Owen - At home with Owen

Owen- At home with Owen

Polyvinyl / Cargo
VÖ: 19.01.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hinter diesen Ohren

Während nebenan die kreischenden Nachbarskinder zusammengestaucht werden, schüttelt Owen aka Mike Kinsella auf der Veranda seines Elternhauses nur milde mit dem Kopf. Bereits in den frühen Morgenstunden hat er seinen großen Bruder in Joan of Arcs Proberaum eingeschlossen und Mamas selbst gemachte Limo neben sich geparkt. Er entwirft nun schon seit einiger Zeit Schaukelstuhlchoreographien zu Folk-Pickings, die ihm direkt aus dem Mittelwesten des Rückenmarks in die andalusisch entkrampften Finger zu fließen scheinen. Die Blagen stören ihn dabei herzlich wenig. Vielmehr schreibt er ihnen und ihren sonnenverbrannten Unterarmen einen Soundtrack im Takt der zwischen den Fahrradspeichen klackernden Spielkarten, so dass man mal wieder hofft, sie mögen die Leiche bei den Bahngleisen frühestens mit 35 entdecken.

Eine zutiefst amerikanische Vorstadtphantasie, natürlich. Und zu ihr passt, dass auch bei Owen im Untergrund ziemlich heftig gebrodelt wird. So spielen vor allem die Texte Verstecken mit Kinsellas doch recht zutraulichem Organ. Unter dem Deckmantel der Friedfertigkeit werden große und kleine Lebenslügen unverhohlen austariert und dem Alltag hinterher gestalkt. Kinsella verdirbt hier genüsslich sein eigenes Spiel und gibt gleich zu Beginn den Überbringer schlechter Nachrichten: "Whatever it is you think you are, you aren't / A good friend, unique, clever, good looking, smart / Now you know". Eine wirklich herbe Pille, die der gute Mann hier als Freundschaftsdienst verkauft, während die Musik zum Augenschließen und Schwelgen einlädt. Haben wir es hier also mit einer Mogelpackung zu tun, die, während sie verschmitzt lächelt und sich scheu hinter dem Ohr kratzt, die Finger hinter dem Rücken kreuzt? Harmlos tun, es aber faustdicke haben? Mogelpackung?

Ach was. Das Erstaunlichste, nach bereits drei Alben und zwei EPs, ist auch auf "At home with Owen" eher wieder das Strahlen der Arrangements, die den Songs derart perfekt sitzen, dass selbst von der Nachbarveranda besonnen herübergeblinzelt wird. So zählt in "The sad waltzes of Pietro Crespi" eine gut gesättigte Basedrum die Viertel durch, während zum Refrain Piano und Streicher auf ein Bier vorbeischlittern und sich wieder in den Nachmittag verdrücken. "Bags of bones" wird durch einen Kontrabass geerdet, und Glockenspiele malen die Welt widdewiddewie. "A bird in hand" hält Huhu-Chöre und einzelne Orgeltupfer zunächst im Hintergrund, bis eine E-Gitarre alles kurz aufreißt und der Song sich schließlich im Kanon selbst nach Hause paddelt.

Zu "Windows and doorways" und dem Velvet-Underground-Cover "Femme fatale" räumt Kinsella dann so langsam seinen Krempel zusammen, schnuppert in den Sonnenuntergang und zwinkert letzte Obertöne in die Hood. "One of these days" spielt jetzt eh ohne ihn, wird von den Spatzen gepfiffen, während die Grauhörnchen verträumt die Köpfe wiegen. Man mag beinahe glauben, sie allein hätten diesen Tag erfunden, aufgeheizt und schließlich wieder besänftigt, angespornt durch Musik voller Güte, Ruhe und immer wieder dem rechten Maß der Dinge. Und so spürt man auch abseits illinoisscher Sommerhitze, wo man sich vom mitteldeutschen Winter angefrorenen Nieselregen ins Gesicht spucken lässt, dass dies ein echt prima Tag war. Und morgen wird ganz sicher wieder einer - liest und hört man hinter Owens Ohren. Gleich neben den Kratzspuren.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Bad news
  • The sad waltzes of Pietro Crespi
  • Bags of bones
  • A bird in hand
  • Windows and doorways

Tracklist

  1. Bad news
  2. The sad waltzes of Pietro Crespi
  3. Bags of bones
  4. Use your words
  5. A bird in hand
  6. Windows and doorways
  7. Femme fatale
  8. One of these days

Gesamtspielzeit: 37:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
max
2007-08-16 03:34:33 Uhr
jo, ich war da.
das konzert war herrlich, familiäre stimmung, kleiner schuppen.
die kommunikation zwischen mike und dem publikum hat nicht so hingehauen, die leute waren etwas scheu (oder überwältigt von den songs).
habe mich dann nachher aber aufgerafft und hab ihn noch ein wenig belabert, über meine band und so, ist n umgänglicher, freundlicher typ.
ich glaub er war froh, dass die tour zu ende ging. hat auch nicht solange gespielt.
die anreise von köln nach dortmund wars mir auf jeden fall wert.
Dan
2007-07-07 16:41:30 Uhr
War noch jemand in Dortmund und kann von der Show berichten?
Thomas
2007-06-17 10:17:08 Uhr
@Chimera: Irgendwas gegen Maaagdeburg?! Show wird sicher gut und kostet hier noch 6,- Euro im Vorverkauf.
betty
2007-06-16 11:57:08 Uhr
ach ok... eventim sagt ca. 11 €
betty
2007-06-16 11:47:34 Uhr
Weiß jemand wieviel Eintritt das circa kostet?
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