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The Presidents Of The United States Of America - Freaked out and small

The Presidents Of The United States Of America- Freaked out and small

Music-Blitz / Roadrunner
VÖ: 28.02.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Party ohne Wahlschein

Amerika - Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Vernunft und Fortschritt haben längst über die unkontrollierbare Fehlbarkeit des Menschen triumphiert. Zumindest schien es so, bis ein haarsträubend knapper Wahlkampf die ganze Welt von Ä wie Ägypten bis Z wie Zimbabwe in Atem hielt. Zu besetzen war die Position des mächtigsten Mannes des ganzen Erdballs, besagt die Legende. Ungezählte Kuriositäten später ist endlich der glückliche Sieger inzwischen gefunden, der sich fortan mit dem ruhmreichen Titel des "Präsidenten der U.S.A." schmücken darf. Leider kann auch der propagierte Fortschritt die Peinlichkeiten falsch ausgezählter Wahlergebnisse nicht vermeiden. Die Blamage ist perfekt und hätte nicht besser inszeniert sein können. Amerika - Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Etwas verspätet kommen auch die Presidents Of The United States Of America, alte Heroen der Spaßmusik, wieder aus ihren Löchern gekrochen, als hätte sie die hitzige Schamesröte ihrer Landsmänner aus dem Tiefschlaf geweckt. Nach fast vier Jahre Studioabstinenz gehen nun auch die musikalischen Präsidenten wieder auf Stimmenfang. Obwohl der physische Alterungsprozess auch bei Musikern nicht aufzuhalten ist, läßt sich so etwas wie geistige Reife nach dem ersten Hördurchlauf von "Freaked out and small" gottlob nicht ausmachen. Wen stören schon ein paar Falten im Gesicht und erste graue Haare auf dem Haupt, wenn das Gefühl einem immer noch vorgaukelt, die wilden Jahre seien noch lange nicht vorbei? Eben.

Die Aufnahmesessions zu "Freaked out and small" müssen sich als wahre Familienfeiern gestaltet haben: Seattle wie es singt und lacht. Der nette Opa Rock'n'Roll läßt alte Zeiten wieder aufleben, während seine Gattin bereitwillig die arthritischen Hände vom Tätowiergerät nimmt und in die Orgeltasten haut. Ab und zu werden im Rauch qualmender Zigaretten sogar Onkel Blues und Tante Jazz gesichtet, auch wenn ihr Gastspiel sich auf gelegentliche Soloeinlagen beschränkt. Seine animalischen Instinke entdeckt der kleine, niedliche Pudel vom Cover nebenan, der bereits beim ersten Wummern der Bässe die Ohren schlackern und sein Schwänzlein wedeln läßt. Selbst dessen Frisör kreist bereits eifrig die Hüften zu feurigen "Tiny explosions". Nach einer kurzen Ruhepause drückt der energetische "Jazz guy" die Anwesenden an die Wand.

Wirklich lustig wird es, wenn Opi dann doch mal eine kurze Pause einlegen muß. Die wilden Eskapaden der 50er, 60er und 70er des dahingeschiedenen zwanzigsten Jahrhunderts haben bekanntlich arg an seinen Reserven gezehrt. Kann man derart schwülstige, auf Orgelteppichen gebettete Vocals wie bei "Death star" wirklich ernst meinen? Nicht wirklich. Der augenzwinkernde Humor der Presidents war schon seit jeher das stärkste Kaufargument und reichte vor gar nicht mal allzu langer Zeit immerhin zu edlem Platinruhm. Auch Spaß kann eine gute Sache sein, sofern sinnvoll und in Maßen eingesetzt. Einmal mehr prangt auf dem Stimmzettel ein dickes Kreuzchen neben einem Presidents-Album. Möge ihre Amtszeit noch lange währen.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Tiny explosions
  • Last girl on earth

Tracklist

  1. Tiny explosions
  2. Nuthin but luv
  3. Tiger bomb
  4. Last girl on earth
  5. Jazz guy
  6. Meanwhile back in the city
  7. Jupiter
  8. Superstar
  9. Death star
  10. Blank baby
  11. I´m mad
  12. Headin out

Gesamtspielzeit: 36:10 min.

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