Goldrush - The heart is the place

Goldrush- The heart is the place

Truck / City Slang / Rough Trade
VÖ: 12.01.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Am rechten Fleck

Bei Goldrush ist das mit dem Haussegen etwas anders als bei anderen Bands: Er hängt nicht etwa alle paar Jahre mal ein bisschen schief, er hängt eigentlich permanent an einem Bungee-Seil und stürzt sich grölend in die Tiefe. Ohne vorher zu prüfen, wie lang das Ding denn eigentlich ist - im Grunde grenzt es an ein Wunder, dass die Band überhaupt noch existiert. Ging ja schon damit los, dass sie kurz nach ihrer Gründung 2001 in Rekordzeit die undankbarste aller Majorlabel-Metamorphosen absolvierten: vom Silberteller-Signing direkt in die Rentabilitäts-Rente. Nach genau einer Single.

Das aktuellste Drama spielte sich vor famos filmreifer Kulisse ab. Nämlich in Hollywood. Goldrush hatten sich in ein schickes kalifornisches Studio eingenistet, um Songs für den Nachfolger ihres vielversprechenden Debüts "Ozona" aufzunehmen. Bloß: Aus der Session wurde kein Meisterwerk, sondern das reinste Desaster - Freundschaft am Boden, Energie sowieso und die Kreativität schon fast unterirdisch. Man war drauf und dran, kollektiv die Scheidung einzureichen - sogar die Bennett-Brüder gingen getrennte Wege, Joe nach New York und Sänger Robin zurück nach Oxford.

Und dann war das Bungee-Seil doch mal wieder kurz genug, glücklicherweise: Goldrush entschieden sich nur für eine Trennung auf Zeit; Sänger und Gitarrist wurden schon bald von Entzugserscheinungen geplagt und trafen sich in einer Scheune, um mal zu eruieren, welche Instrumente da so einsam herumstanden - zunächst waren das nur ein weißes Klavier und eine kleine Orgel. Das reichte allerdings, um die erhabene Versöhnungshymne "Can't give up the ghost" zu schreiben: "It's hardest to defend / The things you love the most / If you think this is the end / You're not even close."

Nach all den Komplikationen gönnt man sich ein feierliches Intro, das klingt, als würden Gladiatoren in die Arena schreiten: Ein hymnischer XXL-Keyboardteppich wird ausgerollt, und der Puls der Rhythmusgruppe steigt nanosekündlich. Robin Bennetts charmant chronische Heiserkeit ist ganz die alte, die Flaming-Lips-Referenzen auch nicht mehr ganz neu, dafür Produzent und Mixer: Elektrofrickel-Experte James "Pedro" Rutledge und Carim von Psapp. Bedeutet: mehr unkonventionelle Störgeräusche, weniger konventionelle Songstrukturen, und auch die Instrumentierung ist weitaus innovativer geraten als auf dem Debüt. Oder hat man schon jemals zuvor Saxophon, Querflöte, 30er-Jahre-Filmmusik-Streicher oder Glockenspiel in einem Goldrush-Song gehört? Und "Heaven's my destination" ist tatsächlich sowas wie ein Dance-Track.

"We are not the way we were", erklärt die erste Single "One of us" noch etwas spröde und nüchtern britrockend. Doch es scheint, als würde "The heart is the place" diesen eher schleppenden Anfang absichtlich zelebrieren, um dann sehr bald und sehr beeindruckend in voller Schönheit zu erblühen - beispielsweise im herzhaften 60s-Pop von "We will not be machines" oder in der rührenden Late-Night-Piano-Ballade "Yours and mine". Und doch ist es der Titeltrack, der schließlich das Kommando übernimmt, auf einer Akustikgitarre durch Americana galoppiert - direkt an die mexikanische Grenze - um dort im Dialog mit stolzen Bläsern zu verkünden: "Maybe the best is yet to come." Möge das Bungee-Seil noch lange zu kurz sein.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Can't give up the ghost
  • We will not be machines
  • The heart is the place

Tracklist

  1. Aperture
  2. The story of the city
  3. Every one of us
  4. Can't give up the ghost
  5. 24 hours
  6. Goodbye cruel world
  7. We will not be machines
  8. Heaven's my destination
  9. Sun in your eyes
  10. The heart is the place
  11. Yours and mine
  12. A joyous final chapter

Gesamtspielzeit: 43:15 min.

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