Clipse - Hell hath no fury

Clipse- Hell hath no fury

Re-Up / Star Trak / Jive / SonyBMG
VÖ: 12.01.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

A-Unit

Er muß da scheinbar nur einen Schalter umlegen, irgendwo im Gehirn. Zwei Drähte miteinander verbinden, die den Unterschied machen zwischen Top-Notch-Rap-Producer und Top-Notch-Fitnesstrainer. Eben noch bringt er Britney, Beyoncé und den Rest der Charts in Form - lieblos, leidenschaftslos, mit der kühlen Hand eines Auftragskillers. Dann schaltet er hoch, fängt Feuer, produziert irgendeinen Newbie aus dem Nichts in Licht. Und zwei Wochen später macht er endlich sein erstes Soloalbum fertig, überstürzt, unausgegoren, kurz vor Ablauf der x-ten Deadline. Er ist natürlich Pharrell, und wir wissen auch nicht, was da los ist in diesem gut rasierten Kopf. Wir können nur merken: Nach dem weitgehend verkorksten letzten Jahr (Snoop Dogg, Jay-Z, Gwen Stefani, Beyoncé) hat er plötzlich wieder Oberwasser.

Es war mal wieder eine Herzensangelegenheit nötig. Eine Band wohl auch, die sich nicht alles andrehen läßt, um Pharrell und seinem Co-Neptune Chad Hugo ihr A-Game aus den durchtrainierten Hüften zu leiern. Die Beats auf "Hell hath no fury", dem zweiten Album der MC-Brüder Clipse aus Virginia, sind ausgezeichnet, schnörkellos, kompakt und stur bis zur Verbohrtheit. Meist konzentrieren sie sich auf zwei gegensätzliche Elemente, die sich ineinander verbeißen, miteinander spielen, umeinander wickeln oder in gewolltem Unfrieden aneinander vorbeilaufen. Das Fett drum herum wurde humorlos weggeschnitten, alles, was an Tricks und Spielereien denkbar gewesen wäre, konsequent außen vor gelassen. Das Album ist kurzum die beste Neptunes-Produktion seit verdammt langer Zeit. Und doch müssen sich die teuren Jungs von den Nobodys die Show stehlen lassen.

Malice und Pusha T waren irgendwie zwischen zwei Plattenfirmenfronten geraten, drei Jahre unter Verschluß gehalten worden, nur um gestärkt, motiviert und mit den schlechtesten Absichten aus dem Schlamassel heraus zu kommen. Im US-Sport spricht man von Athleten, die mit "chip on their shoulder" spielen, wenn sie etwas zu beweisen haben - bei Clipse ist das Teil ein verdammter Pentium 5 mit mindestens drei Gigahertz. Straßenleben, Koksdealen, Gangstasein und die Folgen werden verhandelt. Nicht frei von Klischees, aber mit Schaum vor dem Mund, Ziehen im Herzen und selbstironischen Sticheleien, die das Ganze im Gleichgewicht halten. Entruhigung in fortgeschrittenen Stadien. Den Finger am Abzug, das Lächeln im Gesicht festgefroren.

Dabei ist "Hell hath no fury" Mainstream-Gangsta-Rap durch und durch, geht kaum nennenswerte Risiken ein und hätte gerne noch etwas experimentierfreudiger sein dürfen. Wie Clipse aber die Regeln des Spiels hinterfragen und notfalls auch umgehen, nicht alles schlucken, was 50, Snoop und Kanye in den letzten Jahren festgeschrieben haben - das ist das eigentliche Ereignis an dieser Platte. Sie brauchen keine 20 Tracks, 80 Minuten und ständig wechselnde Produzenten. Sie sagen alles, was es zu sagen gibt in zwölf aufs Wesentliche verdichteten Stücken, ohne Interlude-Quatsch, mit ausgesuchten Gästen und wohl dosiertem Rauschgift. Lauter ist der Schnee lange nicht gerieselt. Das musikalische Gegenstück zur hochgezogenen Nase.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Momma I'm so sorry
  • Wamp wamp (What it do)
  • Trill
  • Chinese new year

Tracklist

  1. We got it for cheap (Intro)
  2. Momma I'm so sorry
  3. Mr. me too (feat. Pharrell Williams)
  4. Wamp wamp (What it do) (feat. Slim Thug)
  5. Ride around shining (feat. AB-Liva of the Re-Up Gang)
  6. Dirty money
  7. Hello new world
  8. Keys open doors
  9. Ain't cha (feat. Re-Up Gang)
  10. Trill
  11. Chinese new year (feat. Roscoe P. Coldchain)
  12. Nightmares (feat. Bilal & Pharrell Williams)

Gesamtspielzeit: 48:41 min.

