Yourcodenameis:Milo - Print is dead Vol. 1

Yourcodenameis:Milo- Print is dead Vol. 1

V2 / Rough Trade
VÖ: 03.11.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Too much is never enough

Was war es, das die Irren von Yourcodenameis:Milo zu dieser kranken Idee veranlaßt hat, ein Kollabo-Album zu erstellen, bei dem an jedem Song ein Mitglied einer weitaus bekannteren Band oder wenigstens ein halbwegs prominenter Solokünstler mitarbeitet? Größenwahn oder doch Minderwertigkeitskomplexe? Mut zum großen Experiment oder Angst vorm einsamen Versagen? Langeweile oder Tatendrang? "Print is dead Vol. 1" gibt hierauf keine Antwort. Denn eigentlich ist diese Platte eine kleine Überraschung: Solche Homogenität zwischen den einzelnen Songs auf Albumlänge hätte man nämlich angesichts der Tracklist samt Feature-Nennung niemals erwartet. Alles paßt, nichts wirkt zuviel, und dabei lauern überall Überraschungen. So zum Beispiel der Opener "Greetings", der einen eher in südstaatliche Indie-Gefilde entführt und einem den berühmten gelben Strohhut aufsetzt, so daß man sich fragt, wann denn offiziell das New Weird Britain ausgerufen wird.

Oder das unglaublich tanzbare und klischeetriefende "Wait a minute", welches mit Gordon Moakes aufgenommen wurde, der seine Brötchen am Baß von Bloc Party verdient. Wenn also der Gast am Baß steht, muß dieser auch das Zentrum des Songs darstellen. Logisch. Und aus dem Hintergrund schallt Frontsirene Paul Mullen zum Takt. Ungefähr so wie auf dem Vorgänger "Ignoto", einem furiosen Mix aus Post-Hardcore, aktueller britischer Populärmusik und genug Irrsinn, um sämtliche Clubs Englands mit Benzin zu fluten und lichterloh ins Jenseits lodern zu lassen. Samt Publikum. In Deutschland nie veröffentlicht, in England ein Mini-Hype. Und jetzt haben auch die Hintermänner von Yourcodenameis:Milo begriffen, daß auch nach Deutschland etwas von dieser Band getragen werden muß. Ob hierbei für den Anfang ein solches Experiment der optimale Start ist? Ein Fehlstart ist "Print is dead Vol. 1" jedenfalls nicht. "What's that coming over the hill?", fragt man sich dann bei "The trapeze artists", welchem gleich eine ganze zweite Band zur Verfügung stand: die aktuellen Überflieger The Automatic. Da ist er wieder, der Postcore-Sound. "I remember the summer isles" wiederum klingt eins zu eins wie ein Song der Futureheads. Einer von den guten. Nicht weiter verwunderlich: Ross Millard, seines Zeichens Frontmann eben genannter Band, übernimmt die Lead-Vocals.

Dann gibt es da noch Kurioses wie "Deborah bow" mit den Knallchargen von Field Music oder den Grime-Track "Ordinary day" mit einem Mann namens Lethal Bizzle. Was man davon halten soll, bleibt unklar. Gewiß jedoch ist, daß man diesem Kerl nachts lieber nicht begegnen möchte, so gefährlich wie der klingt. Selbst ein Ausflug nach Hardcorehausen bleibt dem Hörer nicht ausgespart. "Captain of lies" mit einem Schreihals namens Reuben ist mit im Gepäck und kickt mal so gar nicht bis völlig am Ziel vorbei. Anders "Tiny vessels", eines der Highlights dieser Scheibe mit Geheimtip und Wichtigtuer Get Cape. Wear Cape. Fly alias Sam Duckworth. Leicht elektronisch, recht entspannt und zum Mitnicken einladend wird auch schon das Ende der Scheibe eingeläutet. "Noah" beginnt mit sakralen Gesängen, endet aber auf schlechten Drogen. Wie so viele andere Exkursionen in biblische Gefilde. Wer zu Tischtennisturnieren geht, um zu tanzen, hat jedenfalls auch hier seinen Spaß. Und was soll man am Ende nun sagen? Unschlüssigkeit läßt sich aus dieser Zeile rauslesen. Einerseits interessante und experimentelle Spielereien und andererseits doch nur Effekthascherei? Vielleicht gibt "Print is dead Vol. 2" eine endgültige Antwort.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Greetings (feat. Hot Club De Paris)
  • Tiny vessels (feat. Get Cape. Wear Cape. Fly)

Tracklist

  1. Greetings (feat. Hot Club De Paris)
  2. Wait a minute (feat. Gordon Moakes of Bloc Party)
  3. The trapeze artists (feat. The Automatic)
  4. I remember the summer islands (feat. Ross Millard of The Futureheads)
  5. Roots/branches (feat. Tom Vek)
  6. We hope you are what you think you are (feat. Martin Grech)
  7. Deborah bow (feat. Field Music)
  8. Captain of lies (feat. Reuben)
  9. Ordinary day (feat. Lethal Bizzle)
  10. Tiny vessels (feat. Get Cape. Wear Cape. Fly)
  11. Noah (feat. Lukas Wooller of Maximo Park)

Gesamtspielzeit: 45:41 min.

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