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The Kingdom - K1

The Kingdom- K1

Arena Rock / Cargo
VÖ: 16.02.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Um die Wette

Die morgendliche Standardfahrt zum Bäcker erweist sich als Glücksgriff. Wen erblickt man mit müden Augen in der Eingangstür? Stephen Malkmus, der gerade seine Baguettestange hinaus trägt und mit der gesamten Brigade von Spoon von dannen zieht. Ob die wohl noch Zeit haben für einen kleinen Plausch? Aber nein, das wird wohl nichts mehr. Die Zeit drängt, und die reparierte Brille wartet auch noch - beim überfüllten Optiker. Und wieder lässt der Zufall die widrigen Umstände vergessen. Sind das nicht Colin Meloy (The Decemberists) und Hutch Harris (The Thermals), die dort die neusten Kreationen von Hornbrillen begutachten? Der Blick auf die Uhr verhindert auch hier eine schnelle Konversation. Rein ins Auto, die Maloche ruft, der Chef zählt die Minuten. Ein Ärgernis nur, dass an der nächsten Ampel M. Ward und The Shins die Weiterfahrt verhindern. Was machen die Verrückten da auf der Straße? Hupen, weiterfahren, geschafft.

Alles nur ein wünschenswertes Phantasiegebilde? Nein. Denn es gibt sie wirklich, die Stadt, in der sich die kleinen Stars und matt glänzenden Sternchen des Indie-Undergrounds in Massen tummeln: Portland/Oregon. Da aber die Welle der Szenenbegeisterung nur sehr langsam zu uns herüberschwappt, kennt verständlicherweise niemand die lokalen Lieblinge von The Kingdom. Frontmann und Songwriter Charles Westmoreland hat mit seinen einzigartigen vokalen Fähigkeiten, die zwischen Neil Young und Boy George anzusiedeln sind, noch keine europäische Fensterscheibe zum Bersten gebracht. Mit "K1" beschert uns die fünfköpfige Band ihr Debüt, das sich ohne Zweifel in die absurden und sonderbaren Konzeptalben diverser psychiatrischer Fälle aus einer liebenswert beknackten LoFi-Welt einreiht (The Olivia Tremor Control, The Apples In Stereo, Of Montreal, Neutral Milk Hotel). Nur, dass The Kingdom das Chaos außen vor lassen und sich etwas mit etwas mehr Hang zur Perfektion an die Arbeit gemacht haben.

"K1" bebildert auf sehr romantische, leidenschaftliche Art und Weise das aktive Leben dreier Wettläufer, die zu Land (Motorrad), auf Schnee (Schneemobil) und in der Luft (Flugzeug) ihre riskante Arbeit verrichten. In den kurzen elf Songs, die in 25 Minuten über die Bühne brettern, ist der Blick des Songwriters weniger auf Erfolg und Niederlage gerichtet, sondern mehr auf naturverbundene Momentaufnahmen im Laufe der unscheinbaren Wettkämpfe. So absurd das klingen mag, The Kingdom schaffen es in ihrer lyrischen Hingabe, auch dieses eher untypische Thema für den Hörer plausibel zu machen. Dagegen spannt sich der musikalische Bogen nicht allzu gewaltig und hält sich mit gegebener Sicherheit an das hiesige Erfolgrezept: Nach vorne preschender Postpunk, angereichert mit schweren Hooklines, machen den Braten fett. Ruhende und quietschende Keyboardsounds lassen bittersüßen Pop mit einfließen. Hier und da kommen gemietete Violinensalven zum Einsatz, die mal mehr ("Driver") und mal weniger ("Motorcycling") die kleinen Hymnen in ihrer Opulenz stützen. Dieses Album wird Portland nicht bekannter machen. Für den kurzen großen Spaß, den man immer mal wieder zur Zerstreuung aus dem Plattenregal hervorzieht, ist "K1" geradezu prädestiniert. Und wer wollte nicht schon immer mal die wirklich wahrste Wahrheit über den Rennfahrersport erfahren?

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Driver
  • Higher
  • Pilot

Tracklist

  1. Driver
  2. Love is my nation
  3. Polaris
  4. Motorcading
  5. Motorcycling
  6. Racer
  7. Die all over me
  8. All I see is the sun
  9. Higher
  10. Holds hands with giants
  11. Pilot

Gesamtspielzeit: 25:11 min.

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