Apoptygma Berzerk - Sonic diary

Apoptygma Berzerk- Sonic diary

GUN / Sony BMG
VÖ: 01.12.2006

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Zettelsalat

Unverhofft wurde es finster in Klingeltonien. Im letzten Jahr tauchten plötzlich die Norweger von Apoptygma Berzerk mit ihrem "You and me against the world"-Album aus dem Future-Pop-Dickicht auf und nahmen geradewegs Kurs auf die Playlisten von MTV und Viva. Da dort Dunkelheit zum Jungmädchen-Glück eher im Sinne von HIM-Schwärze oder The-Rasmus-Finsternis verstanden wird, brauchte sich niemand zu fürchten. Denn "In the shadows" ist es schließlich maximal flutlichtfinster. Und mit den gestriegelten Ersatzgitarren wurde aus den stromliniengerechten Elektronikern plötzlich so etwas wie eine echte Rockband. Was in Zeiten von The Killers, The Rasmus und The Tokio Hotel sowieso kaum einen Unterschied mehr macht.

Und so lassen sich die hübsch gescheitelten Stephan Groth, Geir Bratland, Fredrik Brarud, Angel Stengel und Anders Odden nicht nur von deutlich jüngeren Mädels anschmachten als bislang. Weil ihre Kirmes-tauglichen Cover von The House Of Loves "Shine on" und Kim Wildes "Cambodia" so lustige Ankommer waren, dürfen die Norweger jetzt aus ihrem immer schon offen ausgelebten Hobby sogar ein ganzes Album basteln. "Sonic diary" soll als reinrassiges Coveralbum natürlich keineswegs dazu dienen, die nordische Kuh zu melken, solange sie noch Mjölk gibt. Sondern vor allem die vielen Einflüsse beim Namen nennen, die schon immer für das Pop in APOPtygma Berzerk verantwortlich waren. Echt jetzt.

So ist denn die Namensliste nicht nur eindrucksvoll, sondern auch wenigstens für Uneingeweihte überraschend: Neben New Order, OMD und Kraftwerk stehen ausgerechnet The Velvet Underground, Marilyn Manson und Metallica. Deren frühzeitliche Powerballade "Fade to black" war für Apoptygma Berzerk nämlich schon auf dem schicken "Welcome to Earth" eines der flackernden Highlights. Überhaupt kennt man den Großteil dieser halbdunkel piepsenden Neuinterpretationen schon. Zumindest als Fachmann. Aber genau dieser Zielgruppe hat der jüngste Stilwechsel doch eher das Abstandhalten anempfohlen. Trotzdem soll die Handvoll neuerer und neu eingespielter Songs wie "Coma white" (Marilyn Manson) oder "Who's gonna ride your wild horses" (U2) für Spannung sorgen. Doch dann klingt Keanes "Bend and break" eher wie der gelangweilte Pet-Shop-Boys-Remix einer Placebo-Schnulze. New Orders "Bizarre love triangle" seufzt theatralisch ins Klavier. "The damned don't cry" (Visage) skizziert schließlich schon mal die Rache der Generation Crazy Frog am Indierock. Und das Beste an der unsäglichen Bastard-Pop-Variante von "All tomorrow's parties" ist, daß nach ihr versteckt noch das aufgedonnerte "Nothing else matters" wartet.

Die wirkliche Überraschung versteckt sich daher auf der limitierten Bonus-CD. Natürlich gibt es dort die obligatorischen Remixe, bei denen dann zum Beispiel Ladytron, Sono oder Northern Lite ihr Unwesen treiben dürfen und Mesh das hübsche "Mourn" mit einem David-Bowie-Riff kreuzen. Mittendrin aber zeigt sich, was hätte passieren können, wenn Kurt Ebelhäuser für das letzte Album nicht nur ein paar Gitarrenspuren eingeschrubbt hätte: Mit Blackmail im Rücken wird nämlich aus "Deep red" ein richtig hübsches Brett. Jetzt soll nur niemand fragen, welche Art Stil-Schublade man sich damit zurechtzimmern kann. Vielleicht probiert man eher einen Bilderrahmen. Da passen dann auch die BRAVO-Bildchen besser rein.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Fade to black
  • Coma white
  • Deep red (Blackmail version)

Tracklist

  • CD 1
    1. Cambodia
    2. Bend and break
    3. Who's gonna ride your wild horses
    4. A strange day
    5. Coma white
    6. Fade to black
    7. Shine on
    8. The damned don't cry
    9. All tomorrow's parties
    10. Electricity
    11. Ohm sweet Ohm
    12. Bizarre love triangle
    13. All tomorrow's parties (Nico vs. Apoptygma Berzerk)
  • CD 2
    1. Mourn (Mesh remix)
    2. Back on track (Northern Lite remix)
    3. Until the end of the world (Ladytron De Shape remix)
    4. Deep red (Blackmail version)
    5. Maze (Zombie Girl remix)
    6. Love to blame (Sono remix)
    7. Pikachu (Darkdream remix by Sonic Code)
    8. Love to blame (Pelton Trashy remix)
    9. Tuning in to the frequency of your soul (Syberpunk remix)

Gesamtspielzeit: 106:41 min.

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