Kitty Solaris - Future air hostess

Kitty Solaris- Future air hostess

Solaris Empire / Broken Silence
VÖ: 19.01.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

No adventures in lo-fi

Pünktlich zum eingestellten Weckalarm springt die CD an. Eine Weile später, nach dem Öffnen der Äuglein findet man sich auf einer kleinen Frühlingswiese wieder: Der Flieder blüht, Lavendel liegt in der Luft, eine schwache Brise weht von der Spree herüber und streicht uns durchs Haar. Die Sonne kitzelt auf der Haut, und ein kleiner Schauer durchfährt den Körper. Das Brummen der Automotoren wird von den alten Eichen fast verschluckt, doch er ist da, ein sonorer Soundtrack, der einen daran erinnert, dass um einen herum Leben ist. So schön die Morgenmüdigkeit auch sein mag, so sehr sie dich auch einlullt - das Leben treibt dich auf die Beine. Mit einem Gähnen machst du dich auf den Weg zu den alltäglichen Muntermachern. Im Hintergrund brodelt und vibriert die Kaffeemaschine. Keine Milch im Haus, dafür Zigaretten. Das Existenzialistenfrühstück steht bereit. Aus der Anlage tönt das Album von Kitty Solaris, und ein Blick aus dem Fenster offenbart dir eine Metropole, die heute angefangen hat sich ohne dich zu bewegen.

Die Berliner mal wieder. Engelköpfige Hippies würde Allen Ginsberg sie nennen. Engelköpfige Hippies, die die sich nach der Verbindung zum sternensprühenden Dynamo in der Maschinerie der Nacht verzehren. Und dabei den Tag vergessen oder einfach verschlafen. Verlorenheit, Fremde und Sinnsuche. Eine Klaviatur aus Abermillionen Tasten, auf der es so schwer ist, eine Melodie zu spielen. Berliner hingegen nehmen ihre Stadt mit einer stoischen Gelassenheit wahr, mit einer gewissen Selbstironie. Sie mag überbewertet sein. Doch man kommt nicht vorbei an diesem Monster von Stadt. Überrumpelt wird man immer dann, wenn so herzerwärmend, melancholische Platten wie "Future air hostess" aus dem dem Zentrum der Schlaflosigkeit den Hörnerv beglücken.

Herrlich unaufgeregt, ohne sich anzubiedern, mit einer wunderbar einfachen dabei aber sehr einfühlsamen Stimme kommt Frontfrau Kirsten Hahn mit Schlagzeuger Steffen Schlosser daher. Zusammen sind sie Kitty Solaris. Der Name klingt eher nach Science Fiction, nach Raumstationen, die auf den Blauen Planeten glotzen und in gurrenden Tonfolgen ihre Daten auf die Erde funken. Doch falsch gedacht. Avantgarde ist hier weit entfernt. Hier wird kein interstellares Elektronentheater veranstaltet. "Future air hostess" ist Melancholie in Reinform. Pure Emotion ohne großes Tamtam (obwohl dies stellenweise angebracht wäre). Oft zart verspielt, manchmal rockig, immer in entspannter K's-Choice- und Heather-Nova-Manier erzählen die Songs kleine, befindlichkeitsfixierte Geschichten zwischen Türschwelle, Autobahn und Flughafen.

"Change something" gibt einen guten Einstand und macht Lust auf mehr. Die E-Gitarre kratzt in "I can post" und "You have to shave Mister" an deren Geschmeidigkeit und gestaltet so einen netten Kontrast. "Shake it baby" ist eine göttliche Aimee-Mann-Hommage und lässt jede Bewegung erstarren. Man lauscht wie ein kleines Kind dem zuckersüßen Zusammenspiel von Stimme, Keyboard und dem minimalistischen Schlagzeug. Schade nur, dass sich "Future air hostess" im Gesamtbild als so unaufdringlich gestaltet, dass einem die Stille nach dem Ende der Platte erst einmal gar nicht auffällt.

(Steffen Meyer)

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Highlights

  • Change something
  • Shake it baby

Tracklist

  1. Change something
  2. Fighter for diversity
  3. Ican post
  4. Future air hostess
  5. Lost in translation
  6. Cooler
  7. You have to shave Mister
  8. Shake it baby
  9. The day you are leaving
  10. Changing Cards
  11. Tomorrow
  12. Winterday

Gesamtspielzeit: 38:45 min.

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