The Blood Arm - Lie lover lie

The Blood Arm- Lie lover lie

Because / Warner
VÖ: 02.02.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mund zu Mund

Seit sich Neurosen im Popgeschäft als Qualitätsmerkmal etabliert haben, wird der Plattenkauf zur Qual. Wer ist der coolste Macker an der Gitarre? Wer hat all die Girls fest im Griff? Und wer hat den Plattenbestand von anno 1970 mit Haut und Haaren aufgefressen? Bleibt man locker, versucht sich zwischen den Klonen der Klonen hindurchzuwühlen, das Essentielle zu finden, das musikalisch Wertvolle aus dem Meer von Images zu fischen, kann man sich auf eine Sisyphusarbeit einstellen. Die amerikanische Band The Blood Arm gehört der Generation "Klon 2.0" an, hat aber auch mit ihrer eigenen DNA weitreichende Spuren hinterlassen. Im Underground, aber mutmaßlich auch bei dessen Groupies.

Auf "Lie lover lie" werden Zitate der Sechziger, Siebziger und auch Achtziger ans Tageslicht gekarrt, wird ein bisschen Mod-Styling betrieben und werden eingängige Melodien in die Runde geworfen. The Blood Arm, die erklärte Lieblingsband von Franz Ferdinand, haben keinen Bass, dafür schwere Keyboards an Bord, schrammelnde Gitarren verbraten und einen energetischen Frontmann am Mikrophon, der die fiesesten Hooklines des letzten Jahrhunderts mit eigenen Worten umschreibt. Und dennoch wird man an diesem Aufguss der goldenen Zeiten der Plattenverkäufe von einst in diesem Jahr nicht herum kommen.

"Yo, I lay down some fucking hits!" ist das erste, was man von Nathaniel Fregoso vernimmt, bevor ein im Selbstbewusstsein triefendes INXS-Schwergewicht zum Kopfnicken auffordert. Dyan Valdes haut in die Tasten ihres Keyboards, Zebastian Carlisle schrammelt sich in Grund und Boden. "I like all the girls / And all the girls like me", singt Fregoso in "Suspicious character" und hat damit den Basslauf von Queens "Another one bites the dust" zum Singsang geformt. In "Angela" croont Fregoso süffisanter als Adam Green, "Going to Arizona" ist ein ein verliebter Road Trip im Kopf. "Do I have your attention" explodiert zwischen Arroganz und Iggy Pop. Und dass "Mass murder" nicht als Franz-Ferdinand-Single bereits mit Radiowellen flirtete, ist das Pech der Zweitgeborenen.

Und doch ist es unmöglich, diese Wundertüte voll Hits unbeachtet zu lassen. Zu eingängig sind die Songs, zu großspurig das Auftreten. Sei die Affinität zum Zitatverwerten, der Raubklau noch so offensichtlich: Zum Abfeiern spielt all das keine Rolle. Zumal es The Blood Arm tatsächlich noch schaffen, all dem Muff doch irgendwie eine eigene Note zu verleihen. Da kann sich der Kopf zurücklehnen, der Körper zum Rhythmus wackeln. Da spielt man Speicheltennis, vollführt einen Chromosomentanz und reitet drauflos. Und das kann schließlich nur im Sinne des Rock'n'Roll sein.

(Christian Preußer)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Stay put!
  • Suspicious character
  • Going to Arizona
  • Do I have your attention

Tracklist

  1. Stay put!
  2. Accidental soul
  3. Suspicious character
  4. Angela
  5. The chasers
  6. Going to Arizona
  7. Do I have your attention?
  8. Mass murder
  9. Visionaries
  10. P.S. I love you but don't miss you
  11. Dolores delivers a glorious deat

Gesamtspielzeit: 36:40 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
winklerprops
2007-04-27 16:03:44 Uhr
Zu viele Hits ist in diesem Fall durchaus eine mMn angebrachte Feststellung.
Ein großes Album beginnt klein, sprich man kann kaum nen Zugang finden, wird mit jedem mal hören stärker und irgendwann strahlt es dann.
In diesem Fall gehen die Songs viel zu schnell ins Ohr, sind also mit einer äußerst kurzen Lebensdauer behaftet, so was bezeichne ich als "Hits".....
Und davon wimmelt es auf der Platte nur so, ist nichts wirklich überraschendes, für das es sich lohnen würde tiefer zu gehen, "chartkompatible Durchschnittsmucke" nicht mehr und auch nicht weniger (Entschuldigt den Verriss...)

Master
2007-04-23 08:28:11 Uhr
"...ganz einfach zu viele Hits."

Oh, mann. Was für eine Aussage.
Chimera
2007-04-22 15:58:15 Uhr
Ich kannte die vorher gar nicht und hab sie mir mal auf gut Glück live angesehen. Fand die Songs ganz OK, aber die Show an sich war wirklich lässig. Eines der unterhaltsamsten Konzerte die ich je gesehen habe, musste ähnlich oft lachen wie sonst nur bei Olli Schulz oder so.
pommesbude
2007-04-22 15:08:47 Uhr
hab die band diese woche live ertragen müssen. der sänger wird eines tages von seinem ego erschlagen werden. für die kreischenden mädels sympathisch, für mich nur lächerlich.
leKeks
2007-04-22 14:58:47 Uhr
In meinen Augen, sind sie jetzt auch nicht DAS NÄCHSTE DING, aber einige Tanzflächenkracher sind dabei, die man als (Hobby)-DJ doch gerne unters (Bauern)Volk bringt. :-)
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum