The Court & Spark - Hearts

The Court & Spark- Hearts

Absolutely Kosher / BB Island / Cargo
VÖ: 12.01.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der ewige Kreislauf

Kopfhörer sind eigentlich eine erschreckende Erfindung. Anstatt Musik bei angemessener Lautstärke und dadurch im ganzen Körper erfahren zu können, reduzieren sie die gepflegte Klangrezeption auf die Region zwischen den beiden Ohren. Mancher schwört auf derlei Beschallung, weil sie ein konzentriertes Lauschen ermöglicht. Aber kann derlei Unkörperlichkeit überhaupt an echten Gefühlen kitzeln? The Court & Spark zeigen, wie das funktioniert.

Selbst wer der betrübten Psychedelia der Kalifornier bislang noch nicht begegnet ist, wird ihr im ersten mittellauten Durchgang von "Hearts" unterstellen, sich aus dem großen Fundus der Americana zu bedienen. Die sorgfältig austarierten Klangbilder des ersten von ihnen im Alleingang produzierten Albums berufen sich auf das Perlen der Byrds und das Knirschen von Crazy Horse, aber auch auf Brian Enos Weite und den Säuregehalt von Grateful Dead. Gemäßigt schabende Gitarren, bittersüßes Orgelschwellen, die dezent verwackelten Saiten von Banjo, Ukulele oder Dulcimer ziehen durch die Songs und lassen M.C. Taylors sonorer Stimme viel Platz. Professionelle Entspanntheit.

Doch bald tauchen Fragezeichen in der Musik auf. Stimmungen mit Fußnoten, Emotionen mit Nebenwirkung: "Talk to me / You're my lover, but no friend", heißt es im seufzenden "Berliners". Die großen Septakkorde von "We were all uptown rulers" vertuschen die Bitterkeit von Zeilen wie "I meant what I said / When I said 'Who cares?'". Es steckt viel Sorgfalt in den Arrangements, in denen sage und schreibe 41 verschiedene Instrumente von anschwellendem Klingeln zu krachmollenen Riffs oder federnden Oszillationen wechseln, ohne dass irgendwelche Schnittkanten auffielen. So bekommt die vermeintliche Gefälligkeit der Musik angenehme Luftlöcher.

Dann wird es Zeit für die bekopfhörerte Nachforschung: Bei "High life" schält sich aus dem zirpenden Reverb die Stimme von Jason Molinas (The Magnolia Electric Co., Ex-Songs:Ohia). Das trockene Taumeln von "Your mother was the lightning" baut auf der Bühne des Saloons plötzlich ein Karussell auf. In "Capaldi" nesteln diverse Kriechströme an der Erhabenheit der Gitarren. Und in Instrumentals wie "A milk white flag" oder "The oyster is a wealthy beast" atmen die vielen Gerätschaften auch mal durch.

Das vierte Album von The Court & Spark deutet ein paar düstere Geheimnisse an, die der mutmaßlich biederen Musik eine Tiefe verleiht, die nicht erst beim konzentrierten Lauschen auffällt. Dort aber besonders: Streicheln und Kratzen folgen aufeinander. Texturen, die eben noch abblätterten, werden sanft wieder angestrichen. Und wenn man die Augen schließt, fühlt man den kalifornischen Sonnenschein genauso wie Wüstenwind und Wolkenschatten. Bis es unter der Haut kitzelt.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • We were all uptown rulers
  • Birmingham to Blackhorse Road we wandered
  • The oyster is a wealthy beast
  • High life

Tracklist

  1. Let's get high
  2. We were all uptown rulers
  3. Birmingham to Blackhorse Road we wandered
  4. The oyster is a wealthy beast
  5. Capaldi
  6. A milk white flag
  7. Berliners
  8. Smoke signals
  9. Your mother was the lightning
  10. High life
  11. Gatesnakes
  12. The ballad of Horselover Fat

Gesamtspielzeit: 47:02 min.

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