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User Beitrag
kingsuede
2009-12-21 20:53:18 Uhr
Entdecke es erst jetzt so richtig. Kommt wohl mit der neuen Raekwon als eins von zwei Hip Hop ALben in meine Top50 der 00er.
cds23
2007-09-08 21:21:48 Uhr
Seit Jahren würde ich nicht sagen...aber unter besten in 2007, das sicherlich. Dafür waren Madvillain 2004, Saul Williams 2005 und Ghostface 2006 doch zu stark.
Dän
2007-06-01 02:14:15 Uhr
Muss da leider Abbitte leisten, weil ich auch nicht mehr weiß, was ich da mit der 7/10 wollte. Wahrlich das größte HipHop-Album seit Jahren, trocken, böse, um keinen Ausweg verlegen.
Armin
2007-01-02 15:09:49 Uhr


Hallo zusammen,

eines ist sicher: Clipse brauchen sich keine Gedanken über den Sophomore Jinx, den "Fluch des Follow Ups" zu machen. 2007 hat begonnen, und endlich liefern die Brüder Malice und Pusha T mit "Hell Hath No Fury" die lang erwartete Fortsetzung zu ihrem erfolgreichen Debüt "Lord Willin'". Der Erstling der beiden Rapper aus Virginia schoss 2002 aus dem Stand auf Platz vier der US-Billboard Album Charts, kletterte lässig über die Platinmarke und lieferte mit "Grindin" einen HipHop-Hit der Extraklasse.

Das neue Meisterstück "Hell Hath No Fury" umfasst 12 Tracks und ist eine mindestens so verwegene und vielversprechende Angelegenheit wie "Lord Willin'".
"Mr Me Too", die erste Singleauskopplung, peakte im Dezember gleich mal auf Platz 2 der deutschen Black Charts.
Clipse warten mit einem überraschenden, extrem groovigen Style auf, der nicht zuletzt auf das Konto von Produzent und Mentor Pharrell Williams (Neptunes) geht.

Wie stark sich Clipse weiterentwickelt haben, zeigen Songs wie "Mama I'm So Sorry", in dem sich die beiden Ex-Dealer mit ihrer Drogenvergangenheit auseinandersetzen oder aber "Ridin' Around Shinin'", eine Ode an das Leben in Saus und Braus, bei der ein magischer Harfensound zum Einsatz kommt. "Das ist unsere Hustler-Hymne", sagt Malice. "Sie beschreibt, was die ganz normalen 'Street Cats' alles anstellen, um voran zu kommen, was ihre Sehnsüchte sind:

"All I wanna do is ride around shining while I can afford it
Plenty of ice on my neck so I don't get nauseous
Float around in the greatest of Porsches
Feel like a Chuck Wagon cause I'm on 12 horses
And the three behind mine, they be the clique
So much ice in their Rolies, their shit don't tick, man
Winter through the summer, care less what it cost me
While I'm shoveling the snow man, call me frosty lover.'"

"Wenn ich schreibe, versetze ich mich selbst in eine Situation aus dem realen Leben, die ich aus meiner eigenen Perspektive erschaffen habe. Dann kann man auch sagen, dass etwas seine Berechtigung hat. Sich alleine auf seine Vorstellungskraft zu verlassen, funktioniert bei mir nicht", erläutert Malice. "Wir haben das Album 'Hell Hath No Fury' genannt, weil es eine Fortsetzung von 'Lord Willin'' ist. Was wir damit sagen wollen ist: 'Es gibt nichts Teuflischeres als dieses Album'."

Pusha meint abschließend: "Wir waren nie besorgt, ob wir an den Erfolg von 'Grindin' anknüpfen können. Das war nie das Kriterium. Es geht uns ausschließlich darum, anders zu sein. So lange man etwas anderes macht als das, was man um sich herum hört, geht man seinen eigenen Weg. Das ist alles, was wir wollen."


Ab dem 12.01. im Handel


Clipse - "Hell Hath No Fury"
VÖ: 12. Januar 2007
Oliver
2006-12-29 23:29:54 Uhr
Wirklich ein saustarkes Album. Die Beats sind mit das Abgefahrenste, was ich in dem Genre jemals hören durfte. "Trill" ist der absolute Wahnsinn...
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