Aaron Stout - Queens live in caskets

Aaron Stout- Queens live in caskets

Monotreme / Cargo
VÖ: 10.11.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Am seidenen Faden

Die Türen und Fenster sind verriegelt. Weißer Rauhreif verziert die Straßen, die Nacht ist kalt wie Beton. Vernünftige Menschen schlummern in ihren Betten, gewärmt von Feuerholz und Schnaps. Draußen klirrt Glas, Köter winseln, und kreischendes Kratzen hallt in den Gassen. Im fahlen Mondlicht, zwischen Müll und stinkender Pisse, eingehüllt in Lumpen, sitzt Aaron Stout. Mit einer schiefgestimmten Gitarre und einer vollen Flasche Rotwein im Kopf. Stout resümiert sein Leben, während sein Kamerad schon längst von der Kälte dahingerafft wurde.

Mit alkoholklarer Stimme schwebt der 27 jährige über einen stumpftreibenden, simplen Schlagzeugrhythmus, flieht vor schaurigem Sirenengeheul, während der heiße Draht seiner Gitarrensaiten in der Haut sticht. Der Atem stockt, "The coronation" verfolgt einen im Schlaf. Das Herz pocht, der Schweiß strömt, die eitrigen Narben platzen auf. Mit wenigen Mitteln und großem Herz zieht uns der zottelige Songwriter in die nebelverschwommenen, schwülen Ecken des menschlichen Daseins. Seines Daseins. Doch das ist eine andere Geschichte.

Aaron Stouts Geschichte: Ende der Siebziger am Ufer des Ohio Rivers in Indiana geboren, bald ins pulsierende Brooklyn verzogen, sah sich der Lockenkopf mit dem Verschwinden der Liebe, dem Reiz der Spiritualität und dem Sog des Reisens konfrontiert. Erspielte mit seinen Folk-Rock-Songs die Herzen Besoffener, die Gunst der Damen und das spärliche Geld der Musikliebhaber zeitloser Klänge. Das Resultat des bisherigen Ackerzyklus: Ein geflügeltes Gespenst von Debütalbum namens "Queens live in caskets". Aaron Stouts Karriere als Geschichtenerzähler und Romantiker nimmt Gestalt an.

Das Schlagzeug scheppert wie ein alter Kessel, die Gitarre klingt nach Schmirgelpapier. Mit elektronischen Versatzstücken wie dem tiefen Rauschen des Ozeans, lädt der Amerikaner zum Träumen, mit dem infantilen Pfeifen aufgerissener Lippen zum Weinen. Getragen werden die räudigen Balladen von der hoffenden, treuen und ölig warmen Stimme des Musikers, der im abschließenden, elektronischen "Story of my life" all der emotionalen Schinderei entflieht und sich mit Hilfe eines langen Atems aus dem dampfenden Staub macht. Irgendwo im Verborgenen wird er noch ein wenig Whiskey in die Wunden kippen. Der Schmerz wird irgendwann vorüber gehen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • The coronation
  • Lightspeed
  • First song for Jaclyn
  • Story of my life

Tracklist

  1. The coronation
  2. Space station
  3. Lightspeed
  4. Talk out of turn
  5. To Prague and back
  6. First song for Jaclyn
  7. Fountain of youth
  8. The ballad of Curtis Jones
  9. Story of my life

Gesamtspielzeit: 35:32 min.