The Frames - The cost

The Frames- The cost

Anti / SPV
VÖ: 24.11.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Stilles Örtchen

Sollte man mal in die glückliche Lage kommen, von Glen Hansard zum Tee eingeladen zu werden: mindestens fünf Tassen trinken! Um dann aus gutem Grund das Gästeklo besichtigen zu können. So ganz unauffällig. Dieses dürfte nämlich ziemlich vollhängen - die Frames haben es während ihrer sechzehnjährigen Bandgeschichte doch tatsächlich hingekriegt, daß ausnahmslos jedes ihrer Alben Doppel-Platin-Status erreicht hat. Zumindest in Irland. Und so bescheidene Menschen wie Glen Hansard hängen derartige Auszeichnungen nun mal immer ins Gästeklo. Weil das Livealbum "Set list" die mit Abstand erfolgreichste Veröffentlichung des Quintetts ist, wurde der neue Longplayer übrigens gleich komplett live eingespielt.

Gut zwei Jahre ist es her, daß Landsmann Damien Rice der Welt "Burn the maps" ans Herz gelegt und mal wieder Recht hatte. Und spätestens jetzt, beim sechsten Studioalbum der Dubliner, sollte wirklich jedem klar werden, was es damals mit dem Albumtitel auf sich hatte: Die Frames brauchen halt einfach keine Landkarten. Sie haben den Orientierungssinn eines Kranichs, kombiniert mit der Intuition eines Drogenspürhundes. Außerdem: Was so eine Landkarte kann, können die Frames schon lange. Zum Beispiel weite, harmonische Hochebenen abbilden, filigran idyllische Streicher-Bächlein und glitzernde Klavier-Seen einzeichnen oder auch bombastische Gebirgslandschaften vorsichtig umschreiben. Das alles in eine beinahe meditative Basis-Stille gehüllt, die jede Songdramaturgie zu einem Aufbegehren, Aufbäumen, Ausbrechen geraten läßt.

Die Band selbst kündigte "The cost" als "seventies folk record - Gordon Lightfoot, early Elton John" an, was dann aber doch nur ansatzweise stimmt. Etwas akustischer und ruhiger als der Vorgänger sind die zehn Songs durchaus - vor allem der Opener "Song for someone" und der Schlußtrack "Bad bone". Aber ihren alten Trick, den haben sie dazwischen immer noch drauf. Ihr kennt diese übergroßen Einkaufstaschen, die man mit etwas Geschick auf praktische Taschentuchgröße zusammenfalten und mit einem Druckknopf fixieren kann? Genau dieses Prinzip macht das Werk der Frames so spannend. Nur, daß sie bei der Taschentuchgröße beginnen und der Druckknopf Glen Hansards Stimme ist, die liebkost und aufbraust; dramatisiert und entdramatisiert. Und dann wäre da auch noch dieses Chris-Martin-Falsett.

Passend dazu ist die erste, wirklich sehr hübsche Singleauskopplung "Falling slowly" erstaunlich coldplayesk geraten - allerdings im bestmöglichen Sinne. Wenn Glen Hansard schon ein Stadion hymnisch abschreitet, dann wird das darauffolgende Spiel auch gewonnen. "People get ready" führt in spirituell-perkussiver Atmosphäre eine Grundsatzdiskussion, während "Rise" zu gedämpftem Licht die Fingerspitzen feengleich über das Piano tänzeln läßt und schließlich die Verantwortung an eine aufständische Violine übergibt. Paradoxerweise ist "Sad songs" das fröhlichste, singalongste Stück der ganzen Platte. Der zentnerschwere Titeltrack bereitet gewissenhaft auf das nur unwesentlich leichtere "True" vor, bei dem es so lange im Hintergrund brodelt, bis eine dezente Frauenstimme beherzt den Deckel abnimmt. Daß es trotzdem überkocht, macht das Ganze nur noch ein bißchen sympathischer. Und schöner.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Falling slowly
  • People get ready
  • Sad songs

Tracklist

  1. Song for someone
  2. Falling slowly
  3. People get ready
  4. Rise
  5. When your mind's made up
  6. Sad songs
  7. The cost
  8. True
  9. The side you never get to see
  10. Bad bone

Gesamtspielzeit: 43:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
yadias
2008-07-21 19:48:25 Uhr
Oh man, was für ein Übersong ist denn "People Get Ready" bitte schön? Bekomme den Song nicht mehr aus dem Kopf.

"We have all the time in the world
To get it right, to get it right
We have all the love in the world
To set alight, to set alight"
dominik
2007-08-20 17:29:57 Uhr
ONCE
Kinostart: 17.01.08
Trailer: http://www.apple.com/trailers/fox_searchlight/once/

Bei ONCE handelt es sich um ein Musical/Drama. Der Film spielt in Irland. Hauptdarsteller ist der Sänger von The Frames. Seit dem ich den Trailer bei nem Bekannten gesehen hatte war ich sehr angetan...
Pat
2007-01-20 23:16:45 Uhr
wow, gerade ein live konzert vom 22.11.06 entdeckt (über 100 minuten). kann man sich unter www.fabchannel.com anschaun (einfach den bandnamen suchen). super sympathische band und wunderschöne musik. :)
Schweizerländer
2006-12-02 13:21:03 Uhr
Ich versteh die Welt nicht mehr. Diesen Herbst spielten sie in Österreicht, Februar2007 5 Konzerte, aber in die Schweiz kommen sie nie... Geht ja gar nicht!
Armin
2006-12-01 13:27:50 Uhr
FRAMES, THE - TOURDATEN
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Das neue, lang erwartete THE FRAMES Album "The Cost" erblickte letzte Woche Freitag über ANTI das Licht der Welt. Das bereits 6. Album wurde komplett live aufgenommen und geht diesmal sehr in die "Seventies Folk Ecke" ala Gordon Lightfood. Freunde von RADIOHEAD oder U2 werden die 10 Songs aber ebenfalls in ihre Herzen schließen.

Anfang nächsten Jahres werden die Iren mit ihrer Live Show in folgenden Städten für Furore sorgen:

31.01.2007: München - Ampere
01.02.2007: Köln - Prime Club
07.02.2007: Dresden - Star Club
08.02.2007: Hamburg - Logo

http://www.theframes.ie
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