Rockformation Diskokugel - La bola privada

Rockformation Diskokugel- La bola privada

Blickpunkt Pop
VÖ: 12.03.2001

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Diskofox mit Derrick

In einer finalen Abwehrschlacht des guten Geschmacks wurde Ende der 80er Jahre die Neue Deutsche Welle zu Grabe getragen. Fast zehn Jahre hatte dieser Auswurf des Bösen die Radiostationen in seinem Griff, bestimmte den sogenannten Modegeschmack der breiten Masse und versklavte ungezählte Synthesizer. Nach dem Sieg des Guten wäre wohl ein Jahrzehnt der Glückseligkeit und des guten Stil hereingebrochen, wären nicht dämonische Nachfahren in Form von Chartsmusik, Techno und Neuer Deutscher Härte aus der Gruft gekrochen. Aber auch die NDW war leider nicht so tot wie lange angenommen. Im Untergrund machten sich einige mehr oder weniger begabte Musiker daran, die alten Synthesizer wieder auf Kitsch zu programmieren und klauten ungeniert Samples bei der volkstümlichen Hitparade, um jetzt im Jahre 2001 unter dem Namen "Rockformation Diskokugel" wieder aus dem Schatten zu treten.

Dabei beginnt "La bola privada" durchaus versöhnlich: "Ich hasse die Disko" ist eine treffende Charakterstudie der deutschen Jugend und karikiert die Belanglosigkeit der Abendunterhaltung auf gelungene Weise: "Alles was ich hab, alles was mir bleibt: Zwangsversteigerung meiner Freizeit". Humor ist bekanntlich eine ernste Angelegenheit und der Grat zwischen gelungener Parodie und plumpen Gassenhauern ist schmal. Zu schmal jedenfalls für die Diskokugel: Die Forderung nach Sex mit dem Derrick-Assistenten Harry Klein oder der Eiweißfleck auf Monika Lewinskys Kleid sind da nur zwei von vielen pubertären Ausfällen. Die Kalauer der untersten Schublade leiden zudem an ihrer kurzen Halbwertszeit. Nach zwei Hörspülungen hat sich der Schmunzelfaktor aufgebraucht und "La bola privada" verschwindet auf Nimmerwiedersehen im Regal.

Die unzähligen musikalischen Ausfälle sind der Aufzählung nicht werd. Schlicht billig wird man unter Gefiepe begraben, Schlager und NDW streiten sich um die Hauptschuld am verhunzten Klang. "Das Einzige, was dieses Lied retten kann, sind 666 Synthesizer" zeugt zwar von Selbsterkenntnis, verrät aber auch, daß die Band den Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit noch nicht entdeckt hat. Gipfel der Frechheit ist jedoch das Ganze als "Popsong der Postmoderne" zu verkaufen. Wenn das die Zukunft deutscher Pop-Musik ist, werde ich mich noch heute ans Ausfüllen eines Asyl-Antrags begeben.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Ich hasse die Disko

Tracklist

  1. Ich hasse die Disko
  2. Tagebuch
  3. 666 Synthesizer
  4. Monika
  5. Club 2000
  6. Statist bei Derrick
  7. Die Kugel privat
  8. Josef K.
  9. Mörder-Samba
  10. Popsong der Postmoderne
  11. Bald bist du alt
  12. Schluss mit lustig

Gesamtspielzeit: 49:13 min.

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