Arid - Little things of venom

Arid- Little things of venom

Double T / Sony
VÖ: 19.04.1999

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bittersüße Symphonien aus Belgien

Wer die Kritik zur aktuellen dEUS-Scheibe gelesen hat, konnte bereits feststellen, daß in mir ein Belgien-Liebhaber wohnt. Bezogen ist das jedoch nicht auf die makabren belgischen Eigenschaften, aus denen sich mancher Deutscher schon ein Klischee gebastelt haben mag. In den vergangenen zwölf Monaten entstammte mit den Platten von dEUS, Zita Swoon, Ozark Henry und Soulwax mehr gute und teilweise auch überaus innovative englischsprachige Musik dem Mutterland der Pommes Frites als dem deutschen Inland. Nun kommt also das Debüt einer Band namens Arid direkt aus dem Plattenladen auf meinen Schreibtisch geflattert. Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung zwar, doch für gute Musik ist es ja nie zu spät.

Beim ersten Hören fällt zuerst einmal auf, daß die Songs von Arid noch ruhiger und getragener als die ihrer Landsmänner ausfallen. Ein weiteres Aha-Erlebnis löste bei mir die Stimme von Sänger und Songwriter Jasper Steverlinck aus. Nämlich das Gefühl, so ein Organ schon einmal irgendwo gehört zu haben. Bei den hochgelobten britischen Newcomern Muse zum Beispiel, bei Radioheads Thom Yorke, bei Jeff Buckley und nicht zuletzt bei The Cult-Frontmann Ian Astbury. Auch bei Arid ist der Frontmann gleichzeitig Stärke und Schwäche, so wünscht man sich an manchen Stellen eine etwas weniger prägende Stimme.

Mit dem Bandnamen und dem Albumtitel hat der Sound von Arid rein gar nichts gemein. So sind die zehn Songs weder (Was wäre ich ohne mein Lexikon?!) "kleine Dinge der Bosheit" noch klingt die Band "trocken, dürr, wüstenhaft". Stilistisch kommen Arid mit ihrer bittersüßen Stimmung auf "Little things of venom" von den oben genannten wiederum dem seligen Jeff Buckley am nächsten. So erinnert nicht nur das Finale des mit Abstand besten Tracks "All will wait" an "Last goodbye", mit dem sich Buckley vor seinem Tod einst sein eigenes Fanal schuf.

In den Credits trifft man auf alte Bekannte. Für den dezenten Streicherteppich auf "At the close of every day" und "Dearly departed" zeichnet Ozark-Henry-Mastermind Piet Goddaer verantwortlich. Völlig in die Irre führt hingegen die Angabe "Mastered by Howie Weinberg", die auch auf Alben von den Smashing Pumpkins und Pyogenesis zu finden ist – keine Spur von deren Einflüssen auf "Little things of Venom". Wer also wie ich mit den Kritikerlieblingen Muse nur aufgrund der Songs nicht so viel anfangen kann und sich für den Winter lieber etwas ruhigere und bekömmlichere Kost wünscht, findet mit dem Arid-Album eine schöne und runde Alternative. Hoffen wir, daß sich Jasper Steverlinck von fließenden Gewässern fernhält und Arid die Möglichkeit zu etwas bekommen, das ihrem Seelenverwandten Jeff Buckley nicht vergönnt war: ein zweites Album fertigzustellen.

(Armin Linder)

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Highlights

  • All will wait
  • Little things of venom
  • Dearly departed

Tracklist

  1. At the close of every day
  2. Too late tonight
  3. All will wait
  4. Little things of venom
  5. Believer
  6. Dearly departed
  7. Me and my melody
  8. World weary eyes
  9. Life
  10. Elegy

Gesamtspielzeit: 40:39 min.

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