Sonic Youth - The destroyed room: B-sides and rarities

Sonic Youth- The destroyed room: B-sides and rarities

Geffen / Universal
VÖ: 15.12.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Pathfinder

Die Standhaften, die Aufrechten, die Unverrückbaren haben es getan: Kim Gordon, Thurston Moore, Lee Ronaldo und Steve Shelley AKA Sonic Youth sitzen im Boot des Massenstroms. Ist es denn wahr? Man mag es kaum für möglich halten. Grund für den Mißmut: die Veröffentlichung der simpel erscheinenden B-Seiten und Raritäten-Compilation. Hauen wir gleich einmal ein dickes Fragezeichen dahinter. Dem Kenner des Musikmarktes wird sicher nicht entgangen sein, daß die 25 Jahre alte Institution nicht nur ihrem Hauptengagement bei Geffen Records nachgeht (bei denen sie seit 1990 unter Vertrag sind), sondern daß sie auch noch unter dem Schleier der öffentlichkeitsgroßen Promotion ihre begabten und flinkwendigen Finger im Spiel haben. Und das nicht erst seit Kurzem. Neben den sechs Alben für ihr eigenes Label Sonic Youth Records, bei denen sie das breite Feld von Experimentierkunst, subtilem Noise und knödelndem Freejazz bedienen, verliert sich so einiges für den avantgardescheuen Fan in den Schluchten und Gräben der fordernden Kulturkritik.

Bei so viel Output stellt man sich die Frage, wo bitte schön noch Platz für Raritäten und anderes Wichtiges aus der kreativen Couchspalte geblieben sein soll. Aber die Band scheint wohl noch mehr unnötiges Brimborium in ihren Studios zu veranstalten, als wir zu ahnen glaubten. Vorbehalte nun aber hin oder her: "The destroyed room: B-sides and rarities" will erkundet werden, und gleich der erste Hördurchgang verrät uns, daß wir die ewigen Undergroundheroen mit dem angedrohten Unaufrichtigkeitsvorwurf absolutes Unrecht getan haben. Das feste New Yorker Bündnis speist uns doch in keinem Falle mit aufgewärmten Resten ab. Hinter "The destroyed room: B-sides and rarities" verbirgt sich nicht etwa das plump aneinandergereihte Beste vom Reste. Sonic Youth setzen selbst im Konzept der Ausrangierten auf die Kunst des geheimnisumwobenen Kompilierens. Und daher darf es den erwartungsfreudigen Stimmgewaltigen nicht verwundern, daß "The destroyed room: B-sides and rarities" zum größten Teil vollkommen instrumental in resolutem Ambient ("Loop cat") und Noise ("Fire engine dream"), in sicheren Effektgerätbearbeitungen, elektrisierenden Jams und intelligenten Rückkopplungen versinkt.

Die Ausnahmen zeigen sich im zweimaligen Einsatz von Kim Gordon, die der einzigen B-Seite, dem akustisch-bluesigen Schwenker "Razor blade" (von der '94er "Bull in the heather"-Single), ihre einnehmend gehauchten Vocals leiht, genau wie dem prachtvoll minimalistischen Geräuschfeld von "Blink". Ganz oben auf dem Podest der feinen Sonderlinge auf diesem Album steht aber "The diamond sea", dessen Nennung bei dem einen oder anderen jetzt schon zu meterlangen Speichelfäden führen wird. Der enigmatische Schlußsong der '95er LP "Washing machine", gesungen von Thurston Moore, erhält hier ein alternatives Ende und wird im Zuge der Veränderung gleich mal auf fünfundzwanzig Minuten aufgestockt. Die hinzugeführten Minuten und das grandiose Finale möchte der Rezensent nun aber nicht näher unter die Lupe nehmen, da ein entsprechender Spielverderber sicherlich an anderer Stelle im World Wide Web zu finden sein wird.

Falls es das Ziel war, die andere, weniger zugängliche Seite von Sonic Youth ins Rampenlicht zu rücken, ist es ihnen mit "The destroyed room: B-sides and rarities" gelungen. Die niemals schwindende rockistische Struktur, die unaufwendig den Hintergrund bestimmt, nimmt den mit Annäherungsproblemen geplagten Hörer an der Hand. Und läßt ihn nicht ohne Anleitung auf das experimentelle Feld los, so daß dieser sich letztlich von seinen nonverbalen Stützrädern trennen und in der bandeigenen Diskographie nach weitaus konsequenterem Material Ausschau halten kann. Für dieses Album: Avantgarde light, aber auf höchstem Niveau.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Blink
  • Three part-sectional love
  • The diamond sea

Tracklist

  1. Fire engine dream
  2. Fauxhemians
  3. Razor blade
  4. Blink
  5. Campfire
  6. Loop cat
  7. Kim's chords
  8. Beautiful plateau
  9. Three part-sectional love seat
  10. Queen Anne chair
  11. The diamond sea

Gesamtspielzeit: 76:55 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Loam Galligulla
2006-12-13 19:54:33 Uhr
Soso...
Armin
2006-12-13 19:16:11 Uhr
SONIC YOUTH - "The Destroyed Room: B-Sides & Rarities"

Auf der sorgsam kompilierten B-Seiten-Kollektion der New Yorker Indie-Helden Sonic Youth findet sich nicht weniger als die Essenz der Band. Manchmal lohnt es sich, im Kaffeesatz nach der Wahrheit zu suchen. Aus dem, was manch einer so wegschmeißt, schaffen andere schließlich bisweilen ein Kleinkunstimperium. So gereicht die Veröffentlichung einer B-Seiten-Sammlung, eines Raritätenkabinetts, oftmals nur zum Winterschlussverkauf nach dem Motto: Alles muss raus. Bei den New Yorker Noise-Avantgardisten Sonic Youth, um die Gründungsmitglieder Thurston Moore, Lee Ranaldo und die Bassistin Kim Gordon, ist das anders, da sorgt schon eine Sammlung von Nicht-Veröffentlichungen für offene Münder und betretenes Schweigen, zumindest beim Fan. Mit "The Destroyed Room: B-Sides And Rarities" legen Sonic Youth jetzt ein Sammelsurium aus Bonustracks, B-Seiten und Unveröffentlichtem vor, das einmal mehr klarmacht: Es kann nur eine geben. Nur eine Band, die sich bei allem subtilen Popappeal derart dem Pop verweigert und ihn aus der Verankerung reißt.

SONIC YOUTH
aktuelles Album: "The Destroyed Room: B-Sides and Rarities" VÖ: 15.12.

Loam Galligulla
2006-11-16 13:20:17 Uhr
Scharf, 2x slide away an einem abend. Und beides 10/10er.
TheMACHINA of God
2006-11-16 12:50:04 Uhr
von wegen "windschatten von nirvana" und so,...
bei ihrer ersten europa tour waren nirvana (nur) eine supportband von sonic youth ;)


Der captain hat schon recht. The Verve waren auch mal Headliner mit Support von Oasis und jene und wurden später trotzdem deutlich größer.
Norman Bates
2006-11-16 12:18:13 Uhr
Was gibt's denn geileres als Gitarrenfeedback?
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