Paradise Lost - Believe in nothing

Paradise Lost- Believe in nothing

EMI
VÖ: 28.02.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Klebrige Tränen

Noch heute rauschen einem kalte Schauer des Unwohlbehagens über den Rücken, wenn "Icon" im CD-Player rotiert und dreizehn atemberaubende Kompositionen von Paradise Lost aus den Boxen rollen. Die Wucht der Platte warf die Hörer mit der Veröffentlichung im Jahre 1993 buchstäblich um und hinterließ deutliche Spuren in der musikalischen Sozialisation eines jeden Freundes härterer Klänge. Eine Scheibe später war ein Großteil des Zaubers verflogen, denn mit "Draconian Times" folgte nur ein lauer Aufguß des Erfolgsrezepts. Nachdem bei "One Second" erste elektronische Schnipsel wie Fremdkörper im Klanggebilde aufgetaucht waren, sagten die Briten dieser Halbherzigkeit mit "Host" endgültig Adieu, motteten ihre Gitarren ein und hatten in blinkenden Synthesizern neue Freunde gefunden. Die Blitze der Empörung bei allen Fans der ersten Stunde ließen natürlich nicht lange auf sich warten. Doch konsequent war die Entwicklung von Paradise Lost allemal, und auch die Umsetzung verschallte in offenen Ohren nicht, ohne ein leuchtendes Funkeln in den Augen zu hinterlassen. Für reichlich Spannung war also gesorgt - wohin würde die Reise nach "Host" gehen?

"Believe in nothing" gestaltet sich als zwiespältiger Kosmos. Eine Rückkehr zu den Anfängen gibt es nicht zu erleben, doch wird die auf "Host" eingeschlagene Evolution auch nicht beständig weiterverfolgt. Stattdessen läßt man die unendlichen Weiten des Elektrouniversums wieder mit der Welt der Ur-Gitarren verschmelzen. Die magischen oder gar explosiven Momente jedoch, die eine solche Fusion gewöhnlich hervorrufen kann, sucht man vergeblich. Eine gewisse Freude, daß der Sechssaiter wieder mehr in den Vordergrund rückt, kann die Enttäuschung nicht kaschieren, daß die Konzeption der Songs allzu oft in einem Übermaß an Langeweile erstickt. Sänger Nick Holmes teilt der Welt noch immer seine Schwermut und Trauer mit, doch seine Tränen laden nicht mehr zum wehmütigen Mitweinen ein. Der Hörer kann nur die leicht kitschige Klebrigkeit der Düsternis bemitleiden und ein bißchen Sonne herbeiwünschen. Selbst wenn die Gitarren endlich wieder ungezügelt losrocken dürfen wie bei "Sell it to the world", vermißt man den Ideenreichtum, der Paradise Lost bislang so oft auszeichnete.

Auch wenn man gehofft hatte, daß einem die naheliegende Schlußfolgerung für immer erspart bleibt: das Paradies scheint für immer verloren. Der unberührte Garten Eden, den die Band einmal für viele, viele Fans darstellte, ist verwuchert mit einer Vielzahl von Pflanzen und Ungeziefer, die zusammen keine Einheit bilden können. Die weichspülerischen Melodiebögen werfen ihre Schatten und lassen "Believe in nothing" in einem matten Dämmerlicht erscheinen. Während tiefer Glaube bekanntlich Berge versetzen kann, werden Paradise Lost mit "Believe in nothing" die Welt kein weiteres Mal ins Wanken bringen können.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Mouth
  • Divided
  • World pretending

Tracklist

  1. I am nothing
  2. Mouth
  3. Fader
  4. Look at me now
  5. Illumination
  6. Something real
  7. Divided
  8. Sell it to the world
  9. Never again
  10. Control
  11. No reason
  12. World pretending

Gesamtspielzeit: 46:01 min.

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