Mogwai - Zidane: A 21st century portrait

Mogwai- Zidane: A 21st century portrait

Rock Action / PIAS / Rough Trade
VÖ: 03.11.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Kampf zum Spiel

Es sind nur die wirklich außerordentlichen Spieler, wegen derer man vergessen kann, daß Fußball doch eigentlich ein Mannschaftssport ist. Mal abgesehen von den Verwaltern der ran-Datenbank: Wer erinnert sich heute noch an den Staubsauger in Brasiliens Defensive, der Pelé den Rücken freihielt? Wie hießen die schwindeligen Engländer, denen Diego Maradona mit seiner göttlichen Hand den Ball ins Tor mogelte? Und wie hießen eigentlich die Stürmer, die bei der WM 1998 so konsequent versiebten, was ihnen Zinedine Zidane auflegte - und selbst so nicht verhindern konnten, daß die Franzosen am Ende Weltmeister wurden? Alles vergessen, alles egal. Es sind nur die Spieler geblieben, die über den Gesetzmäßigkeiten des Fußballs stehen. Die Spieler, die deshalb auch für Künstler aus weit entfernten Fachgebieten spannend sind.

Douglas Gordon und Philippe Parreno haben der europäischen Presse zufolge einen beispiellosen, vielleicht den besten Sportfilm aller Zeiten gedreht, indem sie Zidane letztes Jahr während eines Real-Madrid-Spiels gegen den FC Villareal mit 17 Kameras gefilmt haben. 92 Minuten lang sieht man nur Zidane, die Entschlossenheit in seinen Augen, den Schweiß auf seiner Stirn, das Pech an seinen Schuhen. Er flog in diesem Spiel vom Platz, leitete vorher aber immerhin ein Tor von Ronaldo in die Wege. Mogwai staubten den Auftrag der musikalischen Untermalung des Films ab, Schottlands Filigrantechniker mit den groben Händen und Seelen, die wie gemacht scheinen für diesen Job.

Was nach getaner Arbeit übrig blieb, war ein ganzes Songbook voller Skizzen und Fragmente, die - sofern man dem Trailer des Films glauben darf - tatsächlich schwerwiegend zur Intensität des unvorstellbaren Projekts beitragen. Mogwai haben die Einzelteile anschließend weiter beackert, neu gemischt und ausgebaut, bis schließlich zehn Songs und ein Album daraus wurden. "Zidane: A 21st century portrait" ist dabei in sich gekehrter als zuletzt das vergleichsweise offensive "Mr. Beast", es wurde gänzlich instrumental gehalten und spielt trotz seiner furchteinflößenden Liedtitel niemals am Rande einer roten Karte. Keine Ausbrüche oder offensichtlichen Crescendi, nur Treiben, Fließen, Schwelgen - eingegossen in Musik, die schon bei normaler Geschwindigkeit klingt, als würde sie in Super-Slowmotion abgespielt. Isoliert vom Film entwickelt diese Platte eine regelrecht meditative Stimmung.

Wer dem Verstand allerdings nicht erlaubt, schon nach den ersten Tönen des einlullenden "Black spider" wegzudriften, stößt schnell an die Grenzen dieser Songs. Letztlich fehlt ihnen die Tiefe und abgerundete Vollendung sonstiger Mogwai-Alben, am Ende können sie einen einfach nicht lange genug beschäftigen, fordern und verladen, um abseits ihrer verwandten Bilder zu glänzen. Obwohl das quengelnde "Terrific speech 1" trotzig in den Fingerspitzen kribbelt. Auch wenn das schlagzeuglose "Wake up and go berserk" erstaunliche Melodiereste aus seinen Feedbackzüchtungen herausschält. Die Luft wird schon vor den höchsten Gipfeln dünn, aber man sollte das diesmal ja ohnehin nicht so ernst nehmen. Es ist schließlich nur Fußball.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Wake up and go berserk
  • Terrific speech 1
  • Black spider 2

Tracklist

  1. Black spider
  2. Terrific speech 2
  3. Wake up and go berserk
  4. Terrific speech 1
  5. 7:25
  6. Half time
  7. I do have weapons
  8. Time and a half
  9. It would have happened anyway
  10. Black spider 2

Gesamtspielzeit: 73:58 min.

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