Rob Crow - Living well

Rob Crow- Living well

Temporary Residence / Cargo
VÖ: 26.01.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Nomade

Rob Crow gehört zu den Leuten mit dem Ach-klar-daher-kenn-ich-den-Effekt. Unaufzählbar die Projekte und Bands, denen er vorgestanden hat, unfassbar die Geschwindigkeit, mit der es sich stets wieder hinter der nächsten Ecke verkrümelt. Dabei würde man ihn nur zu gerne mal beiseite nehmen und ihm ein Gespräch abtrotzen. Darüber, wie's so geht und steht. Denn so sehr seine Musik auch mit scheinbar Privatem um sich schmeißt, so scheint ihr das Leben doch irgendwie egal zu sein.

Auch "Living well" weidet sich zunächst einmal für zwei Songs an den Fragezeichen seiner Zuhörer. Denn die verjubeln wahre Ideen-Plantagen, indem sie in jeweils unter zwei Minuten ihre Gerinnung zu echten Songs verweigern. Dann aber eröffnet "Taste" das Album standesgemäß. Mehrere Gitarrenfiguren schmiegen sich an- und übereinander und finden sich schließlich zu jenen Bassläufen zusammen, wie man sie von Arab Strap oder frühen Tortoise im Ohr haben könnte. Eben jene leicht ins Postrockende herüberschielenden Gitarren bleiben auch im Folgenden Crows Markenzeichen. Die Fragezeichen nehmen sie dabei allerdings stets mit. So geht selbst ein Übersong wie "Over your heart" im Grunde verschwenderisch mit einer Hookline um, zu der man die (un)heimlich Angebetete nur zu gerne auf der Tanzfläche beobachten möchte. Aus "Focus" hätten diverse Opulentrock-Heroen einen 15-minütigen Monolith herausgemeißelt. Crow reicht es, dass er drei Minuten voll gekriegt hat. Und auch "Leveling" setzt alles daran, um bloß nicht als der Geniestreich erkannt zu werden, der er nun mal ist. Aus vollem Beat nehmen hier zunächst E-Piano und Akustikgitarre Fahrt auf, um sich immer mehr ineinander zu vertiefen und zum Refrain kurz den Verzerrer anzuschmeißen. Simpel, aber absolut gekonnt.

Schließlich dämmert dem zwischen Über- und Unterforderung zerrupften Hörer wenigstens das eine: Auch bei Pinback, Crows wohl bekanntestem Projekt, kann man an allen Ecken und Rundungen stets auch jenes Fingerschnippen mithören, das es kosten würde, um die Songs in wahrlich gigantomanische Ausmaße zu pimpen. "Living well" bietet hiervon nun quasi eine nochmals tiefgestapelte Version. Aber ist das nun gut so oder doch eher schade drum? Genau auf der Unentscheidbarkeit dieser Alternative macht es sich das Album erst so richtig bequem.

Und so hat man auch nach der vollen Dosis des guten Lebens immer noch keine Ahnung, was Crow antreiben könnte. All die kleinen und großen Privatmeiereien, die seine Lyrics, Liner-Notes oder sein Cover uns zuflüstern, helfen hier nicht wirklich weiter. Bleibt in der Tat nur die Musik. Und die macht und tut (es) richtig gut. So sprunghaft die Ideen, so stiefmütterlich sie behandelt werden, so muss all das doch genau so sein. Denn nur so passt es zu diesem verdammt gewieften Hund mit Namen Crow, der genau weiß, dass es im Zweifel besser ist, unter- statt überschätzt zu werden. Er wird uns wohl immer wieder über den Weg laufen, schnell grüßen und schon wieder die Hacken in den Teer brennen. "Keine Zeit, muss gehen. Hallo und tschüs, auf Wiedersehen." Bis dann also, zu einer weiteren halben Tasse voll euphorisierender Musik.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Over your heart
  • Leveling
  • Focus
  • I hate you, Rob Crow (Single version)

Tracklist

  1. Bam bam
  2. I hate you, Rob Crow (Album version)
  3. Taste
  4. Over your heart
  5. Up
  6. Chucked
  7. Burns
  8. Liefeld
  9. Leveling
  10. Ring
  11. Focus
  12. If Wade would call
  13. No sun
  14. I hate you, Rob Crow (Single version)

Gesamtspielzeit: 37:37 min.

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