SR-71 - Now you see inside

SR-71- Now you see inside

RCA / BMG
VÖ: 19.03.2001

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hart an der Grenze

Den Luxus eines eigenen Gesichts kann sich bei der inflationären Schwemme von Fun-Punk-Bands heutzutage wahrlich nicht mehr jede Band leisten. Und wie hieß diese hier noch gleich? Blink 182? Eve 6? Auf den ersten Eindruck hin unterscheidet SR-71 tatsächlich wenig von allen anderen Spaßvögeln der zahlreichen Art. Zu sehr ähnelt die erste Single "Right now" den erfolgreichen Gassenhauern von Blink 182, und zu gering scheint der Wiedererkennungswert der vier Herren mit dem sterilen Lächeln, für das jede Zahnarztfrau ihr letztes Perlweiß-Döschen geben würde. Daß der Ohrwurm "Right now" ausgerechnet als Titelsong für einen Film mit dem sinnigen deutschen Titel "Ey Mann, wo is' mein Auto?" herhalten muß, läßt die Zweifel an der Substanz von SR-71 nicht gerade geringer werden.

Auf ein Funpunk-Album, das arm an Sinn und reich an Spaß ist, hofft man dennoch vergeblich. Auf "Now you see inside" kommen stattdessen zu Blink 182 weitere Zahlendreher wie Matchbox Twenty und Nine Days ins Spiel, denn im Kern spielen SR-71 College-Rock der konventionellen Art. Erfreulich mutet in diesem Zusammenhang an, daß SR-71 ihre Angel häufig in fremde Teiche auswerfen, jedoch ziehen sie dabei meist nur schimmelnde, jahrzentealte Stiefel anstatt dicken Fischen an Land. An Weicheier wie Savage Garden erinnernde Schmachtfetzen wie "Empty spaces" mögen in Maßen dosiert ja noch in Ordnung gehen. Wenn jedoch Songs wie "Alive" oder "What a mess", bei dem man minutenlang vergeblich auf den zunächst angetäuschten Ausbruch wartet, entweder Bon Jovi oder aber gar die ersten College-Rock-Gehversuche der Moffats ins Gedächntis rufen, bewegen sich SR-71 endgültig jenseits von Gut und Böse. Angenommen, der selige Freddie Mercury würde an der Stätte seiner ewigen Ruhe den Refrain von "Fame (What she's wanting)" zu Hören bekommen - er würde vermutlich im Grabe rotieren wie ein Brummkreisel.

Während die "Kids in America" es mit der Authentizität bekanntlich nicht so genau nehmen, werden es SR-71 hierzulande weitaus schwerer haben. Denn wer nimmt Frontbubi Mitch Allan mit diesem seichten Blick auf dem Cover allen Ernstes den Teufelsgruß ab? Wenn die vermeintlichen Bad Boys durchaus intelligente und zynische Texte wie "Politically correct" oder "Paul McCartney" in Klanggewänder betten, die den Biß einer Zahnprothese im Wasserglas haben, bleibt auch der letzte Anflug von Glaubwürdigkeit auf der Strecke. Vielseitigkeit reimt sich in diesem Fall noch lange nicht auf Qualität, und so wird man sich nach dem durch "Now you see inside" gewonnenen Blick ins Innere des SR-71-Kosmos wohl schleuningst wieder der bei weitem vielversprechenderen Außenwelt zuwenden.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Right now
  • Empty spaces

Tracklist

  1. Politically correct
  2. Right now
  3. What a mess
  4. Last man on the moon
  5. Empty spaces
  6. Another night alone
  7. Alive
  8. Fame (What she's wanting)
  9. Go away
  10. Non-toxic
  11. Paul McCartney

Gesamtspielzeit: 42:23 min.

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