Geschmeido - Auf Wiedersehen

Geschmeido- Auf Wiedersehen

Tapete / Indigo
VÖ: 02.02.2007

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Alles beim Alten

Es ist ja einerseits ein gutes Gefühl zu wissen, dass sich manche Dinge nie ändern werden. Dass auf jeden Winter ein Frühling folgt. Dass man zwischen 7:30 (Wohnung verlassen) und 7:41 (Bus) noch genug Zeit für einen Croissant mit Kaffee hat. Dass die Stadt bleibt, wie sie ist, und mit ihr auch die Menschen. Klar, vor ein paar Jahren war es noch nicht unbedingt an der Tagesordnung, dass jede zweite Frau ihre Jeans in die Stiefel gestopft hat. Aber die Füße waren damals schon die selben. Dinge werden anders, aber die Essenz verändert sich nie. Der Stammfrisör bekommt langsam Geheimratsecken, schneidet aber deshalb nicht weniger gut. "Mach so wie immer." Klar, man mag es, wenn man weiß, wie die Dinge laufen. Keiner mag es, etwas zu verlegen. Alles an seinem Platz und in gewohnter Ordnung. So lässt es sich aushalten. Sehen Geschmeido mit Sicherheit auch so. Nur: Was lange und kontinuierlich währt, wird deshalb trotzdem nicht automatisch gut.

Geschmeido sind nun beim dritten Album angekommen und klingen trotzdem kein bißchen anders. So, als hätten wir es noch immer mit dem Debüt zu tun. Nur dass die Songs anders heißen, gegenüber den ordentlichen Vorgängern deutlich an Substanz und Klasse verloren haben und erschreckend dünn geraten sind. Da können die vier Freiburger noch so viel Makeup aus dem Keyboard pressen. Und würde Sänger Philippe Frowein mal die bekloppten Poesialbumsprüche stecken lassen ("Du hast gelacht / Wie ein Verkehrsschild in der Nacht"), wüsste man nicht genau, ob man es nun mit der musikalischen Untermalung für einen Lehrfilm von Airbus zu tun hat oder dem Score eines ungarischen Pornos aus den Achtzigern. "Die Stadt als Aufzug" hat einen kryptischen Text, eine erträgliche Gitarre erinnert daran, dass man es mit Pop- und nicht mit obengenannter Zweckmusik zu tun hat. Für Geschmeido-Verhältnisse ganz anständig. Aber dann packen sie die digitalen Streicher aus und machen wieder alles kaputt. Ist das da im Hintergrund Regen? Oder hat jemand auf das Tonmaterial gepinkelt?

Dabei kann man dem Quartett nicht attestieren, wirklich schlecht zu sein. Keineswegs, jeder der zwölf Songs erfüllt seinen Zweck und frisst dabei knappe dreieinhalb Minuten der Lebenszeit des Zuhörers. Und wenn man es mal nicht so eng sieht, ist das doch mehr oder weniger die Aufgabe eines solchen Machwerks: den Menschen irgendwie zu beschäftigen. Selbst wenn Geschmeido anfangen, wie eine Art Kraftwerk aus dem Glücksbärchiland zu klingen ("Auf Wiedersehen"), kann man es ihnen nicht so recht übel nehmen. Denn von allen Glücksbärchi-Kraftwerk-Cover-Bands hat man Geschmeido noch immer am liebsten. "Rosalie" hat die Seele eines Pilcher-Romans und beweist zwei Dinge: erstens, dass Anajo doch nicht ganz so leicht zu covern sind, wie sie klingen, und zweitens, daß es nicht immer ratsam ist, ohne Grund einfach mal auf Englisch loszusingen. "Möwen (als Deko)" ist noch ein echter Zappelbuden-Burner, bietet aber maximal die passende Gelegenheit kurz auf Toilette oder für ein neues Bier an die Bar zu gehen. Man kennt doch diese Leute, die im Wald mit ihren Wünschelruten nach Wasser suchen und dann auch noch fündig werden. Geschmeido haben das auch drauf. Nur mit Fettnäpfchen.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

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Tracklist

  1. Kalt kalt kalt
  2. Schutzhaft
  3. Im schweren Seegang
  4. Möwen (als Deko)
  5. Die Stadt als Aufzug
  6. Auf Wiedersehen
  7. Dein Schiff kehrt heim
  8. Rosalie
  9. Ein Stück zu weit
  10. Was uns gehört
  11. Sag mir wir schlafen nie
  12. Glitter (Goodbye)

Gesamtspielzeit: 50:57 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Uranus
2017-10-09 10:08:48 Uhr
Die Platte "Auf Wiedersehen" von Geschmeido ist ein verkanntes Meisterwerk!
Konsum
2007-05-25 13:34:27 Uhr
Bestimmt einer der bescheuertsten Bandnamen ever.
Tinchen
2007-05-20 21:38:41 Uhr
Hey, nix gegen Geschmeido.
Hab sie heute bei nem Auftritt gesehen und die machen echt gute Musik!!!
Okay, der Name isn bissl strange, aba sie sind echt cool
MfG
milchmöwe
2007-02-08 13:31:05 Uhr
würg, würg ....hoffentlich bleibts drin
Pascal
2007-02-08 10:53:46 Uhr
Scheiss auf Namen.
Beste Platte des bisher jungen Jahres!!!
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