Union Of Knives - Violence & birdsong

Union Of Knives- Violence & birdsong

PIAS / Rough Trade
VÖ: 19.01.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auf Messers Schneide

Eiskaltes Metall. Auf Hochglanz poliert, scharf genug, um ohne viel Druck jedes Gewebe zu öffnen, in gleichgroße Teile zu trennen, auf ihm gerade Schnitte zu machen. Hin und wieder muss man die Klinge schärfen, weil sie stumpf wird und die Schnitte an Perfektion verlieren. Was nach dem morbiden Hobby eines gruseligen Zeitgenossen oder wie ein Monolog aus einem Psycho-Thriller klingt, beschreibt den Sound, den die Schotten Union Of Knives unter dem dualen Titel "Violence & birdsong" eingefangen haben. Eiskalte Elektronik trifft weiche Harmonien, temporeiche Samples verschmelzen mit labilem Gesang, und brachiale Beats knallen auf betörende Synthesizer-Wände. Verlassen kommt man sich vor, beim Hören dieser Platte. Ein erhöhter Puls tut sein übriges. Wird man paranoid, wo kommt das Unbehagen her? Aus den Boxen, oder doch aus einem selbst? Rost, Eisen, Leere, Düsternis. Und dann aus Schottland. Automatisch fühlt man sich in eines diesen Industrie-Moloche geworfen. Keine Menschenseele, riesige Maschinen und dunkle Schatten. Vogelgezwitscher? Alles, nur das nicht.

Endzeit, das ist es, was das Trio aus Glasgow hier eingefangen hat. Frei nach dem Motto: The earth is a cold and dead place. Was ja nicht heißt, dass man auf ihr nicht trotzdem tanzen kann. "Evil has never" presst aufs Gemüt und regt zum Tanzen an. Sänger Chris Gordon erzählt gemeinsam mit einer zarten Fraunstimme Liebesgeschichten aus tausendundeinem Operationssaal. Und das Skalpell funkelt bedrohlich weiter. Ein Song wie die Kurve auf einem Herz-EKG. Und genauso abrupt zu Ende. Doch es geht tanzbar und nicht minder düster weiter. "I decline" macht in etwa das, was dabei rauskäme, wenn die eigenen Freunde von Mogwai sich einen Jam mit den frühen New Order erlaubten und stößt einen ins emotionale Abseits. Es tanzen alle. Und doch keine fröhlichen Gesichter. Wie auch? Doch Union Of Knives sind erst sekundär die Dancefloor-Füller, was die offensichtlichen Hits einem weis machen wollen. "Taste for harmony" ist britische Songwriterkunst per excellence. Nur eben mit Elektronik. Und wir wissen: Jetzt schon ein Song für die winterlichen Jahreshitlisten.

Und es geht auch noch langsamer. Und verstörender. Je näher sich dieses stillgelegte Kraftwerk von Album dem Ende neigt, desto deutlicher werden auch die eigenen Wurzeln. Und diese sind mannigfaltig. Die britische Presse meint eine Verwandtschaft zu Radiohead rauszuhören. Ähnlich vertrackt sind sie ja. Massive Attack sollen für die elektronischen Parts Pate gestanden haben. Wer weiß das schon? Und dass man New Order raushört, wurde ja auch schon erwähnt. Aber gerecht wird man "Violence & birdsong" mit all diesen Querverweisen keineswegs. Viel zu groß ist die stilistische Bandbreite, die sich in jedem Song raushören lässt, zu groß das Sound-Spektrum, das entfaltet wird. Ist das hochmelodiöse "Go back to school" jetzt TripHop, Pop oder einfach nur ein fantasticher Song? Genau sagen lässt sich das nicht. Der eine oder andere spielt im Kopf vielleicht ein Video ab, ähnlich denen von Aphex Twin, wenn er "You better keep me" hört. Und verdunkelt dabei sein Zimmer, merkt, dass er friert und steht nach knapp 50 Minuten am Anfang des Trips. Irgendwo in einem sterilen Raum mit kalten Fliesen. Könnte eine Klinik sein, vielleicht eine Werkstatt oder vielleicht etwas viel schrecklicheres. Man wird es herausfinden. Denn man muss mit Sicherheit noch lange drin bleiben.

(Konstantin Kasakov)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Evil has never
  • Taste for harmony
  • Go back to school

Tracklist

  1. Opposite direction
  2. Operated on
  3. Evil has never
  4. I decline
  5. Even machines make mistakes
  6. Taste for harmony
  7. Lick black gold
  8. Go back to school
  9. The law is against my heart
  10. We can't go wrong
  11. You better keep me

Gesamtspielzeit: 48:55 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Icarus Line
2008-07-28 00:17:04 Uhr
Muss da eher an Sneaker Pimps bzw. IamX denken. Hm. Ist auf jeden Fall nicht schlecht.
bee
2007-06-07 16:35:24 Uhr
seltsames Teil - überzeugt nicht - Go back to school vielleicht, aber sonst nichts zu entdecken
rhdf
2007-06-05 11:06:55 Uhr
was ist mit we can't go wrong, das is doch wohl auch noch erste sahne..
Magoose
2007-01-30 13:31:45 Uhr
Hmm erstaunlich, auf TCTC wäre ich beim hören jetzt nicht unbedingt gekommen, eher auf eine Mischung aus Nada Surf und Notwist oder so ähnlich..

Hat zugegebenermaßen wirklich später ein paar Hänger aber Back To School ist doch wieder ein echtes Highlight...

Verdammt schon wieder eine CD auf die Kaufliste...
Lätta
2007-01-16 17:41:59 Uhr
Seh ich ähnlich. Die ersten drei Songs sind toll, dann wirds schon extrem langweilig Irgendein Lied klingt sogar wie eine billige Kopie von "Blind Pilots".
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum