Sushimob - The controls and their function

Sushimob- The controls and their function

Waggle-Daggle / Broken Silence
VÖ: 30.10.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Rohes Fest

Geschwitzt wird woanders: Zwischen einem abkühlendem Radler und dem heroischen Apfelwein bleibt in der Bankenmetropole am Mainufer die Zeit stehen. Die Gelassenen schwelgen in der Träumerei der Freiheit, die Angestrengten verfallen dem Sog des Treibens. Sushimob stecken mittendrin. Feine Beobachtungsgabe, große Gesten, schwärmende Melancholie. Wo der Zeitgeist auf fette Produktion und ausufernde Streicher setzt, gibt es bei der Drei-Mann-Combo Bombast im Kühlschrank und Hits auf der ganzen Strecke. Gefühl ist, was Du draus machst. Hier und jetzt: Prickelnder Indierock aus Frankfurt.

Ein Faustschlag ins Zwerchfell, ein Ruck durch Körper und Geist. Sushimob nehmen ohne Umschweife das Heft in die Hand, balancieren zwischen Garage und Dramatik und zerlegen nebenbei die ganze Hütte. "The Glen Venus E.P." zelebrierte im Jahr 2003 ein Knistern und zog die Ohren in die Länge. Umjubelte Konzerte mit den Libertines, Blackmail oder Ash waren das Resultat, eine wachsende Fangemeinde der Bonus. Fünf Songs, die ein Feuerwerk des guten Geschmacks abfackeln und Energie auf Rezept beherbergen. Das Jahr 2006 bringt es endlich. Das erste Album. Meine Damen, meine Herren, bitte frei machen. "The controls and their function" heißt die Perle. Sushimob die Band.

Ein rollendes Schlagzeug, ein treibender Baß, und schon steckt man bis zum Kopf in einem Album, das einen am Schlafittchen packt. "I go robot" schwitzt sich das Blut aus den Poren, drückt gegen die Wand. Im schief sitzenden Halbtonschritt strapaziert Matze Brunner seine Stimmbänder, das Schlagzeug räumt den Tisch ab, und der Baß nimmt bei der Hand. "Costume for Kelly" schmückt sich mit feiner Melancholie, "The breaks don't work" ist die hessische Antwort auf London und kompensiert auf dem erdigen Boden der Tatsachen den Drang zum großspurigen Britpop. Im furiosen Finale "The big Astro" geht die Band steil, wuchtet sich in feuerrote Höhen. "Come on / Play with me / And we forget the things / We don't like."

Im Vergleich zur rotzigen, druckvollen und fantastischen EP versucht sich "The controls and their function" an vielen Kleinigkeiten, die in den Ecken funkeln, nach und nach entdeckt werden und zwischen Zurückhaltung und Sonnenbrille das Gemüt erfreuen. Sushimob zeigen Gefühl, suhlen sich in unterschwelliger Melancholie. Wer hätte das erwartet? Wir kaufen jetzt jedenfalls eine Schachtel Pralinen, schicken sie mit Gütesiegel nach Frankfurt und schauen, daß wir irgendwo einen Kanister Apfelwein herbekommen. Wie sagte Tim Wheeler (Ash): "Sushimob rules my school!" Kluger Mann.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • I go robot
  • Costume for Kelly
  • The brakes don't work
  • The big Astro

Tracklist

  1. I go robot
  2. Lean
  3. Take it but leave me
  4. Antiplastic
  5. Costume for Kelly
  6. Always
  7. The breakes don't work
  8. Gammabraut
  9. Yes, please
  10. On the corner
  11. Nailslide
  12. The big Astro

Gesamtspielzeit: 35:17 min.

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  • Sushimob (11 Beiträge / Letzter am 10.11.2006 - 12:52 Uhr)