The End - Elementary

The End- Elementary

Relapse / SPV
VÖ: 09.02.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Weltrekordversuch

Weiß jemand, bei wie vielen Metern der derzeitige Weltrekord im Weitsprung liegt? Mike Powell hat doch irgendwann einmal Anfang der Neunziger so ein paar läppische 8,95 Meter vorgelegt, oder? Irgendwo da drüben in Japan oder so was. Hat das noch Bestand? Bestimmt. Aber seitdem, also seit sage und schreibe über 15 Jahren, soll kein Mensch über diese Marke gehüft sein!? Schwach! Kann doch eigentlich gar nicht sein. Also wenn da mal nicht Doping im Spiel war bei dem jungen Mann damals.

Ganz ohne Doping - naja, fast ohne Doping, wenn wir Bier mal außen vorlassen - versuchen sich nun ein paar andere junge Herren an diesem Meilenstein der Sportgeschichte. Geprobt und trainiert wurde in den letzten Jahren fleißig. In Kanada und den USA wurde so ziemlich alles abgeklappert. Und auch das Trainingslager mit Between The Buried And Me und A Life Once Lost hat den Muckies sichtlich gut getan und deutliche Spuren in Sachen Selbstvertrauen und Klang hinterlassen. "Transfer trachea reverberations from point: false omniscient" schlug bei guten 8,10 Meter ein. Ein Raunen ging durch das Stadion für diesen beachtlichen ersten Sprung. "Within dividia" setzte noch einen drauf. 8,43 Meter! Inklusive 35 Minuten Jubelgegrunze durchweg und grindiger Vollfreude. Trotzdem reihten sich The End in der Rangliste nur hinter The Dillinger Escape Plan ein.

Aber nun erst geht es an die Entscheidung. Sprung Nummer drei entscheidet alles. Jetzt gilt es zu zeigen, wer am meisten drauf hat. Norma Jean haben das Ding schon mit "Redeemer" in die Sandgrube gesetzt, und auch Burst waren zwar gut, aber etwas behäbig. Es gilt sich aufzupushen, weil die Chancen gut stehen. "Dangerous" ist namentlich eher den Konkurrenten gewidmet. Als fieser und einschüchternder "Haltet die Fresse, wir gewinnen eh!"-Hassbrocken sozusagen. Der Puls ist bei 180. Also noch einmal kurz in sich kehren, konzentrieren und alles genau durchgehen. "The never aftermath" ist sachte, fast leise und leitet mit den symptomatischen Worten "Let's go!" den Refrain ein, den man sich auch prima zum Abholen der eigenen Goldmedaille vorstellen könnte. Wenn sich dann alle von ihren Sitzen erheben und in Ehrfurcht erstarren förmlich.

Ab genug geträumt, der Wettkampf ruft. "Animal" bläst ebenso strikt und exakt nach vorne, wie man beim Weitsprung einfach angestochen wie ein Schwein in Richtung Sandgrube rasen muss. Highspeed, aber nie ausufernd und geschmeidig im Refrain, wie die langen und konzentrierten Schritte beim Anlauf. Der Absprung sitzt auf den Millimeter punktgenau, und nun gibt es kein zurück mehr. Man fliegt zu dem fast ambienten "The moth and i" vor zweimal 85.000 Augen im Stadion und alles zieht in Slowmotion noch einmal an einem vorbei. Man hat es im Gefühl: Das Ding wird gut. "Throwing stones" steigert die Vorfreude und erinnert irgendwie an ältere Tool. "My abyss" ist danach der harte, aber erleichternde Aufprall im gelben Sand. Man weiß, der ging mächtig weit. Der Traum vom Fliegen ist aber vorbei. Willkommen in der Realität. "Awake?" lässt erst das Herz vor Spannung pochen, steigert sich immer mehr und knüppelt los. Der Vorfreudentanz für die harten Siegertypen.

Die Augen richten sich von nun an nur auf die Anzeigetafel, und die ganzen jubelnden Massen erklingen in "A fell wind" nur wie Sunn0)))-Geschnurre, das einen noch mehr vernebelt. "In distress" hat dann alles, was eine Siegerehrung haben muss: Geschrei, Überranntwerden, Innehalten und treibende Rhythmik ohne große Worte. Jahre später wird man dann auf das Jahr 2007 zurückblicken, zu der anmutend melancholischen Mammutballade "And always ..." schwelgen und alles nochmals Revue passieren lassen: die gnadenlose Steigerung gegenüber Sprung Nummer zwei. The Dillinger Escape Plan zu Silber verwiesen. Nicht zu den Meistern aller Klassen, aber ihrer Klasse emporgeschwungen. Und überhaupt: 9,02 Meter durchgerockt.

(Christoph Schwarze)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The never ever aftermath
  • The moth and I
  • In distress

Tracklist

  1. Dangerous
  2. The never ever aftermath
  3. Animal
  4. The moth and I
  5. Throwing stones
  6. My abyss
  7. Awake?
  8. A fell wind
  9. In distress
  10. And always ...

Gesamtspielzeit: 51:08 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
toolshed
2007-10-28 01:27:05 Uhr
Wieso sollte man sie überhaupt irgendwo zuordnen? Das mit den Referenzen stimmt aber schon die hätte man bei "Transfer Trachea Reverberations.." oder bei "Within Dividia" bringen können aber nicht bei "Elementary" die Platte ist nämlich schon wirklich eine ganz eigene Liga. Hach ja. =)
Dorian
2007-10-28 01:18:21 Uhr
ich habe auch keine ahnung, wo ich das einordnen soll, die genannten refernezbands höre ich auch eigentlich nicht, aber es gefällt mir sehr.
toolshed
2007-10-28 01:06:38 Uhr
Kennen wir doch schon längst, sollten "wir" zumindest. ;)

Wirklich was ganz, ganz tolles.
Dorian
2007-10-28 00:55:47 Uhr
Hört euch dieses Album an.

Ihr werdet es nicht bereuen.
Luke_sein_Vater
2007-03-01 19:14:19 Uhr
Ganz großes Kino
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify