Ben Folds - Supersunnyspeedgraphic, the LP

Ben Folds- Supersunnyspeedgraphic, the LP

Epic / Red Ink / Rough Trade
VÖ: 20.10.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Supercalifragilisticexpialidocious

Chapel Hill, North Carolina. Siebziger Jahre. Das Ehepaar Folds hat da so ein spezielles Abonnement: Mit schöner Regelmäßigkeit bekommt es Post von den Lehrern ihres Sohnes Benjamin Scott. Nein, keine Glückwünsche zur außergewöhnlichen musikalischen Begabung des Kleinen, sondern kopfschüttelnde Beschwerdebriefe. Standardtext: "Ben macht seltsame Geräusche mit seinem Mund." Vielleicht hätte man ihn doch nicht schon mit zwei Jahren die Little-Richard-Platten rauf und runter hören lassen sollen? Als er mit zehn bei einem Gemeindefest zwanzig selbstkomponierte Stücke am Klavier performen will, fragen die Zuhörer nach dem dritten Lied, ob er denn vielleicht auch "Happy birthday" drauf hätte. Der kleine Folds steht wutschnaubend auf und geht.

Auch der große Folds zieht noch immer mit großer Hingabe sein eigenes Ding durch: 2003 veröffentlichte er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die EP "Speed graphic" - ausschließlich über den eigens dafür eingerichteten Online-Shop attackedbyplastic.com erhältlich. Es folgten zwei weitere EPs, "Sunny 16" und "Super D". Viele Fans hielten diese unkonventionell veröffentlichte Trilogie für das weitaus bessere "Songs for Silverman"-Album. Und tatsächlich hatten jene Songs genau das, was die Ben-Folds-Five-Alben und auch "Rockin' the suburbs" (2001) so liebenswert machte und dem beinahe verwirrend reifen 2005er Solo-Werk etwas fehlte: der Schalk im Nacken. Die Unberechenbarkeit. Die lässige Genialität.

"Supersunnyspeedgraphic, the LP" bündelt neun der EP-Tracks, teilweise in etwas anderen Versionen. Als Zugabe schenkt Folds uns "Bruised" von der gemeinsam mit Ben Kweller und Ben Lee aufgenommenen "The Bens"-EP, die ausschweifende Ballade "Still" vom "Ab durch die Hecke"-Soundtrack und die umwerfend charmant-amüsante Coverversion des Dr.-Dre-Songs "Bitches ain't shit". Auch die drei anderen Fremdkompositionen sehen nach einer Session im Salon Folds tiptop aus: "In between days" funktioniert sogar ohne schwarz geschminkte Augen, Folds pflügt sich mit wunderbar hysterisch koloriertem Tastenenthusiasmus durch The Darkness' "Get your hands off my woman" und verbeugt sich mit einer sanft pianierten Fassung von "Songs of love" vor seinem guten Freund und Songwriter-Kollegen Neil Hannon.

Trotzdem sind es - wer hätte auch ernsthaft anderes erwartet - seine eigenen Stücke, mit denen Folds sich mal wieder im Nullkommanichts in die Herzen spielt: Da wären vor allem die große, streicherumschwärmte Ballade "Learn to live with what you are" und "All U can eat" zu nennen, Gesellschaftskritik in bester Randy-Newman-Manier - "Son, look at all the people lining up for plastic / Would you like to see them in the National Geographic?" Die große musikalische Überraschung hat allerdings "Rent a cop" parat, eine erstaunlich perkussive Melange aus Motown, Funk und Fifties-Rock'n'Roll, die schließlich noch einen Streifenwagen mit groovenden Blechbläsern zur Verstärkung anfordert. Ben macht da übrigens auch so seltsame Geräusche mit seinem Mund. Man sollte seinen Eltern mal ein Glückwunschtelegramm schicken.

(Ina Simone Mautz)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • All U can eat
  • Learn to live with what you are
  • Bitches ain't shit
  • Rent a cop

Tracklist

  1. In between days
  2. All U can eat
  3. Songs of love
  4. There's always someone cooler than you
  5. Learn to live with what you are
  6. Bitches ain't shit
  7. Adelaide
  8. Rent a cop
  9. Get your hands off my woman (feat. Corn Mo)
  10. Bruised
  11. Dog
  12. Still

Gesamtspielzeit: 51:12 min.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum