Hella - There's no 666 in outer space

Hella- There's no 666 in outer space

Ipecac / Southern / Soulfood
VÖ: 16.02.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gestatten: Zeter und Mordio

Hella, die alten Spacken des Mathrock, gibt's jetzt also auch von Ipecac. Und: Das Duo Infernale Zach Hill und Spencer Seim hat Zuwachs bekommen. Eine zweite Gitarre ist nun ebenso an Bord wie Bass und Gesang. Hella sind jetzt also eine "richtige" "Band". Und als solche husten sie jeder Erwartung kräftig was, die damit verbunden sein könnte.

Gleich zu Beginn erzeugt "World series" guten unterschwelligen Druck. Zach Hill rast mit dem Raketenmoped durchs Studio und haut auf seine Snare, wenn er zufällig an ihr vorbeikommt. Seim und der Rest der Posse behält ihn dabei genau im Auge. Man trifft sich zum Abklatschen im Mittelkreis. Irgendwann geht dann das Strobolicht an, alles windet sich in Zuckungen und spuckt auf die Instrumente des Nebenmanns. Ganz prima soweit, ebenso Hör- wie Augenweide. Auch "Let your heavies out" schaukelt sich sehr behände nach vorne, im Hintergrund hyperventiliert ein in mikroskopische Splitter aufgelöstes Surfpunkriff, der Refrain (!) gibt sich gar postgrungig. Später bringen "Dull fangs" und "Soundtrack to insecurity" noch einmal alle Kräfte auf, um das neue Bandkonzept zu frischen Ufern zu treiben. Insgesamt aber war es das beinahe schon mit der hellaschen Herrlichkeit. Denn zu viel geht in einem musikalischen Schlachtfeld aus gegenseitiger Kampfbereitschaft unter. Es verliert ein ums andere Mal ausgerechnet der Hella-Nukleus, der zwar nach wie vor macht und tut, sich letztlich aber weder durchsetzen kann noch eingliedern will.

Woran liegt es nun aber, dass man vor allem Sänger Aaron Ross ein markiges "Hau ab jetzt! Ja, wirst Du wohl? Ich hau Dir ..." zurufen will? Schlicht an der Tatsache, dass er wirklich nie die Klappe hält. Kaum zwei Takte werden durchgehalten und schon hat er wieder irgendwas. Darunter hört man Hill und Seim ackern, schwitzen und ihr Valium verweigern, hört die sich langsam aus dem Getümmel herausschälenden Riffs und Melodiesprengsel, die sie nach wie vor auf der heißen Pfanne haben. Aber stets und ständig prustet und tiriliert dieses punkproggig gemeinte Organ alles in Grund und Boden. Und kommt selber nicht mehr runter. Sitzt den Songs meistenteils irgendwo rechts über der Schulter wie ein von spastischen Detonationen geschütteltes Teufelchen, das seine Ansagen circa 666-mal pro Song und per Megaphon direkt in das Trommelfell des Halt-und-Hilfe-Suchenden kräht. Und das ist der Mätzchen auf Dauer definitiv zu viel.

Im Ergebnis steht dann tatsächlich eine bis in den letzten Doublebassschlag kaputt getretene Version von Muse da. Ob die musikalische Welt das braucht, wäre diskutierbar. Bis auf einige Ausnahmen sind Hella aber nicht diejenigen, die es einem plausibel verkaufen können. Es bleibt die Erkenntnis, dass sie auch im neuen Outfit nichts anderes tun als ihr eigenes Ding. Ihre Ideen bleiben absolut spinnert, gehen im Ergebnis mal mehr, mal weniger gut. Auf "There's no 666 in outer space" hält es sich gerade noch die Waage. Im Vergleich zu früheren Großtaten bedeutet das allerdings trotz all der Aufgeregtheit den simplen Durchschnitt. Und darauf hatten sie es bestimmt gerade nicht abgesehen. Doch der Teufel, er steckt eben auch in diesem Detail.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • World series
  • Let your heavies out
  • Dull fangs

Tracklist

  1. World series
  2. Let your heavies out
  3. Ungrateful dead
  4. Friends don't let friends win
  5. Things that people do when they think no ones looking
  6. Hand that rocks the cradle
  7. 2012 and countless
  8. Anarchists just wanna have fun
  9. Dull fangs
  10. Soundtrack to insecurity
  11. There's no 666 in outer space

Gesamtspielzeit: 59:59 min.

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