Foo Fighters - Skin and bones

Foo Fighters- Skin and bones

RCA / Sony BMG
VÖ: 17.11.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

When I sing along with you

Heiseres Krächzen, das laute Summen der Kameras und die glühende Hitze der Scheinwerfer. Die Luft ist zum Zerschneiden und das Publikum elektrisiert wie ein angeschlagener Blitzableiter. Das Cello streift melancholisch durch Sphären einer düster-morbiden Schwerelosigkeit, der Baß weht knapp über der Herzfrequenz, der Protagonist zelebriert seine Depressionen vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Ein Zauber umhüllt diese Nacht, die ihre Funken für immer am Knistern halten wird. Und der Schlagzeuger denkt sich: "Einmal will auch ich auf diesem Hocker in der ersten Reihe sitzen."

Dieser Schlagzeuger heißt Dave Grohl. Und aus der Novembernacht von einst ist eine Sternstunde der Musikgeschichte geworden. Während sich die einen immer noch an Gedanken wie "Mysterium" und "Depression deluxe" festhalten, zieht Grohl einfach die Samthandschuhe an und macht einen akustischen Traum wahr. Grohl erinnert sich an Hits aus guten und schlechten Zeiten. Mit Konfetti und Feuerschlag. Eine Begegnung mit alten Weggefährten und gemischten Gefühlen. Die Setliste brilliert mit monströsen Hymnen, kleinen Nackenschlägen und unglaublich viel Gefühl. "Razor" zelebriert einen manischen und hypnotisierenden Einstieg, Grohl zärtelt ungewohnt mit seinen Stimmbändern. Währendessen schleicht die Violinistin Petra Haden auf die Bühne. Die Kollegen Hawkins, Mendel und Shiflett werden stürmisch begrüßt. Die Spannung steigt. Finger kribbeln. Das Herz pocht. Die Show kann beginnen.

Auf ihrem ersten Live-Album entwickeln die Foo Fighters ein Treiben, einen Strudel, der sich von der ersten bis zur letzten Minute auflädt, sich anspannt. Das scheue "Walking after you" wird herausgekramt, die wunderschöne einstige Nirvana-B-Seite "Marigold" schnörkellos dahergezirpt. Nachdem die ersten Stimmbänder bei "My hero" ausfallen, setzt das unterschätzte "Next year" zum großen Überraschungserfolg an. Mundharmonika aus der Tasche, Melodie auf die Ohren und triefende Speichelfetzen aus dem Mund. Das kann ja noch heiter werden.

Und tatsächlich: Der alte Haudegen Pat Smear weiß nicht, wie ihm geschieht. Unrasiert und schlecht blondiert steht er auf der Bühne, Rami Jaffee von den Wallflowers streichelt sein Klavier, und Petra Haden übernimmt den Hintergrundgesang. "Big me" heißt das Ergebnis und versteckt sich vor der schnellen Erkennung. Himmlischer Pop, leidenschaftliche Versuchung, ein sanfter Grohl. Das brodelnde "February stars" wird gefeiert, "Best of you" aufopferungsvoll von Grohl und seiner Akustikgitarre für vogelfrei erklärt. Das Publikum juchzt, schreit und zerfließt in bester U2-Manier. Und sicher: Einer geht noch.

Die Halsschlagader der Band, das Herz ihrer Songs, die Blutbahn ihres musikalischen Kreislaufs: "Everlong" explodiert als großer Abschluß eines kurzweiligen, stimmungsvollen und erlebnisreichen Abends. Ein kleiner Wehrmutstropfen: Ausgerechnet auf das sehnlichst erwartete "Hey Johnny Park" und das bittersüße "Doll" wartet man vergeblich. Doch mindestens Grohl kann einen wahrgewordenen Traum auf seiner mittlerweile wohl ziemlich kurzen Liste streichen. Als nächstes steht eine Reunion an. Zumindest Pat Smear kann das Hoffen nicht einstellen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Razor
  • Next year
  • Big me
  • February stars
  • Everlong

Tracklist

  1. Razor
  2. Over and out
  3. Walking after you
  4. Marigold
  5. My hero
  6. Next year
  7. Another round
  8. Big me
  9. Cold day in the sun
  10. Skin and bones
  11. February stars
  12. Times like these
  13. Friend of a friend
  14. Best of you
  15. Everlong

Gesamtspielzeit: 73:11 min.

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