Laibach - Volk

Laibach- Volk

Mute / EMI
VÖ: 20.10.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Dirty deeds done with sheep

Eines waren Laibach in ihrer Karriere mit Sicherheit nicht: Easy Listening. Vor allem haben die Slowenen Fans wie Kritiker gleichermaßen im Ungewissen gelassen, ob sie nun ambitionierte Künstler, perverse Faschos oder einfach nur ein paar behämmerte Elektro-Musiker sind. Wollen wir uns dies mal genauer anschauen. Punkt eins, der mit der Ambition, mag zutreffen, denn einfach machen sie es ihren Hörern nicht. Haben sie noch nie getan, geschweige denn gewollt. Zu Punkt zwei: Natürlich spielten Laibach mit derselben Symbolik, wie sie auch die Nazi-Kunst benutzt hat. Und, minimal variiert, die der Stalinisten. Was den geifernden Kritikern danach entging, war die Tatsache, daß diese Kunst, die Ideologie, mit deren eigenen Mitteln als das entlarvt wurde, was sie ist: hanebüchen.

Warum wir überhaupt darauf nochmal eingehen? Nun, wer "Germania" beim Bügeln hört, stößt irgendwann auf die erste Strophe des Deutschlandlieds. Und danach wahrscheinlich ziemlich sauer auf. Ziel der Provokation erreicht. Was wollen Laibach, mit Unterstützung der slowenischen Elektroniker Silence, damit erreichen? Zunächst einmal die Neuvertonung diverser Nationalhymnen. Und zwar reduced to the max. Das Pathos durch Eigenleistung oder Chöre an den richtigen Stellen überhöhend, dennoch fast ausschließlich durch grummelnde Synthesizer instrumentiert. Die Botschaft? Länder dieser Welt, erinnert Euch an die Versprechungen Eurer Hymnen! Es geht in Germania um "Einigkeit und Recht und Freiheit", ums Lernen aus der Geschichte. Und genau dazu wird die erste Strophe als Backing eingesetzt. Treffer, versenkt.

"America" wiederum beginnt schreiend, laut, verzerrt. Ein Sinnbild für die Vereinigten Staaten von heute. The land of the free. Wirklich noch? Oder nehmen wir die dekadenten Streicher an der verfressenen Kuchentafel, die "God save the Queen" schrammeln. "So you still believe you're ruling the world." Sattes Selbstverständnis? Laibach werfen Fragen auf, die Antworten muß meist der Hörer geben. Deutlich hingegen der Eintrag ins Stammbuch in "Francia": "Listen to the sound of the street / Listen to those / Pyromaniacs / It's never too late." Revolution kommt von der Straße, nicht wahr? Wie Hohn, wie eine Karikatur wirkt dagegen das vinylkratzige "NSK". Ja, die Hymne an den fiktiven Staat der "Neuen Slowenischen Kunst". Untersetzt mit Churchills berühmter Kriegsrede.

"Volk" ist definitiv anders als alles, was Laibach zuvor getan haben. Natürlich gewinnt die Musik viel durch die zurückgenommene Instrumentierung, insbesondere die Zusammenarbeit mit Silence kommt dem Sound zugute. Nach der fast ausschließlich nur platten Provokation, die das Vorgängeralbum "WAT" zu einer Enttäuschung werden ließ, ist hier wieder Nachdenken nötig. Das gilt besonders für die Klangbilder, die geschaffen werden. "Vaticanae" ist Kitsch? Na sicher. Aber ist es der Vatikan nicht auch? Wer diesen zweiten Denkschritt nicht macht, wird "Volk" nicht begreifen. Und auch nicht verstehen, warum das Cover ausgerechnet Schafe zieren.

Um auf die eingangs versuchte Zuordnung zurückzukommen: Laibach sind Provokateure. Das ist nichts Neues. Ihr musikalisches Handwerk verstehen sie ebenso. Aber sie sind keine Spinner. Sie fordern den Hörer immens. Fahrstuhlmusik war gestern, heute ist Nachdenken angesagt. "Volk" ist mit Sicherheit das sperrigste Werk der Slowenen. Aber auch das ambitionierteste. Und eines der besten.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Germania
  • Francia
  • NSK

Tracklist

  1. Germania
  2. America
  3. Anglia
  4. Rossiya
  5. Francia
  6. Italia
  7. España
  8. Yisra'el
  9. Türkiye
  10. Zhonghuá
  11. Nippon
  12. Slovania
  13. NSK

Gesamtspielzeit: 58:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
)
2007-08-30 09:40:39 Uhr
wem? hier?

2007-08-30 09:39:51 Uhr
du!
sly_Von_Voigt
2006-11-22 01:28:49 Uhr
Irgendwie fühl ich mich unangenehm am Gravedigger erinnert

Und: rammstein auf schlacu

wahrscheinlich ham sie in irgendeinen interiview gesagt: "wir waren faszieniert von der Kraft die immer noch immer in nationalen gefühlen liegt"


Frage : Wer soll sich das wann anhöhren?
yoko ohne
2006-11-04 13:39:18 Uhr
...dann ist ja alles ok.
Pyrus
2006-11-03 23:33:17 Uhr
Dann halt ohne "stupide" (obwohl das überhaupt nicht abwertend gemeint war), aber Lärm ist schon ein (Stil-?)Mittel, dass Laibach ganz bewusst einsetzen.
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