Electric Six - Switzerland

Electric Six- Switzerland

Metropolis / Al!ve
VÖ: 10.11.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Axt im Haus

Es gibt drei Möglichkeiten, sich auf Kosten des Alpenstaats logieren zu lassen. Die erste und zugegebenermaßen schwierigste Variante: Man deponiert sein angehäuftes Vermögen im Schließfach. Die zweite und nüchternste Variante: Man reist entlang der Zeitleiste gen Vergangenheit, bewaffnet mit Apfel und Armbrust und versucht sein Glück. Die dritte und leichteste Variante: Man nennt seinen musikalischen Schmelzkäse "Switzerland", fotografiert die Nationalflagge und wartet auf die schriftliche Einladung. Gespart? Die Durchlöcherung des Sohnes und der ehrliche Gelderwerb.

In Detroit übt man sich in Ehrlichkeit und Rafinesse: Damit das mit der Einladung auch auf keinen Fall schief geht, widmet man das ganze Werk dem Tennisspieler Roger Federer und macht keinen Hehl um die Namensfindung des dritten Studioalbums. Schließlich waren die Mitglieder der Hitfabrik Electric Six noch niemals in der Schweiz. Und wollen nach eigener Aussage dringend mal hin. Deswegen der Titel. Alles muß sitzen, der Coup ordentlich durchdacht sein. Noch schnell einen Schmähruf auf Nachbarland Deutschland fabuliert, feine Anzüge geschneidert und mit Ricola-Geschmack die Wogen der Songs geglättet. "Meine Damen und Herren. Hier spricht der Kapitän..." Anschnallen. Die Reise kann beginnen.

Und euphorisch weht der Wind direkt auf zwölf Uhr ins Gesicht. "The band in hell" zündelt zwischen Pulp-Fiction-Soundtrack und Desperados-Werbung, Santana-Solo und Saufgelage. Auch die Single "I buy the drugs" schleicht von unten nach oben und hat wesentlich mehr zu bieten als ein "The joker"-Gedächtnisriff. Die elektrischen Sechs flammen ein Feuerwerk der Hooklines ab und stehen mit "Infected girls" ihren Michael Jackson. Keyboards klimpern, die Gitarren braten, das Schlagzeug rumpelt. "Switzerland" gerät zu einem zwingenden Tanzspaß, der beim Leisehören ungeahnte Pieptöne im Gehör hervor ruft. Wo die Technik fehlt, ersetzt eben die Axt im Hause den Zimmermann.

Doch noch bevor sich die tiefe, energetische Stimme von Dick Valentine in Rage raspelt, werden wir hellhörig. Was auch immer die Mannen in der Schweiz suchen wollen, im Vergleich zu den sexy Vorgängern "Fire" und "Senor smoke" (das hierzulande vergeblich auf Veröffentlichung wartete) gleicht der neue Tonträger eher einem Fischweiher, als einem rauschenden Gebirgsbach. Die Songs rumpeln kurz im Zwerchfell, bevor sie im Ohr herumdümpeln und über kurz oder lang durch eine ziemlich hohle Gasse wanken. Letztendlich ist es der vorletzte Song, "Germans in Mexico", der das Album nachhaltig prägt und wegen Stretchung der Lachmuskeln zur Verantwortung gezogen werden muß: "There are Germans in Mexico / Taking over tonight / Falling in love with your daughter / They come in the night / And take our woman / For sale in Berlin." High five.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • The band in hell
  • Slices of you
  • Germans in Mexico

Tracklist

  1. The band in hel
  2. I buy the drugs
  3. Mr. Woman
  4. Night vision
  5. Infected girls
  6. Pulling the plug on the party
  7. Rubber rocket
  8. Pink flamingos
  9. I wish this song was louder
  10. Slices of you
  11. There's something very wrong with us so let's go out tonight
  12. Germans in Mexico
  13. Chocolate pope

Gesamtspielzeit: 42:29 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Das
2015-10-31 19:47:35 Uhr
Was wurde aus dem Album?
FBC
2006-11-10 11:42:23 Uhr
"Germans in Mexico" ist schon ziemlich behämmert...aber geil.
Thinkman
2006-11-08 15:18:23 Uhr
Meine Rede!

Ich finde "Nightvision" am besten!
ConDrei
2006-11-07 15:38:37 Uhr
Es ist schwer zu definieren, welches das schwächste ist, denn man muss sagen, dass sich alle Alben anders anhören. Fire war das rockigste, Senor Smoke für Parties am geeignesten (oder zum Lachen, siehe die "Pleasing Interludes").
Switzerland ist recht abwechslungsreich von der Musik her, und man legt wohl diesmal mehr wert auf Texte. Zumindestens finde ich, dass Switzerland bis dato die besten und lustigsten Texte hat.
Und super Lieder sind auf jeden Fall auch dabei:
I Buy The Drugs, Mr Woman, Pulling The Plug On The Party, Slices Of You, Germans In Mexico

Ist sicherlich Geschmackssache, aber ich finde das der Name Electric Six zurecht auf dieser Scheibe steht.

Electric Six regieren derbe
Thinkman
2006-11-07 13:07:25 Uhr
Hab die Scheibe schon seit September über cd-wow. Ist das bisher schwächste Electric Six-Album, aber immer noch geil und mit einigen Hits. Die Band regiert einfach. Hoffe nur, das die auch mal nach Deutschland kommen...
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