Clap Your Hands Say Yeah - Some loud thunder

Clap Your Hands Say Yeah- Some loud thunder

Wichita / Cooperative / Rough Trade
VÖ: 26.01.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Einstürzende Altbauten

Wir wissen, was da auf uns zukommt, aber wollen wir uns dem wirklich entgegenstellen? Nicht doch. Erinnern wir uns an ein hektisches Kreischen und an dieses nervenbeißende Krächzen aus voller Kehle, das vor nicht allzu langer Zeit seinen debütierenden Schrecken zum Besten gab. Alec Ounsworth’ Stimme ist nicht von dieser Welt. Oder ist sie es doch und hat seit dem Stimmbruch das Problem, aus dieser leidigen Phase einfach nicht heraus zu kommen? Wir wissen es nicht wirklich, aber kein Genöle war so ekstatisch und beherzt, so kräftezehrend wie das des Frontmannes unserer Lieblinge aus Brooklyn: Clap Your Hands Say Yeah. Selbst die schwerwiegenden Couchkartoffeln ließen ihren Popos freien Lauf, und die schlaffe Beinmuskulatur war auch endlich mal wieder angespannt.

Um eines vorweg zu nehmen: Eine Schönheitsoperation der Stimmbänder hat es für den Nachfolger nicht gegeben. So sollten sich alle Hoffenden doch jetzt schon mal aus dieser Lesereise verabschieden. "Some loud thunder" macht in mancher Hinsicht dort weiter, wo "Clap Your Hands Say Yeah" aufgehört hat. Man verzichtet in großer Geste und idealistischer Beständigkeit ein weiteres Mal auf die Unterstützung einer großen Plattenfirma. Trotz dieser eisernen Haltung: Mit Produzent Dave Fridmann (Mercury Rev, The Flaming Lips) wollte man sich wenigstens ein kleines Geschenk für die neuen Bemühungen machen. Denn der unerwartete Erfolg des selbstbetitelten Debüts brachte der Band so einige an grüngefleckten, mit toten Präsidenten geschmückte Lorbeeren ein. Heißt aber nicht, dass "Some loud thunder" auf wohlgeformten Bahnen seine Runden dreht. Denn wie der Titel schon sagt, rumpelt es hier deftig und heftig im Karton. Nur ein wenig anders als gewohnt.

Gleich der startende Titelsong setzt sich ungeduldig und hibbelig in Szene und rotzt und bratzt mit Nachdruck. Ounsworths Stimme scheint aus den oben genannten Sicherheitsgründen aus einer Telefonzelle zu kommen. Aber auch der schalldämpfende Raum kann diese Gewalten nicht bändigen. Disharmonische Chöre und gegen die Wand laufende Gitarren, die leichtfertig das Ziel von harmonischer Erfüllung ankündigen und doch ganz anderes im Auge haben, bereiten einen fabelhaften Einstieg. Schwere Kost aus bestem Hause. Der treibende Popsong "Emily Jean Stock" und die eklektische Effektmaschinerie "Mama, won’t you keep them castles in the air and burning?" entlassen Ounsworth aus seinem Käfig, und man kommt schon früh in den Genuss, das Grundkonzept von "Some loud thunder" zu entlarven: Clap Your Hands Say Yeah tanzen immer noch auf einem weitflächigen Experimentierfeld mit eingeschränkten Möglichkeiten. Aber etwas mehr Feingefühl ist der Band doch in die Glieder gefahren. Auch wenn es grobkörniger und herber klingen mag und damit die infantilen Spielereien des Vorgängers abgelegt wurden: Die manischen Auflösungserscheinungen werden für dieses Mal gewissenhaft an der Leine gehalten. Ausbrüche in kleinen, wohldosierten Prisen.

Intelligent ausgearbeitete Songs wie "Underwater (You and me)" oder "Love song No. 7" zeigen, dass die Band ihren filigranen Energien etwas mehr entgegen tritt. Leider sind diese Bemühungen nicht immer von Erfolg gekrönt. "Yankee go home" liebäugelt zu sehr mit einem konservativ rockistischen Schema und trägt verdient den Titel "Langweiler des Albums". Die Weirdo-Disconummer "Satan said dance" verweist auf eine lange Liste an buntkostümierten amerikanischen Bands, die es bei weitem besser machen. Uninspirierte Kurzzeitfüllsel wie "Upon encountering the crippled elephant" möge man doch bitte unter Verschluss halten. Nichtsdestotrotz erscheint "Some loud thunder" als ein gelungener Kreativitätsschub, der uns mit einem drohenden Scherbenhaufen und melodischen Zuckungen bei der Stange hält. Und die Nerven mit Bedacht kitzelt.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Some loud thunder
  • Emily Jean Stock
  • Underwater (You and me)

Tracklist

  1. Some loud thunder
  2. Emily Jean Stock
  3. Mama, won't you keep them castles in the air and burning?
  4. Love song No. 7
  5. Satan said dance
  6. Upon encountering the crippled elephant
  7. Goodbye to the mother & the cover
  8. Arm and hammer
  9. Yankee go home
  10. Underwater (You and me)
  11. Five easy pieces

Gesamtspielzeit: 46:48 min.

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User Beitrag
news
2007-09-18 08:49:56 Uhr
Clap Your Hands Say Yeah are playing themselves in the forthcoming major motion picture "The Great Buck Howard" (with Tom Hanks & John Malkovich), for which they wrote new songs.
conorocko
2007-07-24 17:07:57 Uhr
ich habe bisher keinen besseren albumeinstieg gehört. some loud thunder passt wie arsch auf eimer.
Spenderleber
2007-07-24 16:52:25 Uhr
Ich finde auch, dass ihr zweites Album unterschätzt wird.
Zwar nicht mehr so eingängig, dafür aber viel überraschender.
Deaf
2007-07-24 14:54:05 Uhr
1. Album: Januar 2006 (jedenfalls offiziell)
2. Album: Januar 2007
3. Album: Januar 2008, logisch. ;-)

Meiner Meinung nach darf die Band weiterhin solche Schnellschüsse produzieren, solange die Qualität gehalten wird.
Gabriel
2007-06-11 20:47:50 Uhr
Geiles Album, immernoch. Emily Jean Stock ist nen ganz schön verbissener Hit. Ich kann ihn alle paar Wochen hören und es kommt mir vor, als hör ich immer wieder nen anderen Song, den ich zwar schon immer kenne, aber den ich nie intensiv gehört habe. dabei hörte ich ihn ja doch bei jedem Albumdurchlauf + Einzelanwahl.

:) Wann gibtz was neues?
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