Moby - Go - The very best of Moby

Moby- Go - The very best of Moby

Mute / EMI
VÖ: 03.11.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Vom Walfang an

Richard Melville Hall ist längst einer der wichtigsten Vertreter der zumindest noch in Maßen ernstzunehmenden MTV-Landschaft. Nach einer abgesehen von ein paar kleinen Clubhits weitgehend völlig unbekannten Frühphase gelang dem sympathischen New Yorker mit "Play" 1999 dann doch der Durchbruch. Doch selbst der ließ ein Jahr nach der damaligen Erstveröffentlichung noch auf sich warten. Und dann wurde "Why does my heart feel so bad?" gestreut. Dieser kleine elektirsch verstärkte Überhit, mit der gesichtslosen, schwarzen Stimme, die derart voller Trauer und Hoffnungslosigkeit war, daß Millionen von Zuschauern nie fähig waren wegzuschalten, wenn Melodie und Refrain mal wieder irgendwo erklangen. In Dokumentationen über Afrika oder den Nahostkonflikt und gerne auch in Reportagen über Legebatterien. Und so weiter und so weiter. Die Welt zelebrierte die gemeinsame Melancholie, Moby wurde Schwerverdiener, und die britische TripHop-Szene fragte sich, was sie eigentlich die ganzen Jahre vorher so falsch gemacht hatte. Dann kam 9/11, und Moby schrieb mit "18" den Soundtrack dazu.

Was zunächst fatal an einen Slogan für narbengesichtige Besserverdiener erinnerte, entpuppte sich als verdammt erfolgreicher und sogar funktionierender "Play"-Aufguß. Wäre ja auch Verschwendung, einen Teebeutel nur einmal zu benutzen. Moby jedenfalls machte das genaue Gegenteil von Erfolgseinbußen durch. Kaum eine Marketing-Abteilung, die sich nicht um einen seiner Tracks in der eigenen Werbung riß. Und Mr. Hall kümmerte sich fleißig um sein veganes Restaurant. Löblich. "We are all made of stars", die Megasingle auf "18" ließ dann sogar die Freudentränen Millionen Amerikaner fließen, als diese den Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City betrachteten. Hoch über sämtlichen islamischen Staaten. Und allen anderen.

Hoch über sämtlichen islamischen Staaten befanden sich zudem unzählige amerikanische Bomber. Das fand Moby dann wiederum nicht mehr so gut. Mahnte und mahnte und wollte mit dem reaktionären Washington, D.C. nichts zu tun haben. Verschanzte sich im blauen New York und konnte sich nach der unappetitlichen Bush-Wiederwahl noch immer wohlfühlen. Denn im Big Apple holten die Demokraten saftige 90 Prozent. Moby sah sich als legitimer Wahlhelfer und somit Mitgewinner. Noch immer chartet eine Single nach der anderen. Und doch ist nicht immer alles so glänzend und poliert wie seine Glatze, was Moby betrifft. Diese Best Of zum Beispiel. Hierbei handelt es sich um nichts anderes als eine handelsübliche Singles-Versammlung, der ausgerechnet das umwerfende Mission-Of-Burma-Cover "That's when I reach for my revolver" abgeht. Subversion paßt nicht ins Weihnachtsgeschäft. Viel feierlicher sind da doch die bereits erwähnten "Why does my heart feel so bad" und "We are all made of stars". Der erste und einzig wirklich erfolgreich Chartstürmer auf "Hotel" namens "Lift me up". Oder das pumpende "James Bond theme (Moby's re-version)". Man muß kein Fan sein, um diese Songs zu kennen.

Enttäuscht sein darüber, daß Moby scheinbar nicht mehr als seine Singles zu bieten hat, darf man aber allemal, sofern man kein Kenner der Alben ist. Wo sind Kopfnicker wie "The rafters" und "Run on", Donnerbalken wie "Thousand" oder heimliche Hits wie "Bodyrock", "Next is the E" oder "Extreme ways", das immerhin Titelmusik für "The Bourne identity" wurde? Als faden Ersatz gibt es hier "Find my baby", das auch nur in gewohnter Manier mit leicht farbigem New Yorker Leitungswasser kocht und Roots-Lyrics mit einem Beat mixt, sowie den neuen Track "New York, New York". Nach Vorhersehbarkeiten wie "Honey" und "Feeling so real" ist diese Sammlung dann auch schon durch. In nicht einmal einer Stunde. Etwas ungläubig sitzt man da und weiß nicht, was "Go - The very best of Moby" eigentlich soll. Es muß wohl in der Familie liegen: Herman Melville, der Ururgroßonkel von Richard Melville, ist schließlich trotz vieler weiterer Romane auch nur für sein "Moby Dick" in Erinnerung geblieben.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Why does my heart feel so bad?
  • Go
  • We are all made of stars
  • Honey

Tracklist

  1. Natural blues
  2. Lift me up
  3. Porcelain
  4. In this world
  5. Why does my heart feel so bad?
  6. James Bond theme (Moby's re-version)
  7. Go
  8. New York, New York (feat. Debbie Harry)
  9. Find my baby
  10. In my heart
  11. Feeling so real
  12. We are all made of stars
  13. Move (You make me feel so good)
  14. Honey
  15. Slipping away (Crier la vie) (with Mylene Farmer)

Gesamtspielzeit: 54:50 min.

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User Beitrag
Armin
2006-12-11 13:05:22 Uhr
Einerseits Werbung, andererseits auch ein interessanter Hinweis, über den sich mancher freuen könnte. Alle anderen bitte ich um Entschuldigung und darum, das Posting zu ignorieren.

Jedenfalls: "GO - The very best of Moby" gibt's nur heute hier bei CD WOW! für 9,99€ incl. Versand.
Scoundrel
2006-11-21 07:56:12 Uhr
leider nicht das erste und leider nicht das letzte...! Und leider wird's auch noch immer gekauft wie verrückt!
Und auch WENN mal was exklusives oder neues drauf ist, meistens ist das dann entweder ein schrottiger Single-Schnellschuss oder altes Material wo man sofort heraushört, WARUM es vorher nie veröffentlicht wurde...
Gutmensch
2006-11-21 02:22:03 Uhr
Nach dem sehr gutem "Play" gings leider bergab.
Wenn denn wenigstens ein paar Raritäten sprich unbekanntere Sachen oben wären. Aber so ein hingerotztes Best-of braucht keiner.
Scoundrel
2006-11-20 23:01:34 Uhr
und desweiteren fehlt da ja auch alles aus seiner Techno und Punkrock-Phase!
Nur nicht die Leutchen da draussen verschrecken und ihnen schön brav das vorsetzen was sie EH schon kennen... Weihnachten steht vor der Tür und die "Best-of-Greatest-Hits-Singles-Collections" kommen mal wieder in Scharen über uns...juchuh!
alfred
2006-11-20 22:47:04 Uhr
seine songs kann man nur 3 bis 4mal hören und das wars dann....
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