Finkenauer - Beste Welt,

Finkenauer- Beste Welt,

Supersonic / GUN / Sony BMG
VÖ: 19.01.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Spartanische Verse

Pascal Finkenauers Stimme dürfte mittlerweile ein paar Ohrenpaaren mehr vertraut sein als noch zu Zeiten seines Debüts "Finkenauer". Denn als Fettes Brot jemanden suchten, der ihrem Sozialdramolett "An Tagen wie diesen" noch zusätzliche Tiefe verleihen sollte, halfen sie im Gegenzug dem ehemaligen Sänger von Jaw und The Black Cherries an die Öffentlichkeit. Der einfühlsame Vortrag und seine warme Stimme trafen mehr als nur einen Nerv. Und so ist es kein Wunder, dass Finkenauers Zweitling "Beste Welt" einem größeren Publikum das Händchen halten soll.

Denn man braucht schließlich einiges an Beistand, wenn diese Welt, wie wir sie erleben und von der Finkenauer singt, tatsächlich die beste sein soll. Doch dann entdeckt man das versteckte Komma nach dem Albumtitel und erkennt den Ausdruck als Anrede. Finkenauer wendet sich ans Draußen und erzählt ihm vom Drinnen: "Ich liege auf dem Bett / Versuche es zu schaffen / Meine Arme zu verlängern / Damit ich mich selbst umarmen kann."

Das ist Poesie. Hofft man jedenfalls. Denn die sanften Gedanken stolpern mitunter übers eigene Versmaß. Finkenauer kümmert's wenig. Er verteilt seine an Metaphern reichen Ergüsse über mal streichersatte, mal mit dem Klavier tänzelnde, mit der Orgel anschwellende oder gar ansatzweise rockende Musik. Die behutsame Grooves anbietet und vor allem in den Strophen der seufzenden Bildsprache die passende Spielfläche bereithält.

Doch auch sie kann eine Schwäche von "Beste Welt" kaum verdecken: "Mach die Augen auf / Und sieh / Du kannst mich nicht blind verstehen." Darin steckt zwar viel Wahrheit, aber auch das Problem, das Finkenauer mit seinen Liedern hat. Der selbst gestellte Anspruch der Texte kommt in den bisweilen nichtssagenden Refrains zu Schaden. "Ra ta ta ta / Ta ta ta."

Dabei ist an der Musik wenig auszusetzen. Die an Soul und Jazz geschulten Arrangements überflügeln den Vortrag des Sängers bisweilen um Längen. Doch der halbdunkle Groove der neuen Single "Manchmal zwischen den Gebäuden" mündet wie weite Teile des Albums im gleichen Kitsch, den einem schon Xavier Naidoo als Weg verkaufen wollte. Anderswo lauert die Tränendrüse: "Lass mich noch mal weinen / Allein in deinem Arm", säuselt es in "Scherben". Lediglich im wortgewaltigen "Mittendrin", in "Verschlllungen" und dem eröffnenden "Hab ich dir schon erzählt?" findet Finkenauer ein paar Muskeln. Und eigentlich sogar die Lösung: "Alles Gefühl muss lodernd brennen." Schade, dass es auch diesmal oft nur für ein schwaches Zündeln reicht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Hab ich dir schon erzählt?
  • Mittendrin
  • Ratata (Ich falle)

Tracklist

  1. Hab ich dir schon erzählt?
  2. Manchmal zwischen den Gebäuden
  3. Brunnen
  4. Hand in Hand
  5. Ich kann dir nicht widerstehen
  6. Geschrien
  7. Mittendrin
  8. Du bist hier
  9. Ratata (Ich falle)
  10. Schöne neue Welt
  11. Scherben
  12. Verschlllungen

Gesamtspielzeit: 39:19 min.

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  • Finkenauer (15 Beiträge / Letzter am 05.02.2009 - 12:44 Uhr)