Acoustic Ladyland - Skinny grin

Acoustic Ladyland- Skinny grin

F-Ire / V2 / Rough Trade
VÖ: 17.11.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Freie Radikale

Die Gerüchteküche brodelte. Und wirklich: Auf "Skinny grin", dem dritten Silberling von Acoustic Ladyland, wird das so ungleiche Paar von Rumpelpunk und Freejazz gleich mehrfach innig umschlungen gesichtet. Genau genommen nicht nur die beiden. Gleich ein knappes Dutzend gegensätzlichster Stilrichtungen vernascht sich hier gegenseitig. Herausgekommen ist dabei eine der vielleicht wahnwitzigsten, spannendsten aber auch radikalsten Platten des Jahres. Nachdem schon ihre ersten beiden Alben in England abgefeiert wurden und sie gleich mit ihrem Debütalbum 2004 zum aufregendsten Jazz-Act des Landes avancierten, soll jetzt auch der Rest der Welt von ihrem ungewöhnlichen Sound überrascht werden.

Mal werden verträumte Klavierpassagen und lyrische Cellomelodien hinterrücks durch biestige Rockriffs überwältigt, dann toben die vier virtuosen Herren in Höllentempo durch hektische Speedpolkakissenburgen, die mitten im Stück über sich selbst stolpern, plumpsend auf die Seite fallen, wie Speedy Gonzales weiterrasen und nach zwei Minuten in Höchstgeschwindigkeit gegen die Wand klatschen. Pete Wareham, der Saxophonist und Frontmann gurrt, keift und kräht bis die Lungenbläschen platzen, um urplötzlich wieder mit unverhoffter Zartheit die gerade aufgerissenen Kratz- und Beißwunden zu streicheln. Seb Rochford wirbelt erstaunlichste Groove-Teppiche. Orgeln quieken, Hummelschwärme surren zu flackernden Breakbeats. Klare Songstrukturen, brechen inmitten auseinander, aus der Umzäunung eingängiger Gesangslinien wuchert wüster Wildwuchs, rast von dannen, kehrt aber nach kurzem Toben aber freiwillig und rechtzeitig wieder zurück. Zuckerbrot und Peitsche.

Produziert von Paul Epworth, der schon die Debüts von Bloc Party, den Futureheads oder Maximo Park veredelte, tanzen hier knackige New Wave-Songs mit freien Exzessen John Coltranes, beißen und zerreißen sich Melodieseligkeit und Chaos. Mal klingt es, als ob Art Brut gemeinsam mit Jimi Hendrix halluzinogene Pilze gefrühstückt hätten. Dann, als ob John Zorn sich zum neuen Mastermind der Bad Brains aufgeschwungen oder Kurt Weill gemeinsam mit Franz Kafka ein Gang-Of-Four-Konzert besucht hätte. Und mittendrin verpaßt auch noch Altmeister Scott Walker der Single "Saltwater" ein paar zusätzliche Mix-Neurosen. "Skinny grin" ist ein schräger, rotziger Brocken geworden, der weder Jazz noch Punk, weder New Wave noch Pop ist und doch alles zugleich. Ein forderndes Monster, das kratzt und beißt, doch enormen Sex-Appeal hat. Wer den Mut besitzt, sollte ein Ohr riskieren: Diese Jungs sind aufregend anders.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Road of bones
  • That night
  • The rise

Tracklist

  1. Road of bones
  2. New me
  3. Red sky
  4. Paris
  5. Your shame
  6. Skinny grin
  7. Salt water (Scott Walker mix)
  8. Cuts & lies
  9. Glass agenda
  10. That night
  11. The rise
  12. The room
  13. Hitting home

Gesamtspielzeit: 46:55 min.

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