The Book Of Daniel - Songs for the Locust King

The Book Of Daniel- Songs for the Locust King

Riptide / Cargo
VÖ: 24.11.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Alphamännchen

Wir können nicht anders, wir müssen das erwähnen: Daniel Gustafsson, 30 und Schwede, hat einen erheblichen Teil seines bisherigen Lebens hinter Gittern verbracht. Der Gute ist jedoch kein überführter Bankräuber, stand unseres Wissens nie unter Mordverdacht, und einen Elch hat er auch nicht überfahren. Gustafsson war nur Eishockeytorwart, gar kein schlechter, um da genau zu sein, aber doch einer, dem das irgendwann zu heikel wurde im Kreuzfeuer der Hartgummischeiben. Also schulte er zum Liederschreiber um, eiferte damit seinem kleinen Bruder Martin (unbekannt als Boy Omega) nach, und wäre dann jetzt so weit mit seinem Debütalbum. "Songs for the Locust King" - einige Leute werden sehr bald schon vor ihm auf die Knie fallen.

Anders als sein bodenständiger Bruder ist der große Gustafsson ein Bauchpinsler, ein Genußmensch und auch einer mit ordentlichem Sockenschuß. In seinen Geschichten erzählen betrunkene Kneipengeister über ihre erstunkenen Boxerkarrieren. Herzen verheddern sich im Reißverschluß einer Übergangsjacke. Ein Graffiti schreit uns von der Wand an, ein Mädchen zählt Regentropfen. Die Umsetzung dieser Absurditäten, die freilich immer nur den Rahmen um irgendwelche Liebestragödien bilden, die ist Gustafsson aber mit erwähnenswertem Ernst angegangen. "Songs for the Locust King" ist ein ähnliches Festtagsbankett wie die meisten Rufus-Wainwright-Aufnahmen, obwohl Gustafsson nicht jeden Honigtopf auslecken muß, den er in die Finger kriegt. Sobald der Typ aber mal richtig loslegt, kommt auch bei ihm ein halber Musikladen an Instrumenten aus der Puste.

Besonders Klavier und Saxophon verdienen sich dabei Fleißsternchen in ihr Hausaufgabenheft. Letzteres brummt sogar esoterisch verklärend durch jene Lücken von "The camels parade", in die eigentlich ein Refrain reingehören müßte. Gustafsson singt aber gerade die dritte Strophe dieses Durchhalteversprechens von einem Song so aufopferungsvoll und atemlos, daß man sich gar nicht daran stören könnte. Und abgesehen davon: Er hatte uns eh schon nach fünfzig Sekunden im Sack, als das Spoken-Word-Intro zu "Early morning prayer", gesprochen von einer Frau, gewidmet dem Heuschreckenkönig, vorbei und er mit den Zeilen "Oh my Lord / I will call your bluff" zugestiegen war. Dieser Mann weiß eben, was ein großer Auftritt ist.

"Deadringer deadringer" verschenkt Gustafsson danach mit einem aufgedrungenen Holadri-Refrain, er schnallt noch nicht immer, wann es gut ist, wann Schluß sein sollte. Aber dann kommt "Busy bee", neun Minuten stark, ein Crooner mit verstauchtem Herzen. Gustafsson singt längst um sein Leben, übers Klavier gebeugt, "Love stands small against fear." Später wird er nochmal darauf zurückkommen, aber da driftet der Song schon ab in sein augenöffnendes Jazzfinale. Das Album zehrt bis zum Schluß davon, es läßt kaum mehr nach und muß doch im Schatten dieses einen Stücks stehen. Vielleicht ruft "Halleluja" deshalb am Ende der Platte mit Engelschören nach endgültigen Lösungen. "The steady diet that you keep / Of amphetamine and sweets / Has sent the tombstone poets to work all week." So oder so - gut kann das nicht ausgehen.

(The review of Daniel)

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Highlights

  • Early morning prayer
  • The camels parade
  • Busy bee
  • Hallelujah

Tracklist

  1. Early morning prayer
  2. The camels parade
  3. Deadringer deadringer
  4. Busy bee
  5. 3rd of December
  6. Rabbit boy
  7. Dream on, wildhead
  8. Paper birds
  9. Hokus pokus
  10. Hallelujah

Gesamtspielzeit: 53:51 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Ina Simone Mautz
2011-02-08 00:46:27 Uhr
Klar gibt's den noch - hat Filmmusik gemacht und arbeitet, so viel ich weiß, auch schon seit längerem an seinem zweiten Album.
Mein name
2011-02-07 21:00:04 Uhr
gibts den guten mann noch?!
Soup Dragon
2007-01-04 16:19:13 Uhr
Vor kurzem zufällig im Radio gehört. Hat mich daran erinnert wofür ich Bright Eyes zu Lifted...-Zeiten so geliebt habe, allerdings längst nicht so weinerlich!
bartender
2006-11-29 20:55:48 Uhr
Muss man hier echt alle zu ihrem Glück prügeln?
alfred
2006-11-16 23:57:07 Uhr
die rezi gefällt mir ganz gut.
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