Petsch Moser - Reforma

Petsch Moser- Reforma

Wohnzimmer / Broken Silence
VÖ: 20.11.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Mittelpunkt der Welt

Es sind die Hundejahre, die das Gesicht in Falten werfen. Die die Haare ergrauen lassen und den Bart mit depressiven Locken schmücken. Lieder werden gesungen, Schicksale gezählt und für besseres Wetter am Horizont im Seelenkeller malocht. Der melancholische Sonnenuntergang heilt schon lange keine Wunden mehr, die Küche braucht dringend einen Kammerjäger. Liebeskummer tut niemals gut, und zu trinken gibt es nie zu viel. Die Symptome liegen klar auf dem Tisch, doch was soll uns retten? "Leinen los / Blick nach vorn / Der Platz wird eng / Die Zeit verschwendet dich!" Taschentuch gefällig?

Mit neuem Mut und den umarmenden Texten von Petsch Moser geht doch alles schon viel besser. Mit kuscheliger Wärme garniert und mit Wahrhaftigkeit serviert, mümmeln sich die Österreicher im Herzen ein, winken der Trauer zum Abschied. Petsch Moser fokussieren Themen, die schon seit langer Zeit unter den Nägeln brennen, finden Worte, die die Wolken verschieben, liefern universale Einsetzbarkeit, die 24 Stunden am Tag Gültigkeit beibehält. "Ich schrei es raus laut / Es ist meine Hand / Die den Akkord erfand / Der Dir Dein Herz einrenkt / Der dem Takt den Rhythmus schenkt." Wer braucht da schon die Schulter eines besten Freundes?

Mit träumenden Trompeten, verspieltem Saxophon, zirpendem Klavier und glühenden Lapsteel-Gitarren brechen Lukas Filipek, Andreas Remenyi, Piotr Szwarczewski und Christian Stangl ein ums andere Mal mit den ebenfalls geglückten, jedoch klassischeren Songstrukturen von "Die Stellen" und explodieren mit jeder weiteren Aufgabe, welche "Reforma" zu einem Jungbrunnen deutschsprachiger, zeitgenössischer Rockmusik gestaltet. Zementschwere Traurigkeit in "3000km" reiht sich neben die Cowboy-Romantik und Straßenpolka von "Gustav K.". Die Mundharmonika verziert den Glanzpunkt der Platte "Festes Land" mit echtem, amerikanischem Storyteller-Charme, während das abschließende, orchestrale "Samstag segeln, Sonntag Ballett", mit exklusivem "Hey Jude"-Chor und Bläserwerk, zum genüßlichen Zungenschnalzen einlädt.

Die Leinen sind gelöst, der Blick nach vorn gerichtet, der Platz verteidigt. Petsch Moser mausern sich zur Vorhut des österreichischen Indierocks, packen die feingeistigen Hörer in den Sack und grüßen die zuletzt etwas schwächelnde Konkurrenz aus dem Norden. Ein grundsolides Album, zwischen kurzer Weile, gedankenschwerem Sinnieren und beschwingtem Tanzen. Ein Tritt in die Vollen, ein Strauß Blumen. Wir sind der Mittelpunkt der Welt. "Festes Land / Zitternde Knie / Ich weiß / Hier waren wir noch nie." Na dann: Bequemes Liegen!

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Gustav K.
  • Festes Land
  • Das Abkommen
  • Samstag segeln, Sonntag Ballett

Tracklist

  1. 3000km
  2. Willkommen zum Abschied
  3. Schrei es raus laut
  4. Gustav K.
  5. Rasenmaehermann
  6. Hamburg
  7. Festes Land
  8. Das Abkommen
  9. Bettinas Messer
  10. Die wahren Beduerftigen
  11. Kranker Mann
  12. Samstag segeln, Sonntag Ballett

Gesamtspielzeit: 53:43 min.

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  • Petsch Moser (18 Beiträge / Letzter am 30.03.2007 - 15:12 Uhr)