Isis - In the absence of truth
Ipecac / Soulfood
VÖ: 03.11.2006
Unsere Bewertung: 9/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Kunst verpflichtet
Es sind die immer üblichen Klischees, die scheinbar jeder Platte irgendwie anheften. Was bei Metalcore die ganzen ganzkörpertätowierten toughen Jungs sind, ist bei Post-Rock, Post-Doom-Metal, Post-Metal oder wie man das nennen mag, das Klischee mit der epischen Depression. Selbstverliebte Kunststudenten, die sich in ihrer Melancholie ertränken und denken, sie seien irgendwie besser und überhaupt viel weiser als der Rest. Nicht zu vergessen der intelligentere Horizont, der genauso endlos ist, wie die endlosen Ozeane auf den typischen Covern. Schöne Vorurteile.
Doch völlig aus der Luft gegriffen ist so was ja nie, also muß auch etwas dran sein. Kunst spielt im Falle von Isis schon einmal definitiv eine entscheidende Rolle. Nur weiß man da nie genau, wo man anfangen soll: bei Isis als Symbol für die Kunst, sich auf nichts festlegen zu können und zu wollen? Derart zwischen all den Stühlen des Ambient, Rock und Metal zu tanzen, daß diese mit der Zeit selbst verblassen. Oder dieses einmalige Kunststück, den Hörer schon nach den ersten 40 Sekunden von "Wrists of kings" so in den Bann gerissen zu haben, daß man die restliche Stunde wie hypnotisiert in fernen Welten rumschwebt? Oder gar als symbolische Achterbahnfahrt des Lebens? All das und viel mehr. Denn es bedarf schon ein ungeheures künstlerisches Können, derart viele Facetten und mögliche Emotionen so zu verknüpfen, daß diese keineswegs zerfahren wirken, sondern im Gegenteil vielmehr in sich stimmig sind. Und das trotz der Tatsache, daß "In the absence of truth" wesentlich vielfältiger, harmonischer, rhythmischer und nicht zuletzt auch abwechslungsreicher als seine Vorgänger ist. Tiefste Verneigung.
Aber wie dem auch sei: Isis emanzipieren sich von einer Reihe dieser anfänglichen Klischees. Das beginnt schon beim Cover, was glücklicherweise nicht wieder auf diese nihilistische Depressionsthematik referiert. Und auch tonnenschwere Melancholie muss neuerdings oft beinahe entspannend wirkenden Melodien weichen. Zusätzlich unterstützt werden diese dann von der zurückhaltenden Singstimme Aaron Turners wie beispielsweise in "1,000 shards". Das heißt aber wiederum nicht, daß wegen mehr Melodiösität und mehr Gesang die gefürchteten Ausbrüche weichen mußten. Weit gefehlt. Denn wenn, wie in "Garden of light" auf Sturm umgeschaltet wird, dann paßt auch hier schier alles. Eine perfekte Produktion läßt die Growls noch fruchteinflößender klingen, und zur Beschreibung des Schlagzeugspiels reicht nicht einmal mehr die Phrase "extremst druckvoll" aus.
Isis stehen scheinbar mittlerweile über all diesen Dingen. Über diesen Stigmatisierungen des Genres. Über den Ozeanen, den dunklen Wolken und der erdrückenden Leere. All das wird nun zu reinen Stilmitteln degradiert, denn keiner weiß besser als Isis selbst, daß Kunst keineswegs eindimensional ist und immer neue Wege braucht. Der Einfluß schöner und positiver Elemente. Die Melodie. Der Gesang. Die Extreme. Das Neue am Horizont. Das oberste und letzte Kunstgesetz ist: jedes zu brechen.
Highlights
- Wrists of kings
- Not in rivers, but in drops
- Holy tears
- Firdous e bareen
Tracklist
- Wrists of kings
- Not in rivers, but in drops
- Dulcinea
- Over root and thorn
- 1,000 shards
- All out of time, all into space
- Holy tears
- Firdous e bareen
- Garden of light
Gesamtspielzeit: 64:48 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Dumbsick Postings: 540 Registriert seit 31.07.2017 |
2026-03-21 14:19:30 Uhr
@boneless: volle Zustimmung. Firdous ist ein definitives Highlight der Platte |
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boneless Postings: 7131 Registriert seit 13.05.2014 |
2026-03-21 14:06:35 Uhr
Firdous E BareenEigentlich sehr undankbar, dass dieses Stück zwischen zwei der besten Isis-Songs ever platziert wurde, so ging jenes irgendwie immer unter und fristete sein Dasein als quasi okayes Interlude. Dabei ist das fast schon makelloser Post-Rock. Ich liebe diese fragile Gitarrenmelodie und das zurückhaltende, aber trotzdem präsente Drumpattern. Dazu die elektronischen Sounds, die Himtergrund umherschwirren. Extrem entspannend zwischen zwei so explosiven Monumenten wie Holy Tears und Garden of Light. |
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radiant thistle Postings: 32 Registriert seit 01.01.2023 |
2025-10-16 11:07:20 Uhr
In the Absence of Truth und Wavering Radiant sind nun wieder als limitierte Farb-Vinyl-Ausgaben erhältlich: https://ipecac.tmstor.es |
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Der Wanderjunge Fridolin Postings: 4920 Registriert seit 15.06.2013 |
2025-02-11 09:46:58 Uhr
Das lässt mich an selige Helvete-Zeiten denken. |
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boneless Postings: 7131 Registriert seit 13.05.2014 |
2025-02-10 22:30:31 Uhr
Oh nein. Eigentlich habe ich gerade gar keine Lust, darauf Lust zu bekommen. Aber wenn ich nur den Namen lese, juckt es mich schon wieder ganz gewaltig und die Haare stellen sich unwillkürlich auf.Komm in den Fanclub. Es ist unausweichlich. Gab ja eine Show nach Auflösung noch unter anderem Namen. Ich glaube, den Stream hab ich mir damals sogar direkt angeschaut. Gänsehaut! |
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Referenzen
Neurosis; The Ocean; Cult Of Luna; Tool; Pelican; Earth; Dead Meadow; Aereogramme; Mogwai; Explosions In The Sky; Jesu; Amplifier; A Perfect Circle; Earthtone 9; Opeth; Goldflesh; Neurosis; Mouth Of The Architect; Grails; Red Sparowes; Mono; Kinski; Set Fire To Flames; Do Make Say Think; June Of 44; Gregor Samsa; Ostinato; Burst; Slint; Porcupine Tree; Anathema; Tiamat; Onesidezero; Oceansize; Breach; Botch; Carrera; Cave In; A Silver Mt. Zion; Godspeed You! Black Emperor; Bohren & Der Club Of Gore; sunnO)))
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