The Who - Endless wire

The Who- Endless wire

Polydor / Universal
VÖ: 27.10.2006

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Whose generation?

Es gibt Bands, da kann man als Autor einer Rezension eigentlich das Phrasenschwein per Dauerauftrag füllen. Weil nämlich alles gesagt ist, was zu sagen ist. Nehmen wir mal The Who: eine der einflußreichsten Bands, ohne die es so abstruse Genres in der Form nicht gäbe. (Ach was!). Oder auch: Bis Manowar amtlich vermessen die lauteste Band der Welt. Auch bekannt. Oder aber: die Band, die - ohnehin auf Abgesang-Tour - diese selbst nach dem Tod von Baß-Salzsäule John Entwistle nicht unterbrach. Er hätte es so gewollt, sagt man. Oder aber: The show must go on. Die Vorwürfe der Leichenfledderei relativieren sich etwas, führt man sich vor Augen, daß The Who eigentlich Pete Townshends Baby war und ist. Aber reicht das für das erste Studioalbum nach schlappen 24 Jahren?

Nach einer solchen Zeit darf man natürlich nicht den Fehler machen, "Endless wire" mit Meilensteinen der Musikgeschichte wie "The Who sell out" oder "Tommy" zu vergleichen. Wenn aber die Backing-Vocals des Openers "Fragments" klingen, als habe man "Pinball wizard" ins Jahr 2006 gehoben, dann haben die Herren Townshend und Daltrey es nicht anders gewollt. Was jedoch nahezu komplett verschwunden ist, ist das Krachpotential. Die Skandale sind Geschichte, es kehrt Ruhe ein bei The Who. "A man in a purple dress" zum Beispiel klingt nach Liedermacher-Veteranen, die nicht mitbekommen haben, daß ihr Genre mittlerweile "Singer / Songwriter" heißt. Wie wohltuend da das "Mike Post theme", bei dessen Refrain man in Gedanken schon einmal die wohl berühmteste aller Gitarristen-Posen übt.

Doch der Kreisel bleibt allzuoft im Gepäck. Sicher darf man nicht erwarten, daß The Who nach 45 Jahren Bandgeschichte noch so unbekümmert umherlärmen wie noch zu Zeiten von "My generation" oder "Baba O'Riley". Dennoch wirkt insbesondere die erste Hälfte der Platte richtiggehend alt. Nicht mit Patina besetzt, sondern mit Rost. Und wenn "In the ether" klingt, als stünde ein grippekranker Tom Waits hinter dem Mikro, kommt bestenfalls Mitleid auf. Selbst die scheinbar schön fette Produktion beginnt irgendwann mit viel zu sehr in den Vordergrund gemischten Gesang zu nerven. Jedenfalls sind die Heerscharen an Instrumenten, die Townshend laut Booklet gespielt haben will, meist nur zu erahnen.

Also muß als Rettung doch noch die "Mini-Oper" herhalten. "Wire & glass" heißt das Werk und ist eine Vertonung einer Blog-Novelle von Townshend mit dem Namen "The boy who heard music". Und plötzlich ist es wieder da, das alte Feeling. Mit Lärm, mit Dynamik, mit nur auf den ersten Blick unauffälligem Gitarrenspiel. Leider auch mit Townshend selbst als Sänger von "Endless wire", eindrucksvoll unter Beweis stellend, warum sonst Roger Daltrey und nicht er singt. Das zunächst diffuse Bild von "Endless wire" klart sich auf: "Wire & glass" ist ein eindeutiges Zeichen, daß die alten Herren immer noch ihr Handwerk beherrschen, auch wenn Keith Moon schon lange und John Entwistle erst recht fehlen. Dummerweise sind dies nur 15 von über 50 Minuten. Beim Rest dominiert Langeweile, eine Sammlung von Füllwerk, das nur selten adäquates Niveau erreicht. Sehr schön allerdings der Fauxpas, den sich Townshend in den Lyrics von "Mirror door" leistet. Die dort in einer Reihe mit verstorbenen Musikergrößen genannte Doris Day erfreut sich nach wie vor bester Gesundheit ...

