Weird Al Yankovic - Straight outta Lynwood

Weird Al Yankovic- Straight outta Lynwood

Way Moby / Volcano / Sony BMG
VÖ: 24.11.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Gulaschkanone

Eigentlich sollte er Schützenkönig ehrenhalber sein. Auf Lebenszeit. Denn Weird Al Yankovic traf bislang mit jedem Schuß. Gut, seine Opfer waren schon immer die eher einfachen. Ein Michael Jackson, den er mit "Eat it" und "Fat" neue Tischmanieren beibrachte, hörte damals immerhin noch den einen oder anderen Schuß. Aber daß P. Diddy ("It's all about the Pentiums") und The Offspring ("Pretty fly for a rabbi") einen reinbekamen, war nur gerecht. Doch selbst bei diesen leichten Zielen ist Yankovics Spott stets so liebevoll wie nötig - da sind dann auch so herzliche Verhohnepiepelungen von "Smells like teen spirit" ("Smells like Nirvana") und "Mmh mmh mmh mmh" ("Headline news") drin.

Das sind die offensichtlichen Fakten. Weniger bekannt ist aber zum Beispiel Yankovics Leidenschaft für Polka, die ihm auch auf "Straight outta Lynwood" erlaubt, querfeldein durch den Hitgarten zu pflügen. Wenn in "Polkarama" unter anderem Weezer, Modest Mouse, Franz Ferdinand, Coldplay, The Killers, Gorillaz, Rihanna, die Pussycat Dolls, die Black Eyed Peas, Snoop Dogg und 50 Cent ihr Bigosch abbekommen, wächst zusammen, was nie zusammengehörte. Und fällt laut prustend auseinander. Was hier allein schon aus "Candy shop" gemacht wird, ist schon der ziemliche Brüller.

Kommen wir zum Neuen: Daß "White & nerdy", die hornbebrillte Verarsche des Pimp-Geprolles "Ridin'" von Chamillionaire feat. Krayzie Bone, mit Zeilen wie "M.C. Escher, that's my favorite M.C." oder "I'm fluent in JavaScript as well as Klingon" nicht nur perfekt das Nerd-Leben einfängt, sondern damit sogar die US-Charts stürmt, war nicht vorauszusehen. Der erste TopTen-Hit in Yankovics an treffsicheren Pointen nicht eben armen Karriere. "Yo, I know pi to a thousand places / Ain't got no grills, but I still wear braces." Selbst die verspottete Zielscheibe fand Yankovics Raps so gelungen, daß Chamillionaire "White & nerdy" auf seine eigene Myspace-Seite setzte. Und im mal wieder vortrefflichen Video haut Yankovic auch noch einen gegen Atlantic Records raus. Die hatten ihm die vom unsäglichen James Blunt schon abgesegnete Versenkung "You're pitiful" untersagt. Dafür vandalisiert Weird Al nun also nicht nur deren Wikipedia-Eintrag, sondern verschenkt den Song obendrauf und bewirbt sich damit für den Download des Monats.

Zurück zu dem, was tatsächlich auf dem Album gelandet ist: Mit den typischen Milchglas-Gitarren baut Yankovic aus der Green-Day-Vorlage einen "Canadian idiot" und klagt sich in "I'll sue ya" mit Dicke-Hose-Riffs durch die kompletten USA. In "Pankreas" führt er eine fachkundige Autopsie von Brian Wilsons Bauchspeicheldrüse durch, zertritt in "Weasel stomping day" fröhlich grinsend ein paar absurdere Landeierbrauchtümer, gibt nebenbei R. Kelly und Usher noch einen mit und knöpft sich schließlich mit dem herzzerreißend pathetischen "Don't download this song" die Kriminalisierungskampagne der RIAA vor. Dabei ist der Vorzeigenerd stets so stilbewußt, daß er absichtlich wie eine preisgünstige Ausgabe der routinierten Hochglanzproduktionen klingt. So entlarvt er nicht nur die wahren Gesichter der aufs Korn genommenen Songs, sondern zeigt auch das Wasser, mit dem die Stars kochen.

Trotzdem hat "Straight outta Lynwood", wie leider eigentlich jedes Yankovic-Album, Probleme mit der Halbwertszeit. So herrlich albern die Parodien sind und so durchgeknallt auch die Eigenkompositionen mit Zitaten und Querverweisen jonglieren - irgendwann ist der Witz raus. Selbst wenn es bei gestandenen Nerds ein paar Wochen dauern könnte, bis auch der hinterletzte Seitenhieb endgültig identifiziert ist. Und nochmal so lange, bis die Zwerchfellstauchung verheilt.

(Oliver Ding)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • White & nerdy (Parody of "Ridin'" by Chamillionaire feat. Krayzie Bone)
  • I'll sue ya
  • Polkarama!

Tracklist

  1. White & nerdy (Parody of "Ridin'" by Chamillionaire feat. Krayzie Bone)
  2. Pancreas
  3. Canadian idiot (Parody of "American idiot" by Green Day)
  4. I'll sue ya
  5. Polkarama!
  6. Virus alert
  7. Confessions part III (Parody of "Confessions part II" by Usher)
  8. Weasel stomping day
  9. Close but no cigar
  10. Do I creep you out (Parody of "Do I make you proud" by Taylor Hicks)
  11. Trapped in the drive-thru (Parody of "Trapped in the closet" by R. Kelly)
  12. Don't download this song

Gesamtspielzeit: 47:49 min.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify