Electrelane - Singles, B-sides & live

Electrelane- Singles, B-sides & live

Too Pure / Beggars / Indigo
VÖ: 22.09.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Stromschnellen

Die Klarheit des Titels erstaunt. "Singles, B-sides & live" enthält exakt das, was es verspricht: frühe Singles, verschollene B-Seiten und Liveaufnahmen. Soviel Transparenz ist man von Electrelane gar nicht gewohnt. Aber zum Glück ist der Titel so ziemlich das Einzige, was auf dieser verschrobenen Resteverwertung offensichtlich ist.

Denn all die feministischen und politischen Konnotationen, die in den Köpfen von Verity Susman, Emma Gaze, Mia Clarke und Ros Murray rumoren, sind vornehmlich Rahmenbedingungen und Fußnoten ihrer Musik. Aus ihnen speist sich die Unbequemlichkeit von frühen Fingerübungen wie "Le song" oder den Hyperventilationen von "Come on". Sie blitzen im abgeschabten Furor von "U.O.R." genauso auf wie im hypnotischen Groove von "Long dark", beim finsteren Bühnengetümmel von "Your pockets are people" oder den wippenden Oszillationen von "I want to be the president". Und sie rücken kundig verschepperte Coverversionen von Bruce Springsteens "I'm on fire" und Leonard Cohens "The partisan" ins rechte Licht. Oder eher ins linke.

Doch auch ohne die Implikationen erschließt sich das Dickicht aus Krautrock, Waverock, Postrock und Velvetundergroundrock. Wenn auch wie immer nur mit einem Geduldsfaden, der stark genug ist, um gegen das beständige Gitarrensägen anzukommen. Denn wie bei einer archäologischen Expedition zeichnen sich die faszinierenden Entwicklungsfäden deutlich ab: vom naiven Durcheinander der Frühphase bis hin zu den bei allen Mißklängen doch präzise strukturierten Verwirrungen. Von den spleenigen Orgelharmonien von "Film school" bis hin zum unwirklichen Malstrom von "Today".

Alle Dissonanzen und Verzerrungen scheinen einer widerspruchslosen Logik zu folgen, die es genauso unabdingbar machte, "The power out" und "Axes" von Geräuschabbilder Steve Albini umsetzen zu lassen wie das demnächst erscheinende "No shouts, no calls" im ehemaligen Funkhaus des Deutschen Demokratischen Rundfunks in Berlin-Oberschöneweide in Angriff zu nehmen. Und mit diesem vierten Album zunächst die Japaner zu überfordern. Denn was für Außenstehende einen verwegen kreiselnden Zickzackkurs darstellt, ist lediglich eine neue Auslegung des Prinzips "Geradeaus". Da kann man auch mal eine ganz klare Ansage zum Albumtitel machen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • I want to be the president
  • I'm on fire
  • Long dark (Albini version)
  • Oh Sombra! (John Peel session)

Tracklist

  1. Film music
  2. Come on
  3. Le song
  4. U.O.R.
  5. John Wayne
  6. I love my farfisa
  7. I want to be the president
  8. I only always think
  9. I've been your fan since yesterday
  10. I'm on fire
  11. Long dark (Albini version)
  12. Oh Sombra! (John Peel session)
  13. More than this (live)
  14. Birds (live)
  15. Those pockets are people/The partisan (live)
  16. Today

Gesamtspielzeit: 74:11 min.

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