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Fragments
  • Wire & glass

Tracklist

  1. Fragments
  2. A man in a purple dress
  3. Mike Post theme
  4. In the ether
  5. Black widow's eye
  6. Two thousand years
  7. God speaks of Marty Robbins
  8. It's not enough
  9. You stand by me
  10. Wire & glass: Sound round
  11. Pick up the peace
  12. Unholy trinity
  13. Trilby's piano
  14. Endless wire
  15. Fragments of fragments
  16. We got a hit
  17. They made my dream come true
  18. Mirror door
  19. Tea & theatre

Gesamtspielzeit: 52:49 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Susu
2006-11-01 15:09:26 Uhr
Für mich ist und bleibt "Quadrophenia" immer das Meisterstück. Mit anderen Scheiben konnte ich nie wirklich warm werden...
Tschengschiss
2006-11-01 14:29:15 Uhr
Alte Fürze die nicht neues bringen. Und das alte ist überholt. Wären besser in ihrem Seniorenheim geblieben.
Third Eye Surfer
2006-11-01 14:11:39 Uhr
Also, ich war ja skeptisch, was dieses Album angeht. Aber ich hab's jetzt und bin begeistert. Es ist nicht nur eine Rückkehr zu alten Stärken, sondern für mich auch eins ihrer besten Alben. Sicher lassen sich Entwistle und Moon nicht einfach so ersetzen, aber das Bass- und Schlagzeugspiel ist schon grundsolide. Da hab ich nichts zu bemängeln. Außerdem: Lasst uns ehrlich sein: das Herz der Band war immer Townshends Songwriting. Und das ist seit Who Are You nicht mehr so gut gewesen. Auch Daltreys Stimme ist immer noch eine Wucht und diesmal zeigt er sogar eine Vielschichtigkeit in seiner Stimme, die man ihm in diesem Alter garnicht mehr zugetraut hätte. Schade nur, dass auch Townshend manchmal die Lead Vocals übernimmt, denn das kann er einfach nicht. Aber das ist zusammen mit der Tatsache, dass manche der Songs aus der Mini Opera ruhig etwas länger hätten sein könne, das einzige, was ich zu bemängeln habe.
Söze
2006-10-25 22:45:20 Uhr
The Who von 1965 - 75 waren und sind so gross wie kaum eine andere Band (Sell Out, Who's Next und Quadrophenia sind doch zweifellos alle runde 10/10er, oder?). Aber das da ... ich weiss nicht recht ... die bisherigen letzten drei Alben waren nicht wirklich überzeugend und von Pete Townshends Solozeugs taugt auch gerade mal Empty Glass was. Und es ist ja auch nicht so, dass Keith Moon und John Entwistle ersetzbar wären.


Grossväter-Rock *schauder* ;-)
Armin
2006-10-25 22:21:36 Uhr
THE WHO - "Endless Wire"

Dass es sich bei The Who um eine der größten und bedeutendsten Bands der Sechziger und Siebziger Jahre handelt, kann man ohne Zweifel behaupten.

Jetzt, 24 Jahre nach ihrem letzten Studioalbum wollen es Pete Townshend & Co mit "Endless Wire" wieder wissen. Auch wenn John Entwistle und Keith Moon nicht mehr unter den Lebenden weilen, klingt es, als währen sie zumindest im Geiste bei den Aufnahmen zu „Endless Wire“ dabei gewesen.

Daltrey ist bei Stimme, Townshend in bester Form. Neben der Mini-Oper "Wire & Glass", die eine epische Kombination aus sechs Stücken ist, haben The Who mit ihrem neuen Album den klassischen und legendären The Who-Sound mit zeitgenössischen Klängen vermengt.

Bereits auf ihre Tour im Juli, die The Who nach Bonn, Berlin und Ulm führte, zeigte sich, dass Pete Townshend und Co. nichts von ihrer ursprünglichen Kraft verloren haben. Das wird „Endless Wire“ nun noch bekräftigen.

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