Cold War Kids - Robbers & cowards

Cold War Kids- Robbers & cowards

Downtown / V2 / Rough Trade
VÖ: 02.02.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Krankenhausreif

Keine hundert Jahre sind sie zusammen mal wieder alt, munkelt man. Grün bis hinter beide Ohren, zu bis oben hin sowieso. Die Jungs, über die Dein arbeitsloser Cousin bloggt, angesagt wie die Nachrichten. Und doch - es sind die Geier, die jetzt schon über ihnen kreisen. Irgendwas scheint nicht zu stimmen mit denen, irgendwie wirkt ihr Album wie aus dem Tritt gekommen. Aber auf die gute Art natürlich, keine Sorge. Ein Blues-Klavier, im Fallen mit der Faust getroffen. Ein Gitarrensolo, wie ohne hinzugucken vom Griffbrett gefallen. "We used to vacation", so hört sich das an. Schon erstaunlich, was heute alles Hit wird. Schon bemerkenswert, dass ausgerechnet diese Band gerade groß wächst. Cold War Kids, Kalifornien. Ja, was denken sie denn?

Es gibt da natürlich klare Parallelen zu Clap Your Hands Say Yeah und The Arcade Fire, zu all den jungen Menschen, die dem Internet ähnlich viel verdanken, wie diese YouTube-Cheech-und-Chongs. Wer es aberheute noch mal offline schafft und sich etwas Zeit nimmt für "Robbers & cowards", muss eigentlich schnell merken, dass die Gemeinsamkeiten dort enden, wo die Telekom den Stecker zieht. Mit eigenem Kopf wird hier inszeniert, mit Klavier vor allem auch, und unter der Aufsicht eines hysterisch gockelnden Sängers, den man am liebsten irgendwo einliefern würde. "I promised to my wife and childern / I'd never touch another drink as long as I live", so legt der los, um die Sache mit seinem alkoholkranken Vater doch noch zu verarbeiten. Doch er kommt aber bald schon zur Besinnung, zurück in die Gegenwart. Ein Glück. Es ist nämlich keine Sache in trockenen Tüchern, dieses Album.

Stattdessen durchdrehen, allenthalben. Nathan Willett, der mit der Stimme aus Tabasco, geht da immer wieder vorne weg, singt in "Tell me in the morning" seelenunruhig am Refrain vorbei, setzt sich auf alle Nesseln, die er umknicken kann. Die Band dahinter treibt's kaum weniger bunt, baut "Hair down" aus scheinbar beliebigen Einzelteilen zusammen und schmeißt in "Hang me up to dry" sogar ihr geliebtes Klavier aus dem Fenster. Es ist die ständige Unruhe dieser Platte, der Umstand, dass sich immer irgendwas bewegen, um sich selbst drehen muss, der einen ganz wahnsinnig macht. Hat man das erstmal raus, geht es bald schon viel besser mit "Robbers & cowards".

Was auch nicht schadet: Die Platte reißt sich ein bisschen am Riemen nach hinten raus, dünnt gründlicher aus, wird kleinlauter und umgänglicher. Deshalb kriegt man sogar auf Anhieb mit, was da im Todesstrafenlied "Saint John" rappelt und klappert, während eines der Kids versucht, wie ein Soulman zu singen. Die Ruhe von "Pregnant" wiederum - Schellenkranz, Pfeifen, Akustikgitarre, Radiosamples -, die ist natürlich trügerisch. Die besten Cold War Kids sind und bleiben nämlich doch die unerbittlichen Antreiber, die nimmermüden und immer wilden aus "Hospital beds": "We've got no chance of recovery / Sharing hospital / Joy and misery." Das ganze Leben, schon auf der ersten Platte eingefangen. Für die Geier bleibt da nichts mehr zu holen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • We used to vacation
  • Hang me up to dry
  • Saint John
  • Hospital beds

Tracklist

  1. We used to vacation
  2. Hang me up to dry
  3. Tell me in the morning
  4. Hair down
  5. Passing the hat
  6. Saint John
  7. Robbers
  8. Hospital bed
  9. Pregnant
  10. Red wine, success!
  11. God, make up your mind
  12. Rubidoux

Gesamtspielzeit: 52:27 min.

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Bonzo

Postings: 1353

Registriert seit 13.06.2013

2016-03-16 13:51:47 Uhr
Heute durch Zufall mal wieder "Hang me up to dry" gehört. So geil wie der Song damals war, ist er auch heute noch. Muss mir mal wieder das Album anhören.
hal
2008-08-22 12:22:50 Uhr
neues album erscheint übrigens am 19. september! dazugehörende tour im november:
09.11. Brüssel - Ab
10.11. Amsterdam - Paradiso
11.11. Frankfurt - Mousonturm
12.11. Hamburg - Knust
15.11. Berlin - Lido
17.11. Wien - Arena
18.11. München - Atomic Cafe
19.11. Zürich - Abart
Bonzo
2008-08-14 16:51:57 Uhr
Super Sänger, mitreißende Musik, verrückter Haufen. Mindestens 5 Übersongs drauf.
Schönes Album.
Gemini
2007-07-26 01:44:03 Uhr
Nach anfänglicher Faszination für das Teil ist mein Interesse nun im Nachhinein gerade eher etwas abgeflaut. Na ja, einige Songs sind zwar schon ganz OK. Aber ebenso muss ich ihnen bescheinigen, dass speziell dieser oft jaulende Gesangsstil - zumal gekoppelt mit der vorwiegend turbulenten Musik - einem nach einer gewissen Zeit auch schon mal ziemlich auf den Wecker fallen kann, obwohl ich ihn erst auch ganz spannend fand.
napoleon dynamite
2007-07-22 20:17:10 Uhr
grad die stimme find ich so geil :D
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