Snoop Dogg - Tha blue carpet treatment

Snoop Dogg- Tha blue carpet treatment

Interscope / Universal
VÖ: 17.11.2006

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Who let the Dogg out?

Snoop Doggy D to da O and Double-G is back. Haters verstecken sich lieber hinter den Zäunen, denn mit "Tha blue carpet treatment" hat der Doggfather einen Drive-by auf Platte gepreßt. Einen Drogendeal vertont. Den Hustle eingefangen, wie er tagtäglich von seinen Homeboyz auf den Streets gelebt wird. Da game is to be sold, not to be told. So steht es jedenfalls geschrieben. Und der dänische Kronprinz macht sich auch mal besser auf und davon. Das achte Album in genau 13 Jahren. Kein schlechter Output. Ein wahrer Gee weiß, was Fleiß heißt. Aber wieso arbeitet der Mann eigentlich noch, hat er nicht alles, was man sich nur erträumen kann? Swimming Pool? Lächerlich. Eigene Schuhmarke? Standard. Skateboardfirma? Pussystyle. Grasrabatte bei sämtlichen Dealern der Staaten? Normal. Freien Eintritt in jeden Club der Welt? Eh klar. Eigene Actionfiguren? Haben andere auch. Spielt alles keine Rolle.

Snoop Dogg ist nicht der credible Gangsta, der er vorgibt zu sein, das sollte sich wohl mittlerweile rumgesprochen haben. Snoop Dogg ist vor allem eines: ein Narzißt. Der Mann genießt nunmal, daß sich alle darum reißen, einen Track auf seinen Platten zu featuren. Der Mann genießt es, daß ganz Naughty Silicon America sich darum reißt, sich in einem seiner Videos die Blöße zu geben. Der Kerl dreht Pornofilme, und die Kids jubeln ihm zu. Der Kerl rülpst auf der Bühne, und die Kids jubeln ihm zu. Der Kerl hatte es noch nicht einmal nötig auf dem Cover von "Tha blue carpet treatment" seine Mitesser entfernen zu lassen. Es sind verdammt nochmal SEINE Mitesser, kapiert?

Und wo gerade die Rede von der Feature List war: Wenn die Feature List von einem P. Diddy exorbitant ist, dann trägt die von Snoop einen Adelstitel und fährt einen eigen Rolls Royce. Hier ein paar Namedroppings, der ein oder andere auch in manchen Karteikarten des FBI, der Drogenfahndung, oder sonstigen Organisationen wiederzufinden: Ice-Cube, R. Kelly, Dr. Dre, Damian Marley, Nate Dogg, Stevie Wonder, The Game, Kurupt, George Clinton und noch einige mehr. Natürlich legt Snoop keinen Wert auf die Aktualität seiner Namen, sondern irgendwo auch auf Exklusivität und Stil. Wie bei Weinen. Aber das ist mehr oder minder egal, weil die ganzen Namen sowieso nur dazu dienen, gut auf dem Rücken der Platte auszusehen. Viel kommt dabei nicht rum. Höchstens bei "That's that shit" mit R. Kelly, wo dieser die Porno-Hook übernimmt. Auch sehr interessant ist das Selbstvertsändnis der Künstler: "The royal penis is clean now, Your Highness." So ist das also, okay. Dann gibt es noch die aktuelle Single und den vielleicht besten Track dieses vertonten Plastikregals: "Vato" mit Kastraten-Gangsta B-Real (wahren Ghettoboyz besser bekannt als B-Kloppt) und - natürlich! - den Neptunes als Produzenten. In dem Track geht es irgendwie um verfeindete Typen, so Schwarze und Hispanics, die sich gegenseitig die Eier schaukeln, Koks dealen und gefährlich mit ihren Uzis, Kalaschnikows, MGs, Panzerfäusten und Raketenabwehrsystemen in die Kamera zähneknirschen.

Es ist nicht auszuhalten. Jeder Track auf Snoop Doggs neuem Album klingt wie ein großer Batzen Pappmaché. Es fehlt allerdings der Sticker mit der Aufschrift "Made in China". Alles klingt abgestanden, uninspiriert, langweilig, stumpf und billig. Nichts gegen Produkte aus China, aber musikalisch beweist Snoop Dogg ausschließlich, daß er etwa zehn Jahre hinterher hängt und so zeitgemäß ist wie Coolio. Daß nicht mal die durchaus credible Produzentenriege um Timbaland und The Neptunes dem Gastgeber und seinen Gästen die Moderne beibringen und die Songs aufhübschen konnte. Daß das Zwischenhoch mit den Singles "Drop it like its hot" (Pharrell sei Dank) und vielleicht noch "Signs" (Justin Timberlake sei Dank), die ihm plötzlich heimliche Fans aus dem Rocklager und vielleicht auch diese Rezension hier eingebracht haben, nicht von Dauer sein konnte. Daß sich der wahre HipHop längst ganz woanders abspielt und er nur noch eine kleine, zwar glänzende, aber doch vergleichsweise billige Marke auf dem amerikanischen Markt ist. Was der große Mann zu verkaufen versucht, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Und ganz gewiß nicht innovativ. Wenn überhaupt etwas, dann nur peinlich. Aber die Kids wird es nicht stören. Snoop Rütli Dogg hat es mal wieder geschafft.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Vato (feat. B-Real)

Tracklist

  1. Intrology (feat. George Clinton)
  2. Think about it
  3. Crazy (feat. Nate Dogg)
  4. Vato (feat. B-Real)
  5. That's that shit (feat. R. Kelly)
  6. Candy (feat. E-40, MC Eiht, Goldie Loc,Daz and Kurupt)
  7. Get a light (feat. Damian Marley)
  8. Gangbangin 101 (feat. The Game)
  9. Boss' life (feat. Akon)
  10. LAX (feat. Ice Cube)
  11. 10 'lil Crips
  12. Round here
  13. A bitch I knew
  14. Like this (feat. Western Union)
  15. Which one of you (feat. Nine Inch Dix)
  16. I wanna fuck you (feat. Akon)
  17. Psst! (feat. Jamie Foxx)
  18. Beat up on yo pads
  19. Don't stop (feat. War Zone)
  20. Imagine (feat. Dr. Dre & D'Angelo)
  21. Conversations (feat. Stevie Wonder)

Gesamtspielzeit: 78:01 min.

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