Jamie T - Panic prevention

Jamie T- Panic prevention

Virgin / Labels / EMI
VÖ: 02.02.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

T is for ...

Eine Prophezeiung: Jamie T wird der nächste britische Volksheld. Wenn er es nicht schon ist. Diesem 20-jährigen aus dem Londoner Edel-Vorort Wimbledon wird das Jahr 2007 gehören. Und die britische Jugend. In einem bahnbrechenden Triumphzug wird er Club für Club zum Bersten bringen, während seine Gefolgschaft ins Unermessliche wachsen wird. So steht es geschrieben. So wird es sein. Ihr glaubt uns noch immer nicht? Dann eben so: "Panic prevention" ist die Bibel einer Jugend, die nicht weiß wohin, die nicht weiß woher, und am schlimmsten: die nicht weiß wozu. Eine Jugend, die von Perspektivlosigkeit gezeichnet ist. Eine Jugend, die Angst hat, auf der Verliererseite der Globalisierung zu stehen. Von Vorort zu Vorort das gleiche traurige Bild. Tristesse, mit der manche nicht zurechtkommen und stattdessen ihren Schmerz mit Drogen betäuben. Andere gründen eine Band, und diese halbgaren Resultate werden uns quasi wöchentlich präsentiert.

Jamie T widmet sein erstes Album genau diesen Menschen. Denn er ist einer von ihnen und weiß, wie sie fühlen. Redet ihnen gut zu und sagt: "Calm down dearest", der vermutlich entspannteste Song, den Mike Skinner nie hinbekommen hat. Jamie T rappt, singt, krächzt, raucht, pöbelt und manchmal alles gleichzeitig. So vielfarbig und durchgemischt wie die britische Mittelschicht, schmeißt er Reggae mit Punk in einen Topf, toastet sich die Reime nur so aus der Hüfte und markiert im nächsten Moment wieder den Joe Strummer. Der sich mit Morrissey und Paul Weller ein Tütchen reinpfeift. Es ist fast beängstigend. Woher kennt dieser junge Kerl soviel Musik? Mangels adäquater Deutschkenntnisse ist er wohl keiner unserer Leser. Bleibt einem also nicht anderes übrig als nicht ganz frei von Neid zuzugeben: Der Typ hat einen Musikhistoriker gefrühstückt. Und ist dafür ganz besonders früh aufgestanden.

In "Back in the game" beweist er sogar, dass er auch ganz ohne unnötigen Schnickschnack (Bass, Schlagzeug und so) und nur mit einer verstimmten Klampfe ausgestattet, Songs schreiben kann, für die andere Songwriter ihre Gitarre hergeben würden. In "Operation" macht er dann direkt im Anschluss den verrücktesten Diskopop, den man sich am besten wie eine Melange aus Gang Of Four und Prince vorstellt. Dass derlei Gedanken nicht leicht fallen, ist klar. Aber genau darum geht es ja bei Jamie T. Was leicht wirkt, war in Wirklichkeit ein Haufen Arbeit. Auf eine ganz entspannte Art und Weise. "Ike and Tina" zum Beispiel ist die Bloc-Party-Single, die bislang in den USA für den Durchbruch gefehlt hat, und "Pacemaker" ist jene Art Punk, wie er ausschließlich im 21. Jahrhundert entstanden sein kann. Alles sitzt, nichts zuviel aber auch nichts zu wenig.

Soul, Funk, HipHop, Punk. Quer durch Die Musikgeschichte und wieder zurück. Aufeinander, nebeneinander, durcheinander. Manchmal überhört man fast die blubbernden und zickigen Beats, die meistens irgendwo im Hintergrund mitlaufen und für Zeitlosigkeit sorgen. Man könnte nur so mit Referenzen um sich werfen und läge fast immer falsch, denn hier macht es die Mischung. Dass die Arctic Monkeys zum Beispiel einen Song wie "If you got the money" sicher auch hingekriegt hätten - geschenkt. Und dass eine nücherner Pete Doherty vielleicht genauso gut singen kann wie Jamie ist dann auch egal. Im Gegensatz zu Mr. Doherty ist Jamie nämlich ein waschechtes Vorbild. Und streiten wir uns nicht über die songschreiberischen Fähigkeiten von Doherty, die von Jamie sind jedenfalls exorbitant und brauchen den Vergleich mit irgendeiner britischen Größe nicht zu scheuen. T is for talent.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Calm down dearest
  • So lonely was the ballad
  • Operation
  • Ike and Tina

Tracklist

  1. Brand new bass guitar
  2. Salvador
  3. Calm down dearest
  4. So lonely was the ballad
  5. Back in the game
  6. Operation
  7. Sheila
  8. Pacemaker
  9. Dry off your cheeks
  10. Ike and Tina
  11. If you got the money
  12. Alicia Quays

Gesamtspielzeit: 49:25 min.

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Mixtape

Postings: 1924

Registriert seit 15.05.2013

2016-08-25 12:20:11 Uhr
Immer noch ein göttliches Album. Leider ist er heute ganz weit weg davon.
stativision
2011-05-22 10:58:56 Uhr
so ein album, das man nach dem ersten durchlauf liebt. nur: auf dauer kristallisieren sich nur salvador und calm down als richtig gute songs heraus. der rest: knapp besser als mittelmaß. 7/10
Steve
2008-09-01 19:15:57 Uhr
nach dem 09.01 am 01.09. wieder ein eintrag. wo sind die verschwörungstheoretiker?

vor allem: wann gibts was neues von jamie??
avail
2008-09-01 10:33:39 Uhr
erst jetzt zufällig entdeckt und für gut befunden. vor allem pacemaker hat es mir angetan!
ccc
2008-01-09 12:44:16 Uhr
also ich find den jungen mann irgendwie auch recht gut!

mal schauen was seine zukunft noch so bringt.
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