magnetic wonder" lange am seidenen Faden hing. Gewöhnlich aufbegehrend zu Beginn, gefangen im pinkfarbenen Mellotron-Nebel danach und orchestral ausglühend am Ende. Eine Westentaschensinfonie als Krone für diese geschichtsbewusste Platte. Sie erscheint übrigens auf Elijah Woods neuem Indielabel Simian. Als ob das jetzt noch jemanden überraschen könnte.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Can you feel it?
  • Skyway
  • 7 stars
  • Beautiful machine 1-2
  • Beautiful machine 3-4

Tracklist

  1. Can you feel it?
  2. Skyway
  3. Mellotron 1
  4. Energy
  5. Same old drag
  6. Joanie don't you worry
  7. Sunndal song
  8. Droplet
  9. Play tough
  10. Sun is out
  11. Non-Pythagorean composition 1
  12. Hello Lola
  13. 7 stars
  14. Mellotron 2
  15. Sunday sounds
  16. Open eyes
  17. Crimson
  18. Pre-crimson
  19. Vocoder ba ba
  20. Radiation
  21. Beautiful machine 1-2
  22. Beautiful machine 3-4
  23. My pretend
  24. Non-Pythagorean composition 3

Gesamtspielzeit: 52:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
U.R.ban
2009-07-29 20:47:43 Uhr
Auch wenn die Apples sich ja schon manchmal scharf an der Grenze des Unerträglichen bewegen, ich höre sie immer wieder gern, die Produktion ist einfach ausgezeichnet und gerade im Sommer gibts kaum was feineres als diesen gewissen Eiswerbung-Sound...
Ich sag ma so:
1. New Magnetic Wonder 8/10
2. Velocity In Sound (auch wenn so kurz) 8/10
3. Fun Trick Noisemaker 8/10
4. Her Wallpaper Reverie 7/10
5. Tone Soul Evolution 7/10

Neues Album soll übrigens Anfang nächsten Jahres erscheinen, laut wikipedia mit frühsiebziger RnB-Einflüssen, klingt spannend...
dr. note
2007-03-12 08:06:18 Uhr
Ich leg's auch immer noch gerne auf.
Das Album hat Dauerbrennerqualitäten. Nutzt sich irgendwie nicht so schnell ab und klingt (trotzdem) verdammt "catchy".
U.R.ban
2007-03-11 20:45:09 Uhr
Muss sagen ich höre das Album regelmäßigst und die geniale Produktion von Robert Schneider entwickelt sich immer weiter. Und mit Open Eyes steht der Partysong des Jahres schon fest, egal was noch kommen mag.
Nachdrückliche Empfehlung an alle, die komplizierte und doch eintönige und immer wieder psychedelische Pop-Rockmusik zu schätzen wissen.
U.R.ban
2007-02-15 22:30:20 Uhr
Ich würde sagen, vom Informationsgehalt steht die Rezi dem Thread hier in nichts nach, nur die Punktzahl hackt a bisserl^^
knaTTerton
2007-02-15 20:28:20 Uhr
scheiss tabbed browsing, das gehörte hier nicht rein.
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